566 Jackson
ten. Einige Zeit nachher unternahmen die Englander wirklich einen Angriff aufNeuorleans, die Hauptstadt Louisianas. Hier glaubten sie, ohne auf großen Wi-derstand zu stoßen, einen Waffenplatz und Stützpunkt für ihr Heer zu erobern undvon da aus die gesammte schwarze Bevölkerung zu den Waffen zu rufen und mitsich zu verbünden. Die Gefahr war dringend und nichts dagegen vorbereitet. DerCongreß übertrug zwar dem Generalmajor I. den Hecrbefehl über die Linientrup-pen und die Vertheidigung von Louisiana; allein er fand bei seiner Ankunft inNeuorleans weder Soldaten, noch Waffen und Schießbedarf; das Arsenal warleer und eine Seemacht zur Abwehr der Landung nicht vorhanden. Der größereTheil der Einwohner zeigte sich bei der Gefahr gleichgültig, ja sogar übelgesinnt,und der gesetzgebende Körper ohne Kraft und Willen. Unter diesen schwierigenVerhaltnissen entwickelte I. die ganze Energie seines Charakters und seiner Tha-tigkeit. Mit Strenge durchgreifend, überwand er alle Hindernisse, bildete einHeer aus Milizen und Freiwilligen, rüstete es aus und traf an den bedrohtenPunkten die nöthigsten VertheidigungSanstalten. Noch war nicht Alles vollendet,als die englische Flotte in der Nacht vom 22. zum 23. Oct. 1814 in der Nähe vonNeuorleans 4 — 5000 Mann Truppen ans Land setzte. I. hatte nicht mehr als2000 Mann unter den Waffen; gleichwol beschloß er den Feind sogleich anzu-greifen, um von der Unordnung in der ersten Aufstellung desselben Nutzen zu ziehenund seinen eignen ungeübten Truppen Vertrauen einzuflößen. Das erste Gefechthatte den günstigsten Erfolg. Zu schwach jedoch, um den überlegenen Feind auf-halten zu können, zog er sich in die schon vorher dazu ausgewählte Stellung zurück,wo er sich wahrend der Nacht verschanzte. Der Feind näherte sich dem Lager, wagtees aber nicht vor dem Eintreffen seiner zweiten Division die Amerikaner anzu-greifen; dadurch gewann I. Zeit, die Freiwilligen aus Kentucky an sich zu ziehenund seine Vertheidiaungsanstalten zu erweitern. Seine Macht zählte jetzt 3700Mann. Am 8. Jan. 1815 griffen die Engländer, 10,000 Mann alte Truppen,die unter Wellington in Europa siegreich gekämpft hatten, die Verschanzune.ender Amerikaner an. Sieg oder Tod, war die Losung des Bürgergenerals. „Wirwollen", rief er seinen Kriegern zu, „unser Vaterland befreien, oder im letztenGraben der Verschanzung unser Gvab finden!" Der Kampf war blutig, aber fürAmerika glorreich. Drei britische Generale, unter ihnen der OberbefehlshaberGeneral ^ackenham, 00 Offiziere und 2000 Mann blieben auf dem Schlacht-felde; der Uberrest zog sich zu den Schissen zurück und verließ den Boden der Frei-heit am 18. Januar. *)
In Zeiten der Gefahr kann der langsame Gang des Gesetzes den Staat nichtretten. Darum hatte I., was ihm nach dem Siege zum bittern Vorwurfe ge-macht wurde, die gesetzliche Ordnung überschritten. Um den bösen Willen derEinen, um die Schlaffheit der Andern zu bezwingen, ließ er das Martialgesetz be-kannt machen; er hob die Berathung der Legislatur auf, und verbannte einenNichter, der sich seinen kraftigen Maßregeln widersetzte. Auch einige Freiwilligeließ er wegen Insubordination erschießen. So handelte I. als Diktator; aber errettete den Staat. Bei seiner Rückkehr von Washington nach Nashville empfingder B.sieger der Briten fast von allen Städten, Districten und Legislaturen der
Republik Dankschreiben ; nur jene von ihm verbannte Magistratsperson trat alsKläger gegen J.auf. Dem Gesetze gebührte Genugthuung. Ein Verhaftbeseh! wurdegegen den General erlassen, und als er demselben nicht Folge leistete, eine Bußevon 1000 Dollars ihm auferlegt. I. bezahlte die Geldstrafe; doch mehr alstausend dn vornehmsten Bürger erstatteten ihm die Summe durch freiwilligeUnterzeichnung.
*) Unterdessen war bereits zu C'mt am ?4 Dec 004 der Friedensvertrag unter-zeichnet worden, welchen der Congreß zu Washington «m l7. Febr. 1K15 ratisicwe.