>»« i
Heine 393
geben es auch den von fremden Altern im Lande Geborenen ganz allgemein. 2) DasHeimathsrecht schließt in sich: a) das Recht zum bloßen Aufenthalt; b) zu Be-treibung aller der Gewerbe, wozu das eigentliche Ortsbürgerrecht nicht nöthig ist;c) zu Erwerbung des eigentlichen Bürgerrechts unter Erfüllung der dafür gesetztenBedingungen; ü) den Anspruch auf Verpflegung. 3) Es ist nicht durchaus noch-wendig, daß das Heimathsrecht local sei, denn es laßt sich sehr wohl ein solchesdenken, welches nur für den Staat in seiner Gesammtheit gilt, und wobei dieVersorgungspflicht auch der Staatskasse obliegt (badisches Gesetz tz.85), 4) DasHeimathsrecht ist unauslöschlich, d. h. es wacht auch dann wieder auf, wenn es^ ausgegeben worden ist, aber kein anderes einheimisches mehr existirt (badisches^ Gesetz Z. 73, Nr. 1). Dann 5) ohne Heimath soll kein Mensch sein, und sowie dasG Vaterland immer noch, selbst nach Auswanderung und Naturalisation in einemw fremden Lande, Rechte an seine Söhne behalt, so muß es auch als liebende Mut-dm ter keinem, der dahin nach manchen Irrfahrten des Lebens zurückkehren will, die!»». Aufnahme versagen. (3)
A Heine (Heinrich) wurde 1797 in Düsseldorf geboren und ftudirte in«j Bonn, Berlin und Göttingen, wo er die juristische Doctorwürde erhielt. Seit-^ er sich abwechselnd in Hamburg, Berlin, München und Paris auf. Bei^ « mch in s^nem ersten Aufenthalte in Berlin gab er 1822 die erste Sammlung seiner Ge-^ MchrmD dichte heraus, die zugleich mit dem „Lyrischen Intermezzo" (1823) und den Ge-W ichUzÄ« dichten aus den beiden ersten Banden der „Reisebilder" in das 1827 erschieneneWWW«, „Buch der Lieder" nach einer sorgfältigen Auswahl, die namentlich die schauerli-NMWW chxn Nachtstücke der ersten Sammlung ausschloß, aufgenommen worden ist. ZweiTragödien: „Almansor" und „Radcliss", erschienen 1823, und von 1826 an dieiWWchW „Reisebilder" in vier Theilen. Außerdem hat er auch eine Zeitlang in Gemein-chfiMchiuIs schast mit F. L. Lindner die „Neuen allgemeinen politischen Annalen" herausgege-muMchiA ben und einzelne Aufsatze und Gedichte in Zeitschriften abdrucken lassen. Es istschwierig, ein bestimmtes Bild von H.'s poetischem Talent zu entwerfen. Er hatchWD, D ein reines, stilles, frommes Gemüth, das sich gern in dem Kinderglauben einer hei-A, WM tern Märchenwelt heimisch fühlt, das mit der ganzen Kraft und Zartheit, die ihmn, WM» eigen ist, in solcher Heimath Wurzeln schlagen und gedeihen möchte. Er hat einenscharfen Geist, der oft, ohne zuvor bedächtig die Schale gelöst zu haben, durch kühneMM, dmii Combination den Kern durchschaut, der mit einem feinen erregbaren Nervensi'nnedie Fühlfäden nach außenhin bewegt und in beneidenswerthem Reichthum vonBildern, Wendungen und Verknüpfungen, wie in einem leicht beweglichen Mienen-und Muskelspiel, die Art und Weise, wie er afsicirt worden ist, abspiegelt. Er hatM Begeisterung und kann sich begeistern, er hat Kühnheit der Phantasie und drücktchrD der Sprache gewaltig seinen Stempel auf. Und was mangelt ihm, um die Palmezu gewinnen? Um es mit einem Worte zu sagen: die Treue, welche diese gött-M« lichen Gaben des Genius zur höhern Harmonie verklären sollte. Weil er aber mitdiesem Überschwang von Geist und Talent, der sich in alle Formen und Farben zuMlK kleiden weiß, dem eine jede wohl ansteht, ohne stete Richtung nach einem idealenZiele, das höher ist als er selbst, in welchem sich die vereinzelten Straten des Ta-lents wie in ihrer Sonne zusammenfinden, umherflattert, und eben nur sein Talentspielen und gewähren laßt, so erzeugt sich in ihm jener Widerspruch, der sein ganzesWesen so schmerzlich zerschneidet. Seltsamere Gegensatze haben kaum jemals in' derselben Menschenbrust gewohnt. Überweiche Zartheit und wilde Kraft, ergrei-") sende Tiefe und satyrhafte Frivolität des Gedankens und der Empfindung, Adel> zi und Gemeinheit, großartige Gesinnung und — nicht Feilheit, aber ironische Kälte,W tödtende Gleichgültigkeit, und all dies nicht etwa zu verschiedenen Zeiten, bei ver-! schiedenen Gelegenheiten, sondern in einem und demselben Athem. Wer ihn mitW Lord Byron vergleicht, kennt weder ihn noch Byron. Byron ist treu und beharr-