Hauser
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worden, sein Taufname Kaspar und sein Vater, ehemals ein Chevauxleger beimsechsten Regiment in Nürnberg, gestorben sei.
H. wurde vom Magistrate zu Nürnberg als ein verwahrloster Junge von un-bekannter Heimath behandelt und deshalb in polizeiliche Verwahrung gebracht.Er erhielt ein eignes Zimmer auf einem Thurme der Burg mit weiter, schöner Aus-sicht und eine sorgfältige Pflege vom Gefangenwärter, der ihn im Geheimen beob-achtete. Er benahm sich hier wie ein Kind und brachte die meiste Zeit auf dem Bodensitzend im Spiel mit den vielen Kinderspielwaaren hin, welche ihm die Theilnahmeder Nürnbergcrverschaffte. Am liebsten spielte er mit Pferdchen, die er mit Bandernschmückte und mit Brot zu füttern versuchte. Spater bezeigte er große Freude an Bil-dern und Kupferstichen, die er zumTheilnachzuzeichnen bemühtwar. Nichtmindermachte ihm das Schreiben Vergnügen, worin er schon am ersten Morgen eine Probeseiner Gewandtheit ablegte, indem er ohne eine Vorschrift einen ganzen Bogen mitBuchstaben, Sylben und Wörtern, desgleichen mit den arabischen Ziffern in vollkom-menerOrdnung, beschrieb. Im Umgange mit den vielen Personen, welche Neugierdeoder Gutmüthigkeit fast stündlich zu ihm führten, lernte er zur allgemeinen Ver-wunderung bald so viel sprechen, um seine Gedanken nothdürftig auszudrücken,obwol seine Sprachverfuche ein so dürftiges, kindisches Wortgehäckfel bildeten, daßder Hörende Vieles nur vermuthen oder errathen mußte.
Der Vorstand des Magistrats, Bürgermeister Binder, früher ein Justizbeam-ter von bewahrter Geschaftskenntniß, widmete der seltsamen Erscheinung seine be-sondere, sowol menschenfreundliche als amtliche Theilnahme. Er ließ H. fast tag-lich in sein Haus bringen, wo er in seiner würdigen, gemülhvollen Gattin einezweite Mutter fand, die ihn jedoch nach Art zärtlicher Mütter etwas verwöhnt undihm die Einbildung einer vornehmen Abkunft unabsichtlich erregt haben mag.Das Hauptbeslreben des Bürgermeisters ging dahin, durch vielfältiges Unterredenmit H. den Sch.eier so viel möglich zu lüften, der auf dem frühern Leben desselbenlag. Dies glaubte er bald bewirkt zu haben, und er erließ bereits unterm 7. Jul.eine öffentliche Bekanntmachung, worin er das Leben und Leiden Kaspars schil-derte und alle Behörden zur Mitwirkung behufs der nähern Ermittelung der anihm verübten Verbrechen und ihrer Urheber aussoderte. Nach diesem Umlaufschrei-,den, welches überall die lebhafteste Sensation erregte und den Findling zu einemGegenstände des höchsten Interesse im In- und Auslande machte, war derselbevon seiner Kindheit an in einem unterirdischen Behältnisse, von der Natur undallen Menschen ganz isolirt, bloß mit Brot und Wasser durch einen Mann aufge-zogen worden, der sich ihm selbst nicht einmal zeigte, sondern ihn, während er imnatürlichen oder durch Opiate bewirkten Schlafe lag, verpflegte, reinigte und an-kleidete. Der unglückliche Knabe, bloß mit einem Hemde und hinten offenen Ho-sen bekleidet, harte in dem Kerker nicht einmal ausgestreckt liegen, darin nie einenLaut hören, nie die Sonne oder nur die Tageshelle sehen können und daher auchnicht den Unterschied zwischen Tag und Nacht erfahren. Er hatte keine andere Be-schäftigung gehabt, als mit zwei hölzernen Pferden zu spielen. Einige Zeit vor derWegführung nach Nürnberg hatte der Mann sich in dem Kerker öfters eingefun-den und den Gefangenen durch Führung seiner Hand im Schreiben, sowie durchAufheben der Füße im Gehen unterrichtet. Endlich hatte er ihn einmal auf dieSchultern gelegt, zu dem Loche heraus einen Berg (oder eine Treppe) hinaufgetra-gen und sich mit ihm auf die Reife nach Nürnberg begeben. Von Allem, was H.unterwegs in die offenen Augen und Ohren gedrungen, oder er sonst empfunden,war nichts von ihm zu erfragen, das über die Gegend, aus welcher er gekommen,oder über die Richtung, Länge und Dauer des Wegs nur den geringsten Aufschlughätte geben können; nur an unbedeutende, sich von selbst verstehende Dinge,erinnerte er sich. Nicht einmal das Gesicht des Mannes, nut welchem er in derEonv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. Is. Z4
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