382
Herschweiler
H»
sehr man auf der einen Seite Ursache hat, die Originalität des ganzen Systems inseinem Gliederbaue, den großen Scharfsinn und Tiefsi'nn, sowie die seltene Gei-fteskraft und Ausdauer zu bewundern, mit welchen hier, vorgeblich nach ^strengsten Methode, alle Probleme der Philosophie von dem einfachsten Anfangin der sinnlichen Gewißheit bis zum Bewußtsein des absoluten Geistes, durch jon-gehende Metamorphosen des Einen Princips behandelt und scheinbar gelöst W.den, und dabei durch die frappantesten Ubergange, und die eigenchümlichen Lich-ter, welche auf ganz dunkele Partien der Welt fallen, und wodurch das Weitaus-einandergelegene witzig aneinanderrückt, geblendet und bestochen wird, derLesiiebenso sehr auf der andern Seite durch die seltsam harte, schwere, scholastisch-^,struse, oft grammatisch-unrichtige Sprache, die willkürliche Terminologie, durchdas Gezwungene der Ubergänge, sowie noch mehr durch das Befremdende, dmnatürlichen Bewußtsein des gesunden Menschenverstandes Widerstreitende der Re-sultate und die anmaßende, wegwerfende Behandlung der Andersdenkenden, sicherkaltet und abgestoßen fühlt und in jenen zauberischen Lichtern mehr Irrwischeund Theaterlichter erblickt, welche leuchten ohne zu erwarmen, und in Demjeni-gen, was uns das Theuerste sein muß, uns trostlos uns selbst überlassen. EinSystem, in welchem der Begriff das Eine und All, der Wcltschöpfer und derVollender ist, und praktische Freiheit, Unsterblichkeit, Natur und ein persönli-cher Gott nur kommende und verschwindende Momente, nothwendige Vorstu-fen, um sich in das philosophische, logische Bewußtsein zu erheben, kann zwareinige Zeit Aufsehen erregen, der Eitelkeit und dem Hochmuthe junger Leuteschmeicheln, auch wol schwachköpsige Alte berücken, aber, wir hoffen es zum ge-genwartigen Geschlechte, in die Länge sich nicht behaupten, nie zur allgemeinenUeberzeugung der Gebildeten werden und die Wissenschaften beherrschen; einglänzendes Meteor, wie so manche, welche am Horizonte der Geschichte aufge-stiegen sind, und wie sie verbleichen und sinken wird, wahrend das Christcnthumund die himmlische Sonne des moralischen Bewußtseins in uns in ewigem Marpefortstralen werden/— Von „Hegel's Werken", herausgegeben von Marheimcke,Schulze, Gans, von Henning, Hotho, Michelet, Fr. Förster, ist zu Berlin 1832die erste Lieferung, enthaltend den ersten und neunten Band, erschienen. ÜberH.'s System aus dem Standpunkt seiner AnHanger vergl. Göschel „Hegel undseine Zeit" (Berlin 1832). (73)
Hegetschweiler (Johann), Regierungs- und Staatsrath, wurde1789 zu Rifferschweil im Eanton Zürich geboren, und nachdem er einige Pri-vatinstitute in der Nahe seiner Heimath besucht halte, in welchen die Anfangs-gründe der deutschen, französischen und lateinischen Sprache gelehrt wurden, legteer von 1804 — 8 auf der Cantonsschule in Aarau, die damals unter EversLeitung blühte, den Grund zu seiner tüchtigen, allseitigen, wissenschaftlichen Aus-bildung. Sein Vater, Großvater und Urgroßvater waren praktische Ärzte gewe-sen, und auch er wählte diese Kunst. Nachdem er ein Jahr in dem medicinisch-chirurgischen Institute seiner Vaterstadt Zürich zugebracht, bezog er 1809 dieHochschule zu Tübingen, wo er bis 1813 verweilte. Als er daselbst die medm-nische Doctorwürde erlangt hatte, kehrte er in das Vaterland zurück und wurde
1814 als Oberarzt in ein Militairlazareth an der Grenze berufen, wo er beinah-ein Opfer des Nervensiebers geworden wäre. Von 1814 — 15 lebte er als pra -rischer Arzt in seinem Geburlsorte und schrieb mehre kleine Abhandlungen botar»-schen und medicinischen Inhalts. Auf Veranlassung seiner Verheirathung zog ^
1815 nach Stäfa, einem der blühendsten Orte am Aürichersee, der Heim-MBodmer's, Pfenninger's und anderer freimüthigen und standhaften Vertreter >lRechte des Landvolks gegen die Anmaßungen der Stadt, wo er bald ^ausgedehnten Praxis, die sich selbst in die Cantone St.-Gallen, Schwyz und Gla-