Humann
503
Geschichte zu Bonn, geboren 1765 zu Erdeborn in der Grasschaft Mansfeld, be-trat die Lehrerlausbahn im Pädagogium zu Kloster Berge, wurde darauf an derRealschule zu Berlin angestellt, aber bald als Professor nach Frankfurt an der Oder,und endlich 1806 in gleicher Eigenschaft nach Königsberg berufen. Auf Anlaßeines Rufs nach Heidelberg, den er 1817 erhielt, ward ihm die Aussicht eröffnet,an der zu Bonn zu stiftenden Universität angestellt zu werden. Nach der 1818erfolgten Eröffnung derselben ward er zum Rector ernannt, und hatte in diesemWirkungskreise die innere Einrichtung der neuen Anstalt zu treffen. Die Ereig-nisse der Zeit, in welche seine wissenschaftliche Ausbildung siel, und der Einflußder durch die französische Revolution begonnenen politischen Umgestaltung vonEuropa, gaben seiner schriftstellerischen Thatigkeit die Richtung auf das Leben imStaate und in der Kirche, auf die geschichtliche Behandlung sowol der Verhältnissebeider gesellschaftlichen Anstalten überhaupt als insbesondere des Staatshaushalts,des Handels, der städtischen Betriebsamkeit und der Städteverfassungen. In dieseClafse gehören die gehaltvollen Schriften: „Deutsche Finanzgeschichte des Mittel-alters" (Berlin 1805), und als Nachtrag zu derselben die „Geschichte des Ur-sprungs der Regalien in Deutschland" (Berlin 1806); die beiden gekrönten Preis-schristen: „Geschichte der Domainenbenutzung in Deutschland" (Berlin 1807)und „Geschichte des byzantinischen Handels" (Berlin 1808); „Ursprünge der Be-steuerung" (Köln 1818); seine beiden Hauptwerke: „Geschichte des Ursprungsder Stande in Deutschland" (zweite umgearbeitete Ausgabe, Berlin 1830) unddas „Städtewesen des Mittelalters" (4 Bde., Bonn 1825 — 29), reiche Ergeb-nisse der Forschung darbietend, und die „Ursprünge der Kirchenversassung des Mit-telalters" (Bonn 1831).
Humann (Jean George), wurde 1780 zu Strasburg geboren, trat imachtzehnten Jahr in den Handelsstand und blieb darin bis zum Jahre 1830, woer seinem Sohne die Leitung des bedeutendsten Kaufmannshauses zu Strasburgüberliest. Sobald er nach Erreichung des vierzigsten Jahres wahlfähig war, er-nannten ihn 1820 die Bewohner seiner Vaterstadt zum Abgeordneten. Bei denfolgenden Wahlen wurde er stets wieder ernannt und saß seit seinem Eintrittim linken Eentrum nahe seinem vertrauten Freunde Royer-Collard. Währenddieses Zeitraums war H. stets Mitglied der Finanzcommissionen, und erhobsich in sachreichen, kraftigen Reden gegen die Politik der Restauration. Gleichnach seinem Eintritte in die Kammer sprach er gegen die Pensionen der Geistlichkeit,16Z2 gegen die Handelsverbote, 1823 mit aller Wärme der Uderzeugung gegen denspanischen Krieg. Ohne sich systematisch dem Principe zu widersetzen, aus wel-chem 1624 Villele's Vorschlag über die Herabsetzung der Zinsen auf drei ProcenthervcrgingchetrachteteH, diese Maßregel als eine zu starke, zu plötzliche Verminderung.Er erklärte sich 1826 für Beibehaltung der französischen Souverainetät über S.-Domingo, in demselben Jahre war er Vorkämpfer in der Vertheidigung der Preß-siciheit, und 1827 sprach er den Wunsch aus, daß eine größere Anzahl aufgeklär-te Bürger an den Geschworenengerichten Theil nehmen möchten. Am 23. Maiid29 erstattete er im Namen der Commission Bericht über das Ausgabebudgetvon 1630, wobei er auf sehr bedeutende Ersparnisse antrug. H. gehörte zu den^6 welche für die Adresse gegen Polignac's Ministerium stimmten. Beim Aus-ruch der Juliuscevolution nicht in Paris anwesend, eilte er, als die Nachricht derGegebenheit in Strasburg anlangte, schleunig nach der Hauptstadt und nahm aner Erwahlung des neuen Königs Theil. Seitdem, und schon früher, hat H. dasrym angebotene Finanzministerium mehrmals ausgeschlagen. Vergebens wolltean es :hm nach Martignac's Entlassung aufbürden. Als Lafsitte die obere Lei-ung der französischen Angelegenheiten erhielt, bat er H., jenes Ministerium zu^nehmen und hätte sich selbst gern mit den Functionen eines Conseilpräsiden-
>».