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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
515
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Improvisatoren 5! 5

Kaiser Friedrich It.",Die Schule der Frommen",Die schelmische Grafin"Die Verkleidungen",Der Carneol" undDie Somnambule". Den erstenAnlaß zuTulifäntchen", einem von wirklichem Dichterhauch durchwehten Gedichte,gab ihm ein überaus kleiner und zierlicher Graf. Er antwortete l 829 durch seineSchrift:Der im Irrgarten der Metrik umhertaumelnde Cavalier", ebenso derbals Platen's ungeschliffener Angriff es war, demselben. Seine neuesten DichtungensindAlexis", eine Trilogie, undMerlin, eine Mythe"; und wir haben bald zu er-warten den Roman:Die Epigonen", welcher alle deutsche Zustande der jüngsten Zeitumsassen soll, undDer Schwanenritter", ein episches Märchen. J.'s Wesen sprichtvon einer gewissen Abgeschlossenheit und herben Kraft, entsprungen aus jenen angegedenen Verhaltnissen. Er ist ein norddeutscher ein altpreußischer Dichter. SeineDichtungen sind aus ganz individuellen Stimmungen und Anlassen hervorgegangen.Was man als Nachahmung aus Shakspeare getadelt, ist oft nur eine getreue Relation von wirklich Erlebtem. Was Welt und Menschen anlangt, hat J. mehr inneresVerhaltniß zumachen als zu Personen. Mehr angesprochen vom unzubereitetenStoffe des Lebens als von dem subumirten, fühlt er sich oft angezogen zu prakti-schen, ganz unpoetischen Menschen. Deshalb hat ihn was gute Gesellschaftheißt nur vorübergehend berührt, literarische Verbindungen hat er eher vermiedenals gesucht. Sein dichterischer Name gehört zu den ehrenwerthen, er rangirt un-ter den deutschen Dichtern, welche eine Gesinnung haben: ein Unterschied, der jetztmehr als je festgehalten werden muß. Hinsichtlich seiner Wirksamkeit ist nur zu be-dauern, daß er, fern von der realen Bühne, nicht den Einfluß auf dieselbe gewon-nen, zu dem ihn sein Talent und seine Gesinnung berechtigte. (9)

Improvisatoren. Wenn deutsches Klima und deutsche Lebensge-wohnheit der Kunst des Improvisators günstiger waren, so ließe sich erwarten, wie-wol eben nicht wünschen, daß sich dieselbe bald auch bei uns als eine heimische undöfter wiederkehrende Erscheinung zeigen würde, da von der andern Seite der lite-rarische Tageszustand unserer heutigen Dichtkunst einem solchen poetischen UnterHaltungsspiel allerdings eine Stütze und die nöthigen Befähigungsmittel von selbstdarbietet. Das persönliche productive Talent eines Improvisators ist nämlich, soviel die bisherigen Beispiele wenigstens in Deutschland gelehrt haben, in der Regel als höchst gering anzuschlagen, da es vielmehr augenscheinlich nur in der eigenlhümlichen Fertigkeit sich verriet!), über einen bereits erworbenen und im Gedächt-nis angesammelten Vorrath von Vers- und Gedankenverbindungen zu herrschenund denselben durch eine Art Taschenspielergewandtheit der Phantasie mit demaufgegebenen Thema in einen augenblicklichen Rapport zu setzen, sodaß in solchenHervorbringungen durch die poetische Laune des Zufalls nicht weniger als durch diefangende Verlegenheit des Moments, welche ja in so vielen Fällen anstatt derBegeisterung dienen und den Pegasus anspornen muß, oft die überraschendstenSendungen und Anspielungen entstehen, welche man nur gar zu bereitwillig derProduktivität des Improvisators und seiner genialen Bemeisterung des Gegenstansss zuzuschreiben pflegt. Daher ist es nicht zu verwundern, sondern erklärt sichvielmehr folgerecht daraus, daß diese Dichter des Augenblicks öffentlich improvisie-rend die besten Wirkungen erreichen, während sie in der Stille, welche doch eigent-"ch die geweihte Werkstatt eines jeden Kunstwerks ist, wo aber für sie der bedinMde Drang und das äußere Reizmittel der Umstände fehlt, fast nie etwas wahr-est Poetisches zu Stande bringen. Der gegenwärtige Zustand der deutschen PoeI'e ober, der aus der reichsten und zugleich naheliegendsten Vergangenheit her eineM;e Fmchtkammer des äußern und innern dichterischen Apparats aufgehäuft hat,ume deshalb vor Allem dazu gee.ignct erscheinen, Improvisatoren bei uns her-^rzudnchgen und der Kunst derselben durch ein unerschöpfliches Füllhorn von Re-"Weenzen zu Hülfe zu kommen; denn die Reminiscenzen dienen dem Improvi-