Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
378
Einzelbild herunterladen
 

378 Hegel

Gepräge der Parteilichkeit und Leidenschaftlichkeit, als daß sie für das befriedigendeEndurtheil in dieser Angelegenheit gelten könnten. Eine unparteiische und gerechtWürdigung der Verdienste H.'s wird und muß jetzt nach dem Tode des ausgezeich-neten Mannes eintreten; die Herausgabe seiner sammtlichen Schriften wird dazudas Ihrige beitragen, indem sie uns in den Stand setzen wird, seine Wirksamkeitnach den verschiedenen Richtungen seiner Thätigkeit zu verfolgen und zu einemÜberblick über die ganze Sphäre derselben zu gelangen. Für gegenwärtigen Zweckmögen folgende Andeutungen dienen.

H. trat in der Philosophie zuerst 1801 auf mit zwei Schriften, einer Dis-sertation „Do orditis pliznetaruln", wodurch er sich das Recht, in Jena Vorle-sungen zu halten, erwarb, und der „Differenz des Fichte'schen und Schellinz'-schen Systems" (Jena 1801). Er erhob darin Schelling's System auf Kostendes Fichte'schen und Kant'schen, sowie er auch mit Schölling sich zur Herausgabedes „Kritischen Journals der Philosophie" (Tübingen 1802) verband. In die- ^sem ist von ihm der geistreiche Aufsatz: „Glauben und Wissen, oder die Re-flexionsphilosoyhie der Subjcctivitat in der Vollständigkeit ihrer Formen, als iKant'sche, Jacobi'sche und Fichte'sche Philosophie" (zweiten Bandes erstes Stück).In allen dreien, behaupteter, ist nichts weiter als die Erhebung derRcflexions-cultur zu einem System, eine Cultur des gemeinen Menschenverstandes. Die !Darstellung seines eignen Systems aber eröffnete H. mit der originellen Schrift: !„System der Wissenschast" (erster Theil, die Phänomenologie des Geistes, Bam- jberg 1807). Schon hier tritt die Eigentümlichkeit seiner Methode hervor, und >es werden damit die Punkte bemerklich, in denen er von Schölling abweicht. Eswird nämlich hier die wahre Gestalt der Wahrheit in die Wissenschaftlichkeit ge-setzt, oder, was Dasselbe ist, behauptet, sie habe an dem Begriffe allein das Ele-ment ihrer Existenz, und hinzugefügt, dies stehe im Widerspruche mit der An-sicht, welche das Wahre, das Absolute, nur in der Anschauung oder dem Ge-fühl findet, nicht in dem Begriff. Nach Schelling ist aber die intellektuelle An-schauung das Organ für das Absolute. Biv jetzt sei zwar der Begriff des Absolu-ten ausgesprochen, aber nur noch als unmittelbarer, d. h. als das noch in seineEinfachheit verhüllte Ganze, welchem die Ausbreitung und Besondcrung des In-halts, sowie die ausgebildete Form fehlt, ohne welche die Wissenschast auch immerder allgemeinen Verständlichkeit entbehren muß. Jenen versinkt Alles in den Ad- ^grund des Absoluten, worin Alles Eins ist und wie in der Nacht die Besonder-heit der Individualität vernichtet. Die lebendige Substanz ist das Sein, welchesin Wahrheit Subject ist, oder wirklich nur insofern, als sie die Bewegungdes Sichselbstsetzens, oder die Vermittelung des Sichanderswerdcns mit sich selbstist, d. h. sich entzweit, sich dadurch negirt, aber in der Negativität sich sclbster-halt und wiederherstellt, sodaß es erst in seiner Entwicklung sich vollendet underst am Ende ist, was es in Wahrheit ist. So ist der Embryo wol an sich Mensch,aber nicht für sich. Für sich ist er es nur als gebildete Vernunft, die sich zu Demgemacht hat, was sie an sich ist. Das Werden der Wissenschaft ist es, was diePhänomenologie des Geistes, als erster Theil des Systems, darstellt. Dadurchwerden die reinen Gedanken Begriffe, sie breiten sich mit Nothwendigkeit zu einemorganischen Ganzen aus, und entspringend aus dem unmittelbaren Dasein desGeistes, dem Bewußtsein, treten sie alle als Gestalten des Bewußtseins ausDabei erklärt sich H. entschieden gegen den naturphilofophischcn Formalismus daSchelling'schen Schule. Diese Gestalten des Bewußtseins sind nun: die sinnlicheGewißheit, die Wahrnehmung, die Kraft und der Verstand, oder Erscheinungund übersinnliche Welt, die Wahrheit der Gewißheit seiner selbst, die Gewißheitund Wahrheit der Vernunft, der Geist, die Religion und das absolute Wissen-Dieses absolute Missen, der Begriff, die Wissenschaft ist die letzte Gestalt de