536 Italien in den Jahren 1831 und 1832
des Hofes als den schlimmen Mitteln, deren man sich zu bedienen gedachte, einenBeweis lieferten, in den öffentlichen Blattern drucken ließ. Am 26. Febr. fanddie erste Versammlung der Abgeordneten der freien Provinzen Italiens zu Bo-logna statt, welche einstimmig proclamirte: 1) die völlige Emancipation äestire et 6e kactc» der auf der Versammlung repräsentirten Lander und Provinzenvon der zeitlichen Herrschaft des Papstes; 2) die vollkommene Vereinigung ge-nannter Lander und Provinzen und Constituirung derselben in einen Staateine Regierung, eine Familie. Die Föderativverwaltung sollte aus einemPräsidenten, einem Ministerräte und einer gesetzgebenden Consulta bestehen, dieam 4. Mar; ernannt wurden. So gestaltete sich in diesen Provinzen mit einerRuhe, Ordnung, Gesetzlichkeit und Mäßigung, die vielleicht nie wie hier im Ge-folge einer Revolution gewesen sind, Alles zum Bessern. So sehr sich auch die Ge-genpartei bemühte, die offenbarsten Lügen und Verleumdungen auf die Liberalenzu häufen, ebenso schlagend wurden sie durch die That widerlegt. Die bekannte Po-litik des römischen Hofes, die Religion als Aushängeschild zu gebrauchen und allenTadel der zeitlichen Regierung als Angriff auf den Glauben darzustellen, wurdeauch in diesem Falle versucht, und das Heer der Priester und Mönche bot Alles auf,um durch diese falsche Vereinung unvereinbarer Interessen den minder aufgeklärtenTheil des Volkes zu reizen und zu verführen, um wo möglich einen Bürgerkrieg zuerregen, den man im Voraus als einen Kreuzzug gegen der Christuslehreschlimmste Feinde darstellte. Glücklicherweise schlug das Unternehmen fehl; aberdie unausbleibliche traurige Folge war, daß sie selber der Religion, deren Wohl sieheuchlerisch als ihren einzigen Endzweck ausgaben, unendlich schadeten, indemdas Volk die Sache dieser von der ihrer Diener nicht hinlänglich zu trennen wußte.Wenn man auf den allgemeinen Zustand des Landes schaut, so hat man in diesenGegenden, die sonst wegen der Moralitat nicht eben berühmt waren, von Excessenaller Art nie weniger gehört, als während jene sogenannten Gott- und Glaubens-verächtcr den Geschäften vorstanden. Das Volk war wie umgewandelt, die öffent-liche Sicherheit war zurückgekehrt, die bessern Gefühle wiedererwacht. Die festeHoffnung einer nunmehrigen bessern Lage erfüllte, belebte, ermuthigte Alle. Aberes war anders beschlossen: äußere Einflüsse sollten bald den Dingen eine entgegen-gesetzte Richtung geben und das jetzt noch so glückliche Volk in doppelt tiefes Elendstürzen. Mit seinen eignen und östreichischen Truppen betrat der Herzog von Mo-dena wieder lein Land. Die Bürgergarden leisteten bei Carpi (6. März) erfolglo-sen Widerstand, und ohne Kampf zog er am 9. desselben Monats in seine Haupt-stadt ein, indem er eine Proclamation vorausschickte, worin die Grade der Schuldabgemessen und wol von Strafe und Rache, aber nicht von Verzeihung die Redewar, und die er sogleich durch eine den Juden aufgelegteAwangsteuer von 600,009Lire (weil sie sich der Revolution geneigt bewiesen!) und Gefangennehmung Al-ler, die an der Umwälzung Theil genommen oder ihr günstig gewesen waren unddas Land nicht verlassen hatten, bewahrheitete. Die am meisten Gefährdeten nebsteinem Theile der Bürgergarden hatten unter dem Commando des Generals Zucchisich auf das bolognesische Gebiet begeben, wo sie (Decret vom 6. März) entwaff-net wurden, um nicht den mindesten Grund zur Klage zu geben. Der östreichischeFeldmarschalllieutenant Fürst Bentheim war unterdessen am 6. über den Po ge-gangen und Ferrara besetzt worden, während am 13. östreichische Truppen unterdem Baron d'Aspre in Parma einrückten Doch noch immer wollten die Bologne-ser an keine Intervention glauben, bis endlich nicht mehr daran zu zweifeln war.Jetzt befand man sich in der größten Verwirrung; ein Versuch, durch Vorausbe-zahlung der Abgaben die leeren Cossen zu füllen, war ohne Erfolg. Der GeneralZucchi wurde zum Oberbefehlshaber ernannt, und am 20. März verkündigte dieRegierung ihre Verlegung nach Ancona. Am 21. wurde Bologna von den Oestrci-