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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
542
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542 Italien in den Iahren 1831 und 1832

gemacht wurde, obgleich Cardinal Bernetti es wiederholt verneinte und der PapsteEnde Sept. die Abgesandten Bolognas und der Romagna versichert hatte, seineTrup-pen würden nicht in die Provinzen einrücken, wenn diese nicht selbst die Veranlassung ^ ^'dazu gaben, wobei er zugleich die Haltung der Bürgergarde belobte (während daProlegat von Ferrara sie ofsiciell für eineunrechtmäßig constituirte Gewalt" cr- M?klarte, was doch wenigstens ein aufrichtiger Ausspruch der Gesinnung war, wogegender heilige Vater sich nur verstellte) und verhieß, daß die Verwaltung der öffemii-chen Cassen sowie die Berathung über alle die Provinzen interessirenden Gesetze und ^Civil- und Administr'ationsverordnungen bald Mannern von allgemein anerkann-rer Rechtlichkeit anvertraut werden sollte, welchen das Recht der Deputation zustehenwürde. Um Seiner Heiligkeit für diese Versprechungen ihre Dankbarkeit zu beza-gen, nahm nun die Romagna (Cesena, Forli, Jmola, Faenza, Ravenna) die päpst- 'lDiil!liche Cocarde an; nur in Bologna hatten die deshalb von den derseitigen Abgeord-neten gepflogenen Unterhandlungen keinen Erfolg, weil man etwas Factisches ver-langte, und die drohende Stellung der Truppen an der Grenze, die Bildung vonReserven in der Mark und die Verstärkung der nahen Östreichcr, zu denen sich nunauch einzelne päpstliche Abtheilungen in Ferrara gesellten, nicht eben für eine Ge- Mchrvährleistung der Aufrichtigkeit des päpstlichen Hofes gelten konnten. Daß man Mnicht falsch geurtheilt, zeigte die Folge der Begebenheiten. Von einer vollständigen Nes iAmnestie war nicht die Rede; viele der talentvollsten Männer blieben verbannt und ,»DcheDenen, welchen der Wiedereintritt gestattet wurde, gewährte man dies nur unter WH!entehrenden Bedingungen. Personen, bei welchen man liberale Gesinnungen furch- chnWlete, wurden aufjede Weise gekränkt und zurückgesetzt. Die Priester suchten na- !Sc, mmentlich das Landvolk gegen die wahren Freunde des Landes aufzuhetzen, denen «jMiman unter Anderm Schuld gab, durch ihre Verbrechen den Zorn Gottes in demErdbeben, das später einen Theil Italiens betrübte, herabgerufen zu haben. Beider Wahl von Beamten sah man nicht auf Rechtlichkeit und Kenntnisse, sondernnur auf blinde Ergebenheit gegen den päpstlichen Stuhl. Die Universitäten wur- m Mden geschlossen, weil eine solche Regierung nur da vegetiren kann, wo man im Z«, lewDunkeln tappt und die Vermessenheit hat zu glauben, daß sie in ihrer Ohnmacht l'chch«den Fortschritt des menschlichen Geistes aufhalten könne, weil sie ihn haßt undfürchtet. Es verging nun fast kein Tag, an welchem nicht Proklamationenund Ermahnungen von Seiten der Behörden, Protestationen und Flugschriftten von Seiten des Volkes zum Vorschein gekommen wären. Die Nation^warzu dem klaren Bewußtsein gekommen, daß die Regierung nur mit Lug und Trugumgehe, daß sie mit zweizüngiger Fertigkeit Gutes verspreche und Schlimmes be- H ^fehle, und nur den Augenblick erwarte, wo äußere Mittel ihr das Handeln erlaubenwürden. Die Aufregung hatte nach und nach den höchsten Grad erreicht, und dieErhaltung der materiellen Ruhe verdankte man nur der Bürgergarde, welche indiesem kritischen Zeitpunkt Alles vermeiden wollte, was dem Hofe den Vorwand ,geben könnte, die Provinzen als in Empörung begriffen zu erklären. Der Erzbischof .und Prolegat von Bologna sahen sich genöthigt, die Universität auf eigne Verant-wortlichkeit zy öffnen, nachdem dies von Rom aus zwei Mal verweigert worden war ^ ^und endlich mit genauer Roth von der Regierung zugestanden wurde, während dusi . ^ ^nicht umhinkonnte, sich später in einem ofsiciellen Zeitungsartikel bitter überdies ^Willkür ihrer eignen Beamten zu beklagen. Die Universität Perugia blieb geschlossenund deshalb abgesendete Deputationen blieben ohne Wirkung. Die Jugend, der man >den Besuch fremder Universitäten nicht gestattete, mochte nun zusehen,wie es mit ibren

Ltudien stand. Unterdeß wurden in der Provinz Umbrien und der Mark die Gemein- >

deräthe zusammenberufen (t3. Oct.), ohne, wie man sich leicht vorstellt, auch nur . ^das Geringste thun zu können, zu sollen und zu mögen. Während dieser Vorgange . ^waren endlich am 3!, Oct, uich 5. Nov die lange erwarteten Verordnungen über die «