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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
516
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516 Improvisatoren

sator ebenso, wie dem ein verwandtes Kunststück machenden Variationen - undPhantasienspieler in der Musik die zum Grunde liegenden Passagen eines Themas,die er unaufhörlich, aber stets mit der größten Gewandtheit verkleidet und modisi-eirt hindurchiönen laßt. Von diesem Gesichtspunkt aus könnte man sich daherwundern, daß in Deutschland jetzt noch nicht mehr Improvisatoren öffentlich aus-getreten, und die Erscheinungen dieser Art, welche in den letzten Iahren wirklich beiuns gehört wurden, so einzeln und ohne zahlreichere Nachfolge geblieben sind. Dererste namhafte Improvisator, der sich vor ungefähr acht Jahren öffentlich als sol-cher in Deutschland ankündigte, war O- L. B. Wolff, welcher zuerst vornehmlichin Hamburg und Berlin Proben seiner allerdings nicht gewöhnlichen Fertigkeitablegte. In Privatcirkeln, im geselligen Kreise hatte wol schon früher mancherDichter, welcher sich nebenher eines solchen Talents der Schnelligkeit rühmendurfte, auf diese Weise zur Unterhaltung beigetragen, aber durch Wolff scheint zu-erst aus dem poetischen Himmelsstrich Italiens herüber die Sitte, öffentliche Vor-stellungen und Schaubühnendeclamatorien mit diesem Talent zu geben, auf un-fern Boden verpflanzt worden zu sein. Er nannte sich auch damals sogar auf Bü-chertiteln nur pur excellenceden deutschen Improvisator", ohne sonst feinenNamen hinzuzufügen (z. B.Erzählungen des deutschen Improvisators", Gera1827), doch hat er in den letzten Jahren diese Öffentlichkeit wieder aufgegebenund, besonders seit seiner Anstellung als Professor in Jena, der bloß literari-schen Wirksamkeit sich gewidmet. Er pflegte seine Improvisationen häufigmit Begleitung der Musik zu verbinden, indem ein ihm befreundeter Musi-ker, der, wenn wir uns recht erinnern, seinerseits ebenfalls auf seinem In-strument improvisirte, die Pausen des Nachsinnens durch eine übereinstim-mende Tonphantasie auszufüllen hatte oder auch angemessenen Stellen des Vor-trags ein musikalisches Accompagnement widerfahren ließ. So hörte man ihnnicht nur lyrische Stücke nach Aufgaben aller Art, sondern selbst kleine Dramen invollständiger Exposition, Scenerie und Personendurchführung improvisiren, undes läßt sich nicht leugnen, daß ihn bei seiner großen Gewandtheit auch noch hinzu-kommende mannichfaltige Kenntnisse und Bildung unterstützten, um seinen Lei-stungen alle Achtung zu verdienen. Auf einer bciweitem niedrigem Stufe stehtsein Nachfolger Langenschwarz, der zuerst 1830 im königlichen Hoftheater inMünchen improvisirte und seitdem als der zweite deutsche Improvisator von Profession im Süden und Norden von Deutschland auf sein Talent herumreist. Andiesem Improvisator sieht man eigentlich recht, wie wenig dazu gehört, um heut-zutage in der deutschen Poesie, selbst mit einigem Beifall, improvisiren zu können.Eine sehr geläufige Bemeisterung des Verses, besonders wo es darauf ankommt,große und bekannte Vorbilder darin zu copiren, ist auch Langenschwarz keineswegsabzusprechen; aber ihm fehlt gründliche Bildung und Vielseitigkeit der Kenntnisse,die zur Routine eines Improvisators unentbehrlich sind, und die sich nicht immerdurch anmaßenden Schein und Abenteurerkeckheit ersetzen oder beschönigen lassen.Außerdem hat man wol noch in»einzelnen deutschen Provinzialstadten hier und davon Improvisatoren gehört, die aber vbscurer geblieben sind und ihr Talent wol

auch nur als poetisches Braten Intermezzo auf der Ressource mögen haben waltenlassen Unter allen den genannten Versuchen, diese Kunst bei uns einheimfich zumachen, sind selbst die bedeutendem nur etwas Vorübergehendes und Erkünsteltesgewesen, das keinen warmen Anklang im deutschen Leben hat finden können, wäh-rend dagegen in Italien das Jmprovisatortalent so volksthümlich ist und der gan-zen Richtung des Nationalcharakters so sehr entspricht, daß es dort nie auszuster-ben vermag, und erst in d. n letzten Jahren wieder eine neue ausgezeichnete Erschei-nung dieser Art hervorgetreten ist. Wir meinen die bekannte Rosa Taddei in Rom,der W. Waiblingen in einem aus lebhafter Anerkennung geschriebenen Aufsatz über