582 Jesuiten und Jesuitismus
des Chors, des Breviers u. s. w. freigesprochen, mit höherer Genehmigung Er-ziehungsinstitute leitend, gehörten sie halb dem Laienstande, halb dem Standeder Priesterkaste an; sie konnten jede Welt, die diesseitige wie die jenseitige, zurBereicherung und Machtvermehrung ihrer Gesellschaft benutzen. Bei einer aufunbedingten Gehorsam gegen die Obern gestützten Verfassung, hat der Jesuitaußer seinem Ordensgeneral in Rom nur Christus und dessen Stellvertreter, denPapst, zum Oberhaupte. Der niedere Jesuit ist nach den Statuten der Leich-nam, der General seine Seele, der Jesuit der Stock, der General die Handdie ihn leitet. Die Jesuiten sind auch jetzt noch p-oiessi, wenn sie als Geist-liche das wirkliche Ordcnsgelübde ablegen; Scholastiker, wenn sie zum Unterrichteverwendet werden; Coadjutoren, oder Helfer, theils Geistliche, theils Laienwenn sie außerhalb des Ordenshauses unter der Volksmasse dem Orden Preschtenverschaffen; Novizen, wenn sie^um Eintritt in den Ordcnsstand vorbereitet wer-den. Mehre Grade muß der Jesuit durchgehen, bis er in die Geheimnisse des Or-dens eingeweiht wird, und erst dann, wenn er sich im Alter des gekreuzigten Hei-landes befindet, wird er Mitglied der innersten Gesellschaft des Ordens. Into-leranz gegen Alles, was seinen Zwecken zuwider ist, zeichnet den Orden aus, derübrigens von jeher sich höher gestellt hat als den Papst und die römische Curie.An der Seite des Generals in Rom befinden sich fünf Gehülfen (Assistentenstfür Frankreich, Spanien, Deutschland, Italien und Portugal; der portugiesi-sche fehlte zwar in der neuesten Zeit, seit der Wiedereinführung der Jesuiten inPortugal (1832) wird der portugiesische Assistent jedoch wahrscheinlich als neuesGlied in dem heiligen Collegium erscheinen. Die Lehre der Jesuiten geht von demZwecks aus, die Völker in Unwissenheit und Aberglauben zu erhalten, dem Ordenund der Hierarchie selbst die Oberherrschaft der Welt zu verschaffen. Das Glau-ben ist — zu dieser Überzeugung kam der Orden früh — dem Unwissenden leicht,wenn man den Stoff zu Zweifeln von ihm fern halt, auf jeden Fall leichter alsein Charakterstarke und sittliche Kraft in Anspruch nehmendes Handeln. Daherdes Ordens laxe Moral, daher seine sanfte nachgiebige Sprache im Beichtstühle,an den Höfen der Könige und im Privatleben. Ihm gilt der Grundsatz, den mangewöhnlich den jesuitischen nennt: der Zweck heiligt die Mittel. Wahlspruchdes Ordens ist: „Alles zum größern Ruhme der Gottheit"; natürlich sind unterder Gottheit auch ihre Organe, die Ordensorakel in Rom, Papst und General,begriffen. Nur Wenige sehen die eigentlichen geheimen Zwecke des Ordens ein,der oft die geistreichsten und schlauesten Mitglieder zahlte. Man trennte die Ge-sellschaft in einen esoterischen (innern) und exoterischen (äußern) Kreis. DerPöbel der Vornehmen und Geringen ist die Masse, die von den Jesuiten bearbei-tet wird; die weniger geistreichen Mitglieder des Ordens werden, ohne eingeweihtzu sein, nach Maßgabe des Talents, Vorurtheils, Standes, Charakters zuden höchsten Zwecken der Gesellschaft als Mittel gebraucht, ohne daß die Blindenund Willenlosen die eigentlichen Absichten des Ordens kennen. Keinen großem'Feind findet der Orden für seine Zwecke, Völkerbevormundung durch religiösenAberglauben und Priesterherrschaft, als in der Religions- und Gewissensfreiheit,zumal in dem diese als Princip aufstellenden evangelischen Protestantismus. DieBekämpfung der AnHanger dieses Bekenntnisses, wie ihrer Grundsätze, ist ihmPflicht und heiligstes Gesetz. Von diesem Standpunkte müssen seine Missionenbetrachtet werden. Der Aberglaube der Unmündigen, den er auf alle mög-liche Weise zu vermehren sucht, wahrend im Innern der Gesellschaft oft Frei-geisterei herrscht, ist ihm die dienstlichste Waffe in diesem Kampfe. Er be-günstigt daher Rosenkränze, Brüderschaften, Wallfahrten, Reliquiensammlun-gen, abergläubige Feste, Verehrung der Ordensheiligen, und mischt sich in dasLeben als Beichtvater, als Missionar, als Lehrer. Planmäßig wird die Jugend zu