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Jesuiten und Jesuitismus
der Römlinge in der katholischen Kirche (s. Katholicismuö) mit dem Geunl-satze der Unfehlbarkeit und Stabilität ihres Instituts machtig ist, so lange die «ii-verbreitete, in Rom ihre Wurzel sindende Hierarchie auf blindes Glauben und hejiligen Nimbus des kirchlichen Pharisaismus ein Gebäude der geistlichen Allein-herrschaft gründet, so lange man die Gewissen der Gläubigen an dem Gängelbündeder Autorität führt, und mehr auf mystisches Treiben und andächtige Entzückungals auf Verstand und rein sittliches charakterfestes Handeln Rücksicht nimmt, stlange viele Journale in Frankreich, Deutschland, Ostreich und in der Schweiz sothätig für den Uitramontanismus und Absolutismus und gegen jede aufstrebendefreisinnige Idee im Gebiete des Kirchenthums kämpfen, so lange gibt es nochJesuitismus, und wenn auch die Gesellschaft Jesu zum zweiten Male aufgehobenwürde. Der Erzbischof von Paris gehorchte der Auffoderung des Ministers desöffentlichen Unterrichts nicht, nach welcher die Geistlichkeit keinen der aufgehobenenFeiertage mehr ankündigen und feiern sott. Im liturgischen Kalender der Divcesefindet man das Fest des heiligen Herzens Jesu (das Symbol der Restauration unddes Jesuitismus) wieder auf den 10. Jul. 1831 angezeigt. Der Abbe Lamen-nais (s. d.) bekämpft die Grundsätze der gallicanischcn Kirche, nennt Bossuet ei-nen feigen Knecht, erkennt in seiner Zeitschrift „^veiür" keine andere Macht an,als die von Gott ausgeht und'die sich im Papste offenbart. Die Franzosen sindnach ihm auserlesen, den Griechen und Römern gleich, den Völkern der Erde dieFreiheit zu bringen; allein durch die Freiheit, sagt der Jesuit, darf die Wahrheitnicht vernichtet werden. Die Volkssouverainetät ist nach Lamennais der höchsteGrundsatz, mit ihrer Quelle Gott, von dem sie stammt, und der Offenbarung die-ser Quelle auf Erden, dem Papste in Rom. Der Katholicismus gibt nach seinerAnsicht der Freiheit Ordnung, der Protestantismus unterwirft, wie der Schlauemeint, die Rechte Aller der Willkür jedes Einzelnen. Die zu Freiburg in derSchweiz erscheinende Zeitschrift „I,e vericki^ue" ist ebenfalls ein Jesuitenorgan.
Der Jesuitismus wird bestehen, so lange das Bestreben der Reaction desUltramontanismus und Romanismus dauert, er wird seinen verderblichen Ein-fluß, so lange dieses Streben wirkt, in allen Farben und Formen des Bon-zenthums unter Pseudokatholiken und Pseudoprotestanten offenbaren. Er istmächtiger als man glaubt, und nicht umsonst haben tressliche, durch traurige Er-fahrungen belehrte Männer vor ihm gewarnt. Er ist kein Schreckbild der Phanta-sie, er greift um sich schnell und unvermerkt, weil er nicht einem bestimmten Orden,einer bestimmten Religion, einem bestimmten Vaterlande angehört. Sein Grund-satz ist und bleibt Bevormundung der Menschen und Priesterherrschaft durch Ader-glauben, Durchsetzen egoistischer Zwecke unter dem Heiligenschein der Aufopferung,Uneigennützigkeit und religiösen Begeisterung; er ist allmächtig, denn eben in die-sem Heiligenscheine, in dem Aberglauben des Volkes, in der Gemüthlichkeit derMenschen, die sich so leicht betrügen läßt, im politischen Absolutismus und in allenverschmitzten und engherzigen Feinden der Aufklärung hat er starke und beharrlicheVerbündete. Allein, ob er auch bald mit Freiheit um sich werfe, wie LameunaiSin Frankreich, oder mit Absolutismus, wie die spanischen und portugiesischen Blat-ter, ob er im Beichtstuhle oder im Ministerium, in Bearbeitung Einzelner oderganzer Volkshaufen, durch die Grundsätze der Stabilität oder der Reaction, derGewalt oder Revolution zu seinem Zwecke zu kommen suche, immer ist seine e.oigeund göttliche Gegnerin die Wahrheit, die, obgleich die Heuchelei ihr hundertkopsi-geö Schlangenhaupt erhebt, stegreich über den Trümmern untergegangener Lugen-
werke einer selbstsüchtigen Priesterzunft steht. *) ^ ^
*) Die Zeitschrist: „Der canonische Wächter" (Leipzig 18Z0 — ZZ), istPlane gegen diese Bestrebungen gerichtet und enthält viele Urkunden zur^r!/ ^der hierarchischen Reaction.
D. Red.