Jesuiten und Jesuitismus 58?
pungsanstalten auch für die katholische Jugend auf einen Standpunkt gebracht,verde« seien, der dem Bedürfnisse in religiöser und wissenschaftlicher Hinsicht ent-spreche/ der Vorzug, welcher solchen auslandischen Instituten gegeben werde, nurhebe befremden können. Auch in Amerika werden die Jesuiten schwerlich ihr Glückmachen; die Vereinigten Staaten von Nordamerika stellen die Religion dem Ge-issen eines jeden Einzelnen frei und kennen keine bevorrechtete Kirche. Nach einerUnordnung vom 6. Sept. 1830 hob der Congreß von Central-Amerika alle reli-giöse Orden mit Ausnahme der Bethlehemiten auf; die Republik erkennt auchkein Nonnengelübde mehr an und die Mönche treten in den Weltpriesterstand.Don Miguel, dessen Usurpation auf Mönche, Beichtväter und verwilderte Solda-ten gegründet ist, hat seit dem 30. Aug. 1832 die Jesuiten in Portugal wieder-eingeführt; doch vermochte seine Liebe zur römischen Kirche nicht so viel über ihn,daß er das der Gesellschaft Jesu bei ihrer Aufhebung entzogene Eigenthum zurück-erstattet hatte. In England, wo nach den neuesten Berichten 119 Jesuiten sindswovon55 in Ston»)-Hurst und22 zu Hodder-House), werden sie schwerlich jemalssehr gefährlich werden. Die Jesuiten, inwiefern man sie als eine besondere Mönchs-gesellschaft betrachtet, haben sich jetzt überlebt, noch haben sie aber die alte Gesin-nung und denselben Willen. Sie sind nicht mit der Zeit vorgeschritten, währendman sie ehedem als die besten Erzieher in Ermangelung besserer Institute kannte;allein ihre Grundsätze, welche ihnen unter allen Anhängern der Reaction gegenFreiheit und Aufklärung Freunde verschaffen, verbreiten den Jesuitismus weitüber die Grenze des Ordens, und man hat mit Re-cht behauptet, daß der Jesui-lismus die Schwächen der Regierungen und die Aufwallungen der Völker gleichsehr benutze. Mehre Stimmen sprachen in der neuesten Zeit den Geist und dieAbsichten dieser Partei unverhohlen aus. Eine jesuitische Zeitschrift („I/uposto-^ l>gue",vom 12. Febr. 183(1) behauptete, daß die Fortschritte der Künste und Wissen-schaften bei allen Völkern Lächerlichkeit und Unglauben erzeugen. In Beziehungaufbie niederländische Regierung in Belgien sagte nach der Unterdrückung des phi-losophischen Collcgiums dasselbe Blatt: „Sage uns doch Jemand, mit welchemFug und Recht ein Ketzer Christen befehlen darf ? Ja, ihr Könige und ihr Völker,ihr seid nur dazu geboren, der himmlischen Braut Christi zü gehorchen. Furcht-bares Unheil muß euere Empörung gegen Denjenigen erregen, der nach der Ord-nung Melchisedek's den ewigen Hohenpriester darstellt." Kurz vor der Juliusrevo-lution erschien ein antirevolutionnairer Katechismus, in welchem zu lesen war:»Frage: Was muß man von unserm Jahrhundert denken ? Antwort: Die Phi-losophen sagen, daß es das Jahrhundert der Aufklärung, der Vervollkommnungl sü; verständige Menschen dagegen, welche die seit 600(1 Jahren gültigen Prin-j lipim annehmen, nennen es das Jahrhundert der Unwissenheit, der Selbstsucht,^ ber Treulosigkeit, der Ungerechtigkeit, der Freigeistern, der Ruchlosigkeit." AlleFreunde bloßer Autorität ohne Vernunftgründe, kirchlicher Stabilität und einespapistischen Absolutismus sind ihrer Gesinnung nach Ultra».outanisten, wenn sieb'lbst das bestehende Rom verwerfen sollten, sie bekennen sich, wenn sie sich auchl°n der äußerlichen Verbindung mit der Gesellschaft des Jgnaz von Loyola los-! lagen, zu den Grundsätzen des Jesuitismus. Durch ihn wird die freie For-! Ichung, die reine Sittlichkeit, die echte Religiosität verletzt. Kein Wunder da-bcr, daß der wahre Protestantismus unter Katholiken und evangelischen Prote-lanten alle Kräfte zu seiner Bekämpfung aufbot.
Die protestantischen Regierungen und selbst die katholischen, welche sich mehran die Gmndsatze des gallicanisch-febronianischen Kirchenrechts anschließen, wer-'N dem Aufkommen der Gesellschaft Jesu überall im Wege stehen. Preußen,^ nchen und Baiern haben in neuester Zeit öffentlich erklärt, keine Jesuiten in-Staaten aufnehmen zu wollen. So lange jedoch die ultramontane Partei