558 Italienische Literatur der neuesten Zeit
Diese ausgesprochene Vorliebe für den historischen Roman (Rosini's „M.naca rli lVlan-a", in Mailand unter dem Titel „Signara cli Alau^a" nachgedruckt ^erlebte 14 rechtmäßige Auflagen) schien allen andern dichterischen Formen Eintragzu thun, die nicht gleiche Entwickelung der Charaktere und gleiche Breite und Mau-nichfaltigkeit der Darstellung zuließ. Die altheimischen Ritterromane, deren Ge-schichte Ferraris fleißig erzählt hat, „8taria eck analisi ckegli anticlri roman?! di „cavalleria e ckei paemi ramansescln ck'ltal." (Mailand 1829), wozu ein „8np. ^ ^plem. alla kiblio^rafta cke' ramauTi" (Mailand 1831, 4.) kam, zogen nur als G?-genstand des gelehrten Studiums noch an, fanden aber weder in epischer Erneue- ^ ^rung, wie T. Grofsi's „I I^amdarcki alla prima craciata" (Mailand 1826), noch inleicht sentimentaler Behandlung, wie Bertolotti einige versuchte, Theilnahme. Dieinnere Kraftlosigkeit wie der Ernst der Zeit benahmen den Geschmack an den dar-gebotenen komischen Heldengedichten („Vita e avveickurc cki kl. ftacini", Mailand ^-1830). Überhaupt ließe sich fragen, od sich Poesie den heutigen Italienern als Be- ^ ^dürfniß bewähre, und wol könnte die Antwort verneinend ausfallen, wenn man ^die akademisch geübten Reimereien und die Poesie für das Haus, wie sie bei allen ^Völkern Europas getrieben wird, nicht für wirkliche, alle Stande des Volkes er-quickende und erhebende Poesie will gelten lassen. Zwar beklagen die Lombardenden Verlust ihres Monti, als sei mit ihm die Stimme verklungen, die alle Herzengetroffen, in allen Nachklang gefunden habe, aber nicht ohne landsmannschaftlicheBefangenheit. Manzoni's Hymnen, auf die der Dichter, als der Congregalion be-freundet, bekanntlich den meisten Werth legt (lateinisch übersetzt erschienen die „Irmi ^sacri cki lVlan-ani" von Filippi, Udine 1829), erregten in Rom Zweifel („luwr-na gli Inn! sacri cki ^.lVIauxoni ckubd). cki Cüus.Zalvagnali iVlarcketti", Rom 1829), ' ^ ^die Ultramontanen zwar nicht stören werden, aber schwerlich vermögen diese Hym-nen einen rein ästhetischen Genuß zu verschaffen, da die Richtung, die in dem Werke„Lickla marale caitalica" hervortritt und in der „Calanua mlamc" wol noch beut-licher sich darlegen würde, wenn sie jemals in das Publicum käme, zu sehr als eineauf äußere Zwecke berechnete hier sich geltend macht. (Vergl. „Opere cli eil. Klau- 'PW2vm", mit Nicc. Tommaseo's Anmerkungen, 5 Bde., Florenz 1828 und 1829.)
Neben Manzoni hat Pindemonte noch seine Verehrer („Opere in prosa eck in versi", tch sMailand 1829, 16.), aber diese im Gesäusel der akademischen Säle erzogenenLorberreiser scheinen im Anhauche der frischen Luft zu kränkeln und nur in derStille der Büchersäle ihre zusagende Temperatur zu finden. Au gleicher Auszeich- Heßnung in den Gesellschaftszimmern und Museen erhob die Stimme der Recensen-ten die feinscherzenden „Hclrer^i paetici e pittarici sapra smore" von de Roffi,
Ricci's Versuche in>allen poetischen Formen und besonders Luigi Carrer's „?aesie"(Padua 1832). Als ein Beispiel großartigen Muthes muß daneben der Versuch ^eines Ungenannten erwähnt werden, eine Hölle (nach Dante) in Terzinen zu geben(„U ter^a nnavissima ossia l'Iriferno in ter?a rima Run Italiana", Italien H1826). Vielleicht weisen die Winke, welche in den „Osservaaiam sulla paesia ^cke' 1'ravackari e solle principali maniere e forme cki essa, consrontate alle an- »>^ ^ticbe ital." (Modena 1829) ausgestreut liegen, so achtenswerthe Talente aus Das Hhin, was jederzeit in den Kern der Volkstheilnahme eindringt, und sie stimmen dann, ^um nicht blos Dichter für die Recensenten, fondern für das Volk im schönstenSinne des Wortes zu werden, wieder die Weisen an, die ebenso Petrarca s und ^Tafso's besten Liedern als den Liedern der Hirten der Campagna („8agß>o «" 4^canti papalari ckelle pravmcie cki Maritima e cki Campagna", Rom 1830) undden Gesängen der Slawen („Carmi slavi track. ckal cans. Cialeick", Venedig 1829)zum Grunde liegen. ^ ^ 3H
Um die schnellste WirkMg auf die Empfänglichkeit der Zeitgenossen hervo^zubringen, wählten geistreiche Dichter vorzugsweise die Form des Dramas, d» ^