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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
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Haustr

heiße. *) Beim Eintritt in die Wohnung äußerte er gegen den Bedienten, er wolleein solcher Reiter werden, wie sein Vater gewesen. Auf alle Fragen erfolgte dienämliche Äußerung oder die: „Jh woais nit". Nachdem der Rittmeister gegen 8Uhr nach Hause gekommen und nicht im Stande war, etwas über die Person undHerkunft des ihm Unbekannten durch Fragen herauszubringen, wurde dieser aufdie Polizeiwachtstube geführt. Die hier anwesenden Unterbeamten und Polizcisti:baten bemühten sich gleichfalls vergebens mit Fragen über seinen Namen, Standu. s. w., und man hielt ihn daher für einen Blödsinnigen oder Halbwilden, oderauch wol für einen feinen Betrüger, da er kindlich-kindisch wimmerte, nur kurze un-verständliche Satze vorbrachte, gleichwol aber eine ihm dargereichte Feder geschicktzwischen die Finger nahm und in festen leserlichen Zügen auf einen Bogen Papierdie Worte „Kaspar Hauser" schrieb, ohne jedoch auf Verlangen den Ort seinerHerkunft, oder sonst etwas beizufügen. H. war damals dem Ansehen nach 16—17 Jahre alt; ein ganz dünner Flaum überzog Kinn und Lippen. Sein Körper-bau untersetzt (44 bair. Fuß) und breitschulterig, zeigte ein vollkommenes Eben-maß. Seine Haut war sehr weiß und fein; seine hellbraunen Haare krauselten sich inkleinen Locken; seine Glieder waren zart gebaut, die Hände klein und schön geformt,ebenso die Füße, welche keine Spur zeigten, daß früher ein Schuh sie beengt habe,vielmehr waren die Fußsohlen ohne Hornhaut, so weich, als das Innere einerHand und mit frischen Blutblasen bedeckt. An beiden Armen zeigten sich dieNarben der Impfung. Seine Gesichtsfarbe verrieth keine Kränklichkeit undseine bläulichen Augen waren klar. Beim Weinen verzerrte er widerlich denMund, sein Lächeln aber war lieblich, wie bei einem Kinde. Auch seinGang war dem eines Kindes ähnlich und wenn er mit ausgestreckten Schen-keln auf dem Boden saß, so war am Kniebug nicht die geringste Höhlung zubemerken. H. zeigte gegen alle Speisen und Getränke, außer trockenem Brotund Wasser, heftigen Widerwillen. Schon der bloße Geruch der gewöhn-lichen Speisen erregte ihm Schauder und ein wenig Wein, Bier, Fleisch unddgl. verursachte ihm Angstschweiß, Erbrechen oder Durchfall. Sein Sprechen be-schränkte sich auf wenige Wörter oder Satze im altbairischen Dialekt, z, B. „Reutawähre, hoäm weisa, Bua (Bube), Roß" u. s. w.; er zeigte dabei eine große Un-bekanntschaft mit den gemeinsten Gegenstanden und den alltäglichsten Erscheinun-gen der Natur und Gleichgültigkeit gegen die gewöhnlichen Bequemlichkeiten undBedürfnisse des Lebens. Außer den nothdürftigen bäuerlichen Kleidungsstückenhatte H. nichts bei oder an sich, was über seine Herkunft eine Vermuthung hättegeben können, als einen mit gelber Seide gefütterten Filzhut, worin das Bild derStadt München war, ein Schnupftüchlein mit den Buchstaben K. H. roth gezeichnetund mehre geschriebene katholische Gebete, sowie geistliche Schriften mit den Druck-orten : Altöttingen, Burghausen u. s. w. Der mitgebrachte Brief war also da-tirt: „von der Bayerschen Gränz daß Orte ist unbenannt 1828". Der — wahreoder simulirte — Briefsteller sagt darin, daß er ein armer Taglöhner und Vatervon 10 Kindern sei; daß ihm der Knabe am 7. Oct. 1812 von seiner unbekann-ten Mutter gelegt worden; daß er denselben vor dem Landgerichte verheimlicht undkeinen Schritt weit aus dem Hause gelassen habe, und dieser nicht wisse, wie dasHaus oder der Wohnort des Pflegers heiße; daß der Knabe christlich erzogen wer-den, lesen und schreiben gelernt habe, auch geschickt und gelehrig sei und em Rei-ter zu werden wünsche, wie sein Vater einer gewesen; endlich, daß er ihn bei Nackaus seinem Hause fortgeführt und bis Neumark begleitet habe. In dem Briesttag ein, wie von der Mutter (mit lateinischen Buchstaben) geschriebener Zette,worin es heißt, daß sie ein armes Mägdlein, der Knabe am 3V. April 1812 geboren

*) Uber diesen, keineswegs als Thatsache anzunehmenden Umstand ver^- wa»Feuerbach's unten angeführte Schrift. D- ^ccv.

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