Italien in den Jahren 1831 und 1832 545
viele andere Orte in Umbrlen fast gänzlich zerstörte, auch noch der Mitwirkung die-ser verbrüderten Provinz beraubt, den Meisten der-Mulh sank, als die neue diplo-matische Intervention und das sie mit den ungerechtesten Vorwürfen des Auf-ruhrs, der Zerstörung und Anarchie beschuldigende Manifest des Cardinals Ber-netti vom 14. dieses Monats bekannt wurden? Aber der Zorn über die erlogenenBeschuldigungen bemächtigte sich wieder der Menge, denn noch zweifelten Viele anabermaliger fremder Einmischung und die Bürgergarden sollten den auf zwei Sei-ttn von Rimini und Ferrara aus gedrohtcn Überfall abwehren. Wiederholte De-putationen an den in Pesaro befindlichen Cardinal Albani blieben ohne Erfolg.Der Cardinal hatte gleich mit dem Barbieri'schen Corps, das gegen 4 — 5000Mann stark sein mochte, aufbrechen wollen, zauderteabernoch. Am 19. verließen dieTruppen Zamboni's Ferrara, schlugen am 20. eine bei Bastia stehende Abtei-lung der Bürgergarden und gingen über den dortigen Arm des Po. Barbieri trafam 20. zwischen Sevignano und Cesena auf die Garden; die Päpstlichen dräng-M sie nach einem blutigen Gefechte zurück und zogen in Cesena ein, wo sie Greuelaller Art verübten und sogar die Kirchen nicht ungeschandet ließen. Am 251. Mit-tags rückten diese Truppen, deren Sendung Friede sein sollte, in das unvertheidigteForli ein, und richteten am nämlichen Abende, ohne die geringste Veranlassungoder Anreizung von Seiten der Bürger, angespornt von Blutdurst und schandlicherRaubgier, ein Gemetzel an, vor dem die Menschheit zurückschaudert, wobei über 40schuldlose Menschen, Manner, Greise, Frauen und Kinder, das Leben einbüßten,und dann, um den wahren Charakter dieser Meuchler zu zeigen, die der erstauntenWelt eine Probe davon gaben, welchem Gesindel die Regierung das Leben wehrlo-ser Unterthanen anvertraute, von denselben beraubt und ausgeplündert wurden.Der Cardinal selbst, welcher die unglückliche Stadt durch ein Geschenk von 1500Francs, die er aus der Provinzialcasse nahm, trösten wollte, ohne die Verbrecherzu strafen, ohne auch nur zum Schein eine Untersuchung über diesen „unglücklichenI Zufall", wie man diese Mordscenen gleichsam zum Spott nannte, anzustellen,wußte auch nicht einmal die geringste Entschuldigung in seiner Bekanntmachungvom 22. dafür aufzufinden. Die Bürgergarden, ohne gemeinsamen Führer, ohneKriegskunde, hatten sich unterdessen zurückgezogen. Imola und Faenza wurdenbesetzt, nachdem in Ravenna bereits eine Abtheilung der Truppen Zamboni'seingerückt war, und bald darauf sielen dort ähnliche Scenen wie in Forli vor,wobei ein papstlicher Hauptmann von seinen eignen Leuten getödtet wurde.^ Während dieser Vorgange hatte eine am 19. Jan. zu Mailand erlassene Be-kanntmachung des Grasen Radetzky, commandirenden Generals im lombardisch-venetianischen Königreich, das Einrücken der kaiserlichen Truppen in die Legationenverkündigt; am 24. rückte die Hrabowski'sche Brigade auf Imola und Faenza,vrreinigte sich am 20. mit den Päpstlichen und zog am 28. mit denselben in Bo-^gna cin, wo die Vürgergarde sogleich und ohne den mindesten Widerstand ent-eisnet wurde. Es ist unnöthig, über diese Vorgange mehr zu sagen. OstreichI ium zweiten Male diese Provinzen in seiner Gewalt, die man nur durch eincwebe von Ranken und gehässigen Maßregeln aller Art nach fechsmonatlicher^uhe zum verzweifelten Widerstande getrieben. Der Papst und seine Macht^ren st verhaßt geworden, daß man fremde Truppen mit offenen Armen als^ cheier und Beschützer vor dem Dolche von Meuchelmördern und BanditenI unabsehbares Dilemma gestürzt und war weit
L immer als im März des vorigen Jahres, nachdem man den größten Theil! ' Anleihe vergeudet, einen Landstrich (die Terra di Nettuno) für 400,000^ gewisse Regalien und Hoheitsrechte um 500,000, und für eine gleiche! ^ ^ Tabackmonopol im Voraus auf einige Zeit verkauft
^ wobei man wissentlich jedes Jahr 200,000 Scudi einbüßte, wahrendLex. d;r neuesten Zeit und Literatur. 0. 35