586 Jesuiten und Jesuinsmus
geblichen Gebeine des heiligen Vincen; von Paula hervor und ließ sie in ein.mmit 60,000 Francs bezahlten Kasten aussetzen. Zwar meinte man, der anq-h-liche Heilige sei nur ein Strohmann mit Gesicht und Händen von Wachs; derErzbischof aber achtete wenig auf solche Äußerungen, und verkündete- durchFürbitte dieses Heiligen würden die französischen Waffen gegen Algier siegreichsein. Die bedeutendsten französischen Familien schickten ihre Söhne in das Jc-suitencollegium zu Freiburg in der Schweiz, und Valerne d'Avignon überreichie1829 der Deputirtenkammer eine Schrift, worin er den Wunsch ausdrückte, manmöge den König um die Vorlage eines Gesetzes bitten, durch welches den in denJesuitencollegien zu Fpeiburg und anderwärts Gebildeten, der Zugang zu Civil-und Militairstellen verschloffen werde. Das Ministerium Polignac vollendetewas die Jesuitenpartei begonnen. Die Priester benahmen sich, ungeachtet an vie-len Mitgliedern der Jesu'tenpartei die Regierung Ludwigs XVl., die französischeRevolution, das Kaiserreich, die Restauration vorübergegangen waren, als hattensie in einer so langen und erfolgreichen Zeit nichts gelernt; sie sahen noch einen Unter-schied zwischen Adel und Bürgerthum, behaupteten noch eine göttliche Bevorrechtungder Priesterkafte, ihre Anmaßung und Unwissenheit, ihren Fanatismus und ihre In-toleranz überall geltend zu machen; noch sprachen sie für Stabilität und Absolutis-mus, ungeachtet alle Stimmen in der Kammer nur zu deutlich andere Gesinnun-gen und Ansichten ausdrückten; allein in der freien Sprache sah ein verblendetesMinisterium nur die Auffoderung zu größern Zwangsmaßregeln. Die Julius-woche war hinreichend, das Gebäude jahrelanger Umtriebe der Jesuitenpartei zustürzen. Sie hatte nicht geglaubt, oder schien nicht glauben zu wollen, daß dasMittelalter verschwunden sei und seit der Reformation der Geist der Neuzeit sichentwickelt habe. Viele flüchtige Jesuiten erschienen in Rom, mit ihnen auch mehreBischöfe in pnrtibus, und seltsam genug, worüber sich aber der Kenner der Ge-schichte des Romanismus nicht wundern wird, hielten sich überall, wo Jesuitensielen, die Bischöfe und geistlichen Regierungen in Frankreich für gestürzt. FremdeGeistliche füllten die Straßen Roms, und kaum war die Gastfreundschaft derchristlichen Hauptstadt einer so Ungeheuern Pilgerschaft gewachsen. Auch diegeistlichen Häuser der Gesellschaft Jesu zu Freiburg und Stasi's nahmen dieFlüchtlinge auf. Bei Zerstörung des Jesuiteninstituts St.-Acheul fand manein gedrucktes Heft, nach welchem zu Anfange des Jahres 1830 der Orden inFrankreich 149 Priester, 163 Scholastiker, 124 Coadjutoren, im Ganzen 436Jesuiten zahlte. Eine königliche Ordonnanz erklarte 1831 aus Merilhou's Be-richt das Gesetz vom 25. Sept. 1816, welches die Missionsgesellschast in Frank-reich ermächtigte, für erloschen und die Gesellschaft für gesetzwidrig. Der Mini-ster des Cultus und des öffentlichen Unterrichts erließ (23. Nov. 1831) ein Um-laufschreiben an die Vorsteher sämmtlicher höhern Schulen Frankreichs mit derNachricht, daß alle Erzbischöfe und Bischöfe zu genauer Beobachtung der Ordon-nanzen vom 16. Jun. 1828 hinsichtlich der geistlichen Seminarien aufgefodertworden seien, und erinnerte sie an ihre Pflicht, zur Ausführung dieser Ordonnanzenmitzuwirken. Zugleich ward an die Hauptbestimmung der Verordnung erinnert,nach welcher Niemand Vorsteher oder Lehrer in einer von der Universität abhängi-gen Anstalt oder in den geistlichen Seminarien werden kann, wenn er nicht schrift-lich erklärt hat, daß er keiner ungesetzlichen religiösen Genoffenschaft angehöre.
Schon früher hatte der König von Preußen unter dem 13. Jul. 1827 eineCabinetsordre des Inhalts erlassen, daß junge Leute von ihren Angehörigen in Zu-kunft nicht mehr zu Fortsetzung ihrer Studien an auswärtige Jesuitenschulen ge-schickt werden sollen; zugleich gibt der König hierüber seinMisfallen zuerkennen,weil, wie es in der Cabinetsordre heißt, bei der Fürsorge, welche er allen Zweigendes öffentlichen Unterrichts widme, und da die vaterlandischen Lehr- und Erzie-