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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
375
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Heber 375

den verrieth schon der Knabe den Fleiß, die Besonnenheit, Milde und Lcrnbe-gie/, welche den Mann auszeichneten. Es wird erzahlt, daß ihm die Mutter dieBanknoten in der Tasche festnahte, damit er sie nicht jedem Bittenden Hingabe.Als siebenjähriger Knabe übersetzte er die Fabeln des Phädrus in englische Verse,und oft, um nicht vom Schlafe beim Studiren übermannt zu werden, um-wickelte er den Kopf mit nassen Tüchern. Auf der Universität in Oxford erwarber 1803 einen Preis durch sein religiöses Gedicht „Palästina", welches, baldin ganz England beliebt, in die wälische Sprache übersetzt und als Oratoriumcomponirt, jetzt bei vielen ernsten Feierlichkeiten in England aufgeführt wird.Schon mit großem Ruf und den glänzendsten Aussichten machte er 1805 und1806 eine Reise durch Schweden, Norwegen, Finnland, Rußland und Deutsch-land, soweit Napoleons Herrschaft dies den Engländern damals vergönnte.Er brachte viel schätzenswerthe Bemerkungen über die russische Geistlichkeit mit,Material zu einer Geschichte der Kosacken, die herkömmlichen englischen Vorur-teile über deutsche Universitäten, aber Liebe für die deutsche Sprache, in der ersich selbst viel geübt, wie der curiose Versuch, in deutschen Hexametern einenFreund zum Essen einzuladen, beweist, wovon hier, der Seltenheit wegen, eineProbe:

Aber ich muß dir sagen, daß kein ausländisches Essen

Gebe ich dir; mit Schinkengeschmack die sauere Kräuter

Nicht die herrliche Fischer, die kostbare Suppe des Sterlet

Oder mit salzem Butler den Barsch, den Wassergekochren.

Und ach leider des Armuths! den guten vortrefflichen Rheinwein

Hier bekommest du nicht aus grünen Gläser getrunken;

Und das dickes Bü'r, was liebt der durstige Deutscher!

Hier sind bloß Kartoffeln und nur ein gewältiges Beefsteak u. s. w.

Seine deutsche Poesie, sieht man, muß Voß zum Vorbild gehabt haben, wieseine englische Walter Scott. Dem reichbegabten Jünglinge standen die Pfrün-den seiner Familie offen. Mit mehr Ernst und Beruf als meist die englischen Pa-tronatsherren und Pfarrer und mit patriarchalischer Hingebung zu seinen Pfarr-kindern, verwaltete er von 1807 — 22 das Pfarramt zu Hodnet in Shropshire.Bekannt in jeder Hütte, mit jedem Kinde, Allen ein thätiger Rather, war er inganz England als aufrichtiger und milder Kämpfer für den Glauben und seineKirche, als Dichter von Kirchenliedern, als Forscher in der Schrift, als Histo-riker geschätzt, als er den Ruf zum Bisthum Calcutta erhielt, mehr ehrenhal-ber, als weil man glaubte, daß er, der zu den höchsten Stellen in Englandberufen schien, ihn annehmen würde. Die ihn beriefen, baten ihn selbst fastdringend doch nicht zu gehen in das „mörderische Tropenland". Aber H., der schonfrüher erklärt, „wenn ihm der Herr nicht einen andern Wirkungskreis angewiesenund er nur auf sich allein Rücksicht zu nehmen hätte, würde er sich fröhlich demZuge der Märtyrer (Missionare) anschließen", sah dies als einen göttlichenRuf an, und von einer tresslichen Gattin in seinem Entschluß bestärkt, sagte erallem Comfort, allen Ehren im Vaterlande Lebewohl und segelte, nachdem er vonseiner Gemeinde in einem rührenden Hirtenbriefe, der als ein Muster gilt, Ab-schied genommen, 1823 nach Indien. Sein kurzer Aufenthalt daselbst, seinebeiden ungeheuer» Visitationsreisen durch das mächtige Reich, die Nachrichten, dieer davon in seinen Briefen und Tagebüchern hinterlassen, und der Tod, den er da-bei mitten im angestrengten Berufe fand, haben ihm seinen europaischen Namenverschafft. Ausgerüstet mit Liebe und Beharrlichkeit zu dem großen Werke, mitmöglichster Kenntniß der orientalischen Sprachen und aller der Pracht, welcheseine Stellung, gemäß den Vorstellungen der morgenländischen Völker, foderte,trat er im Jun. 1824 die erste Reise an. Nachdem er die westlichen flachen TheileBengalens bis Dhaka besucht, schiffte der christliche Bischof auf einem Fahrzeug,