Jesuiten und Jesuitismus
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diesem Zwecke unterrichtet, selbst die Werke des elastischen Alterthums werden will-kürlich verstümmelt. Das Einerlei und Mechanische des Unterrichts, die Scheu, dieer im Relioionsvortrage der Jugend vor dem Denken und Zweifeln beibringt, dasübertriebene Lob, das er ihr bei unbedeutenden Fortschritten ertheilt, und wo-durch er sich schon in der frühesten Zeit Freunde und begeisterte AnHanger ver-' i schafft, sind natürlich den Ordenszwecken förderlich.
-Ä i Ein Orden, der planmäßig mit allen Waffen des Verstandes und religiösen^ Gefühles egoistische Zwecke zu erreichen suchte und eine so überwiegende äußere^ , Mcht in der christlichen Welt besaß, daß er 1750, der Zeit seiner größten Aus-Hl! breitung, 22 ,589 Glieder zählte, mußte gefährlich werden. Nicht sowol seiner«», eliziösen Grundsätze, als seiner dem Staate gefährlich scheinenden Ansichtenund seines Reichthums und äußern Ansehens wegen, wurde der Orden (1773)aufgehoben. Die Gesellschaft Jesu hatte aber in dem Aberglauben des Pöbelsü und in der Herrschsucht der durch die Aufklärung niedergedrückten Hierarchie^ eine zu starke Waffe, als daß nach der Besiegung Bonaparte's und der Wie-derherstellung des weltlichen Kirchenstaats Papst Pius VII. hätte Bedenken tra-Zn zm sollen, die feierliche Erlaubniß zur Wiedereinführung der Jesuiten in allenA allen katholischen Ländern zu geben. Die Reaction war mehr oder minder von'ist dieser Zeit an bis auf unsere Tage theils durch offene, theils durch verkappte Je-ich ^ smten, unter Laien und Weltgeistlichen, in katholischen und protestantischen Län-un dem unermüdet, die Grundsätze des Ultramontanismus zu verbreiten. Derues Orden erhob sich mächtig seit seiner Wiedereinführung. In Irland wurdenm (1825) Ordenshauser und Schulen errichtet. In Frankreich wirkten die Je-suiten seit der Restauration als Missionare und Väter des Glaubens; seit 1823immer bedeutender, im Besitze der Bischofswahlen. In Italien lebten sie aufund hatten Erziehungshauser zu Genua, Parma und Ferrara. Die von Ferdi-nand VII. verlangte Herstellung der Jesuiten in Spanien wurde 1824 genehmigt,die Jesuiten waren und blieben die unsichtbaren Hebel der aus den unwürdigstenIndividuen zusammengesetzten apostolischen Camarilla. Der Orden erhob sich1823 in Sardinien. Zu Stony-Hurst in der Grafschaft Lancashire hatten in derneuesten Zeit die Jesuiten ein Collegium von 500 Zöglingen und mehre kleineKostschulen. Leo XII. begünstigte sie (1824) in den Niederlanden, wo sie inBrüssel von dem größten Einflüsse auf die Volksfactionen waren. Daß dieBischöfe in den Niederlanden, wenn auch nicht öffentlich, doch versteckt durchBesteigung der Anstellung, 1830 sich weigerten, die Zöglinge des philosophischenKollegiums in die Seminarien aufzunehmen, war ein Resultat der Bemühungender Jesuitenpartei. In Ostreich wirkten die Jesuiten unter dem Namen der Liguo-Gm, welche zur Jesuitenfamilie gehören und zu Jesuitengrundsätzen sich beken-nen. Daher wurde Liguori, Bischof im Königreiche Neapel, der nach der Le-gende durch die Aufhebung des Jesuitenordens 1773 so heftig ergrissen wurde,er zwei Tage lang leblos war, von Pius VII. (1815) selig und ( 1830) hei-üg gesprochen. Vorzüglich thatig zeigten sich die Jesuiten in der Schweiz. BisM Aushebung des Ordens war die Erziehung der Jugend in ihren Händen gewe-Die Jesuitencollegien behielten nach ihrer Wiedereinführung (1814) im^Amtlichen die frühere Einrichtung bei. Die untern Classen der Collegien füh-den Namen Gymnasien, die obern Lyceen; in den untern wird vorzüglich(5? ^ ""d Rhetorik, in den obern Philosophie und Theologie gelehrt. Dasstsensystem ist geisttödtend, die Prüfungen sind mechanisch, mehr für das Ge-achtniß als den Verstand berechnet. Man spricht von allgemeiner Bildung undder Jugend, hat aber den unter dieser Form verborgenen Zweck, demlos Stande so viele Zöglinge als möglich zu gewinnen und auf eine geist-ig ALeise als künftige Kleriker zu blinden Werkzeugen des Wittens der Obern