Italien in den Iahren 1831 und^ 1832 535
vcovisorische Regierung, die später in eine Dictatur und endlich in eine vereinigteRegierung der Provinzen Modena und Reggio umgeschassen wurde. Eine in diemailgnder Blätter eingerückte drohende Protestation des Herzogs gegen die neueOrdnung der Dinge rief nur eine starke Antwort hervor, worin ihm selber Schuldgegeben ward, sein Volk verlassen und durch den Druck seiner Regierung deren Jochunerträglich gemacht zu haben. Die neue Regierung widmete indeß ihre Sorgfaltder innern Verwaltung, verminderte die Zölle und Abgaben, schaffte alle Privile-gien in der Gerichtsverfassung ab, stellte die Universität wieder her und berief solcheMänner zu den Ämtern, die durch Kenntnisse und Redlichkeit dazu am geeignetstenwaren.
Von Bologna aus hatte der Aufstand sich rasch über die ganze Romagna verbrei-tet. Schon am 6. Febr. zeigte die Regierung an, daß Jmola, Faenza und Forli gleich-falls provisorische Eommissionen eingesetzt hatten, und ein Theil der neuen Bürger-gacde wurde unter dem Befehl des Obersten Sercognani beordert, die päpstlichenTruppen aus den Stellungen, die sie noch in den Provinzen innehatten, zu vertreiben.Unterdessen erklarte man am 8. die zeitliche Herrschaft des Papstes für beendigtund verkündete die Zusammenberufung von Wahlcollegien, um zur Ernennungvon Deputirten zu schreiten, welche die neue Verfassung bestimmen sollten. DerSülzpreis wurde vermindert, die Lotterie- und Zottverordnungen des KönigreichsItalien wieder angenommen und ein Revisionsamt für das Zollwesen eingesetzt.Eine Centraldirection der Finanzen wurde ernannt, welcher die Administrationendes Salzes und Tabacks, die Direction des Civilregisters, des Stempels und derHypotheken, nebst der Post- und Lotterieverwaltung untergeordnet sein sollten; dasoben derührte Decret über die Umwandlung der Justizverfassung, Gesetze für diePresse, den Getreidehandel und gegen den Schleichhandel erlassen. Eine proviso-rische Reform der sehr verwahrlosten Universität wurde vorgenommen und ein der-selben fehlender Lehrstuhl des öffentlichen und Völkerrechts angeordnet. Das Fis-caltribunal und die Taxe wurden abgeschafft. Die weiseste Mäßigung und
Kenntnis der Bedürfnisse, des Landes zeigte sich in allen Verordnungen der Regie-rung, die sich den allgemeinen Dank der Bürger dadurch erwarb.
Mittlerweile verbreitete sich die Revolution über den größten Theil desKirchenstaats. Ferrara lehnte sich trotz der östreichischen Besatzung seiner Ci-tadelle auf, früher schon Ravenna, Rimini und der ganze Küstenstrich. Am 1t?.Febr. brachen auch in Parma Unruhen aus. Die Herzogin Marie Luise verließam 15. die Stadt, um sich erst nach Casal-maggiore, dann nach Piacenza zubegeben, nachdem ihr Minister, Freiherr von Werklein, entflohen war, und gingendlich nach Wien. Sercognani nahm am Ii?. Febr. das Fort S.-Leo, am17. capitulirte die Citadelle von Ancona, nachdem die Stadt sich bereits am3. für die neue Ordnung der Dinge erklärt hatte. Später drangen die Vürger-truppen bis Rieti und Civita Castellana, besetzten die Straße von Florenznach Rom und bedrohten selbst die Hauptstadt, wo zu gleicher Zeit eine Em-pörung kurz vor ihrem Ausbruche unterdrückt wurde. Die große binnenländi-sche Provinz Umbrien mit ihrer Hauptstadt Perugia steckte gleichfalls die drei-farbige Fahne auf. In den äußersten Schrecken versetzt, ohne Geld und ohne Sol-daten, und da die Proclamationen des neuen Staatssecretairs Cardinal Bernetti,worin die Heiligen die bedeutendste Rolle spielten, nicht fruchteten, suchte der päpst-liche Hof alle Mittel hervor, sich vor dem drohenden Sturme zu retten. Die Car-dinäle Oppizzoni (Erzbischof von Bologna) und Benvenuti (Bischof von Osimound Cingoli) wurden abgeschickt, eine Gegenrevolution zu bewirken: aber Erstererverlor bereits in Florenz den Muth und ging nicht weiter, und der Letztere ward beiseinem Versuche, das Landvolk aufzuwiegeln, gefangen genommen und nach Bo-logna geführt, wo m an Bernetti's Briefe an ihn, die sowol von der Hülflosigkeit