Italienische Literatur der neuesten Zeit 547
scine eignen Kräfte vertrauen darf und diese der Erstarkung und Einigung bedür-ft, wenn in künftigen Zeiten auf Erfolg gehofft werden soll. Wenn übrigenstie öffentliche Mcinuug fortwährend gegen Ostreich ist, so hat auch Frankreichdurch seine Zweideutigkeit und sein ängstliches, unredliches Verleugnen seinereignen gepriesenen Grundsätze und durch sein Benehmen während der letzten Vor-gänge die Achtung und Zuneigung des Volkes und damit jeden Einfluß ver-loren. Die Provinzen, denen eine freundlichere Morgemöthe geleuchtet, findnun in weit härtere Sklaverei gestürzt als jemals. Die Legalionen werden voneinem doppelten Joch erdrückt, wahrend der Herzog von Modena durch eine un -ter seinem Schutz erscheinende Zeitschrift den Absolutismus predigt, Philipp II.als ein Muster trefflicher Regenten aufstellt und, um sich einen ähnlichen Ruhmbei der Mit- und Nachwelt zu erwerben, seine Unterthanen nach Gefallen durchKriegsgerichte zum Galgen und zur Galeere verunheilen läßt und sich mit d. renBeraubung bereichert. Laßt man das gegenwärtige Spiel fortwähren, so wirdder römische Hof, nachdem er durch zwei neue Anleihen und, neben seinen eignenBanden, durch Anwerbung von Schweizertruppen, wieder Kräfte gewonnen, stattder Verbesserungen die heilige Inquisition und die Canosa'sche Polizei einführen,sowie er dem 19. Jahrhunderte schon das Schauspiel der Bannflüche gegeben hat.Aber endlich wird die Stunde schlagen, wo das morsche Gebäude zum Wohle derMenschheit zusammenstürzen muß und der jetzt noch nicht Enttäuschte staunen Wied,daß es sich in seiner Nichtigkeit so lange zu halten vermocht hat. Die Religion, vonDenen, welche ihre Priester und Vertheidiger sein sollten, zu ihren eignen niedrigenZwecken schändlich gemisbraucht, wird diesen Trümmern und dieser Vernichtungdes Falschen und Irdischen, ein neugeborener Phönix, entsteigen, und der Ruhmund die Freiheit des Landes, das Europa so manches große und edle Beispiel ge-geben, wird dann nicht mehr ein bloßer schöner Traum sein. (58)
Italienische Literatur der neuesten Zeit Wenn Schil-ler's Wort sich als unbedingt wahr erweist, daß der Zeitpunkt einer allgemeinenGährung der Köpfe die Geburtsstunde außerordentlicher Menschen sei, so darfItalien einem Zeitpunkte glänzender Verherrlichung entgegensehen. Denn nochdauert der Kampf der Ansichten, hier offener, dort versteckter, und die Aufregungder Meinungen in der schönen Halbinsel von den Alpen bis zum Meerbusen vonTarent fort, und selbst dem redlichen Willen Derer, die helfen können, wird esschwer sein, bei der Unklarheit der Wünsche und Ansprüche, einen dauernden Zu-stand herbeizuführen, welcher als der Italien zukommende von den Neapolitanernwie von den Lombarden, von den Römern wie von den Sicilianern dankbar an-irkannt werde. Für gefährlich scheint bei Denen, die Italiens Schicksal bestimmen,die volle Einsicht in die Mangel seines gesellschaftlichen Austandes zu gelten; fürb>ä bedenklicher bei manchen Wohlmeinenden die Täuschung, die durch den man-Masten Volksunterricht unterhalten wird, und während die Indifferenten, ver-täfelnd an der Möglichkeit einer Regene.ation, die Italien aus Italien selbstvwmen könne, sich durch den unverkennbar zunehmenden materiellen WohlstandMnedengestM finden, blicken Andere in schmerzlicher Enttäuschung auf die frem-t Heffer hin, die Sismondi's Schrift: „Drs «--perancez et Ues Kevins
(Paris 18'12), den allgemeinen Wahn thcilend, begrüßte. Mehr alstalentvoller Mann betrauert jetzt, sirn von» schönen Italien, das Vertrauenin d fremder Factionen; und eben in den Verirrungen, twnen sich
^ Augenblicken der Ungebundenheit manche begabte Männer Hingaden, sahAus ^ Bekräftigung, die Maßregeln für weise zu achten, die bisher diedn I'k niedergehalten hatten. Weder größere Begünstigung beförderte indas Gedeihen der Literatur, noch drückte sie härtere Beschran-A er fortschreitende Geist der Zeit war dem letzter»', allzu sehr entgegen. An