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Jesuiten und Jesuitismus
heranzuziehen. Die Jesuiten schlössen sich in der Schweiz bei allen ihren Umtrie-ben von jeher an die Nuntiatur und die päpstliche Curie an. Hauptsache war beidiesem Streben die Unterstützung der Hierarchie, der Macht und des Ansehens desOrdens, daher Erziehung bloße Nebensache. Schon bei der Aufhebung der Je-suiten suchte die Nuntiatur in der Schweiz das Wohltharige derselben zu vereitelnindem die Vater, nach einem kurzen Aufenthalte bei Verwandten, als Weltgeist-liche wiederkehrend, natürlich an Geist und Gesinnung dieselben, den Unterrichtwieder zu leiten begannen, und ihren Einfluß, ausgenommen in Luzern, das aberspäter dennoch der Sitz des kirchlichen Obskurantismus wurde, nirgend einen Augen-blick verloren. Nach der Wiedereinsetzung des Ordens zogen die Jesuiten in Sittenund Brieg in Wallis, sowie in Freiburg im Uechtland ein. Erziehunqsinstitutewurden gegründet, Missionsstreifzüge in einzelne Cantone veranstaltet, den Or-den empfehlende Schriften überall verbreitet und selbst Werbedepots für den Or-den angelegt. Dummheit, Aberglaube, Intoleranz verbreitete sich durch dieMissionen, welche von Sitten und Freiburg ausgingen, in der gläubigen katho-lischen Schweiz. Die Prozessionen glichen geistlichen Possenspielen. „Umgebenvon Fackelträgern", sagte 1818 ein Augenzeuge, „helitönenden Glöcklein undKreuzen zogen sie zu Thal und Berg, predigten Buße und Bekehrung, und knie-ten oft, die menschliche Demuth zu wraugenscheinlichen, in den tiefsten Koth."Sie feierten wieder den Sieg der Katholiken in der Religionsschlacht bei Vill-mangen (1656), wo Schweizer gegen Schweizer fochten und sich mordeten, un-geachtet dieses barbarisch-religiöse Fest seit 1798 durch den Einfluß des neuenRegiments abgeschafft worden war. Seit 181k bildete sich ein Verein von Wun>derthatern und Teufelsbannern, die mit Weihwasser und Zauberformeln Krank-heiten und Teufel verjagten, deren Mitglieder Pfarrer, Kaplans und selbst Pro-fessoren waren. Unter Landleute, Bürger und Schüler wurden fanatische Bü-cher, z. B.,, Des Menschen Herz ein Tempel Gottes oder eine Satanswohnung",verbreitet. Rousseau's Schriften, aus dem Nachlasse eines Geistlichen, wurden inFreiburg öffentlich verbrannt. Die Jesuitenpartei zeichnete sich in der Schweiz,wie anderwärts, durch zwei Hauptrichtungen aus: Haß gegen die deutsche Kircheund deren AnHanger und Vertheidiger, und unbedingte Annahme des pseudoisido-rischen römischen Papismus. Nach der genauesten Angabe waren 1829 in derSchweiz im Collegium zu Freiburg, im Seminar zu Stasis, im Pensionäre, Gym-nasium und Athenäum zu Kreiburg, mit Einschluß der Zöglinge, Professoren, Li-guorianer, überhaupt 1465 Jesuiten und Jesuitenanhanger.
Die Jesuiten erhielten in der neuesten Zeit an vielen Orten bedeutende Be-günstigungen. In Rom nahm die Zahl der Jesuiten (1829) so sehr zu, daßman außerhalb der Stadt für ihr Unterkommen Platz suchen mußte; die Semina-rien waren überfüllt. Durch ein königliches Decret vom 12. Jul. 1829 erhieltendie Jesuiten in Neapel, außer dem ihnen seither bewilligten Rechte des Unter-richts in Collegien für alle Bürgerkinder ohne Unterschied, auch das Recht derausschließenden Erziehung des jungen Adels in einem Lyceum. Selbst Heilig-sprechungen wurden zum Zwecke der Jesuitenbegünstigung angewendet. A n -NNov. 1831 wohrue der Papst Gregor XVI. einer Generalversammlung der Con-gregation des Ritus bei, in welcher die vorlausigen Verhandlungen über die Hei-ligsprechung des seligen Alfons Rodriguez und zweier Mitglieder der GesellschaftJesu stattfanden. In Frankreich hatten die Jesuiten das meiste Unheil gestiftet. DieAnstalten zur Erziehung der Geistlichen wurden 1828 in zwei Classen getheilt, in diegroßen und in die kleinen Seminarien. Die großen wurden ausschließend vonGeistlichen besucht, die kleinen, auch geistliche Secondairschulen genannt, nah-men künftige Geistliche und Laien als Zöglinge auf, welche in allen Unterrichts-gegenstanden unterwiesen wurden. Alle Professoren in den großen und kleinen