Hasse! 365
Braunschweig 1805, Fol.) folgte. Beide Schriften erhielten den Beifall desHerzogs von Braunschweig, der H. einen kleinen Gehalt bewilligte und ihm einehöhere Stelle gegeben haben würde, wenn nicht die Folgen der Schlacht bei Jenaalle Verhältnisse zerrissen hatten. H. wollte sich ganzlich der literarischen Thätigkeitwidmen und schlug einige vortheilhafte Berufungen auf auswärtige Universitätenaus. Er gab 1807 zu Nürnberg seinen „Statistischen Abriß des östreichischenKaiserthums" und bald nachher einen „Statistischen Abriß des russischen Kaiser-thums" (Nürnberg 1807) heraus. Nach einem kurzen Aufenthalt in Nürn-berg ging H. nach Göttingen, wo er die Bibliothek benutzte, endlich aber aufBertuch's Einladung nach Weimar, um bei den literarischen Unternehmungendes Jndustriecomptoirs mitzuwirken. Als der ehemalige braunschweigische Mini-ster, Graf von Wolfradt, Minister des Innern im Königreich Westfalen wurde,rief er H. 1809 zu sich, übertrug ihm die Leitung des statistischen Bureaus undgab ihm bald nachher eine Anstellung im Departement des Unterrichts und desCultus. H. fand in diesen Dienstverhältnissen vielfache Gelegenheit, wohlthätigzu wirken, und es gelang seinen Gegenvorstellungen, die Vereinigung der westfäli-schen Universitäten und des Pädagogiums zu Jlefeld mit Göttingen zu verhüten.Sein Rath galt in staatswirthschaftlichen Angelegenheiten viel, und trotz der herr-schenden Finanznoth erlangte er die Ausführung mancher Verbesserung. Erschrieb, außer einen „Geographisch-statistischenAbriß des Königreichs Westfalen"(Weimar 1809), eine „Statistische Ubersicht der elf Departements Westfalens"(Braunschweig 1811, Fol.) und andere für westfälische Geschäftsmänner nütz-liche Hülfsmittel und gab in Verbindung mit Karl Murhard die Zeitschrift:„Westfalen unter Hieronymus Napoleon" (2 Bde., Braunschweig 1812) her-aus. Nach der Auflösung des Königreichs Westfalen ward er von der braun-schweigischen Regierung zum Bevollmächtigten bei der Ausgleichung der westfäli-schen Centralangelegenheiten ernannt und 1815 nach Paris geschickt, das ent-führte braunschweigische Eigenthum zurückzufedern. Bei der Gewogenheit desHerzogs Friedrich Wilhelm, schien er eine dauernde Wiederanstellung in Braun-schweig erwarten zu dürfen; durch einen feindseligen Einfluß aber wurde dieseHoffnung vereitelt, indem man dem Herzog die Meinung beibrachte, H. habe1809 einen Aufsatz im „Westfälischen Moniteur" über den Rückzug des Herzogsgeschrieben. Er ging 1810 nach Weimar, um für Bertuch's Verlag neue literarischeArbeiten auszuführen. Die bedeutendsten Früchte seiner Thätigkeit waren sein„Allgemeines europäisches Staats- und Adreßhandbuch für 1810" (4 Bände,Weimar 1817—18); „Allgemeines geographisch-statistisches Lexikon" (2 Bde.,Weimar 1817 — 18); „Lehrbuch der Statistik der europäischen Staaten"(Weimar 1812), vielleicht das gehaltreichste seiner Werke; „Statistischer Um-riß der sämmtlichen europäischen und der vornehmsten außereuropäischen Staa-ten" (3 Hefte, Weimar 1833 — 24, Fol.). Von 1824 — 29 gab er inVerbindung mit einigen Freunden den „Genealogisch-historisch-statistischen Al-manach" heraus. Für die periodische Schrift: „Länder- und Völkerkunde",lieferte er (1819) Beschreibungen von Frankreich, Hanover, Braunschweig undOldenburg. Zu dem „Vollständigen Handbuche der neuesten Erdbeschreibung"(Weimar 1819 fg.) u. s. w., das er in Verbindung mit Gaspari, Cannabich undGutsMuths besorgte, gab er die bedeutendsten Beiträge. Seit Bertuch's Tode be-sorgte er die Herausgabe der „Geographischen Ephcmeriden". Schon früher einthätiger Mitarbeiter an der von Ersch und Gruber gegründeten „Allgemeinen En-cyklopädie" übernahm er, als die Abtheilung dieses Werkes in drei Sektionen be-schlossen war, in Verbindung mit dem Bibliothekar Wilhelm Müller die Besor-gung der zweiten Sectio», die er nach Müller's Tode (1827) mit dem KirchenrathHoffmann in Jena thätig fortsetzte, bis er am 18. Jan. 1829 zu Weimar starb.