366 Hauch Hauff
H. war ein Meister in seinem Fache, der Statistik, und bei einem großen Reich-thum von Kenntnissen, besaß er eine seltene Leichtigkeit, das Angeeignete mit Kür;, !und Bestimmtheit darzustellen, wenn ihn jene Leichtigkeit auch zuweilen zur Flüch-tigkeit verleitet haben mag.
Hauch (Johann Carsten von), öffentlicher Lehrer der Physik an der Aka-demie in Ssröe, geboren 1791, hat, außer einigen philosophischen und naturwis-senschaftlichen Abhandlungen, mehre dramatische Dichtungen herausgegeben,Ein jugendliches Werk „Rosaura", lyrisches Drama, das eine reiche dichterischePhantasie verrieth, erschien 1817, vorzüglich aber war es sein Trauerspiel: „Ti- Iberius, Roms Cäsar", das seinen Ruf gründete. Dieses Stück, nebst dem frü-hern episch-dramatischen Gedicht „Hamadryade", kündigte den wahren Dichter an,Beide, nebst drei Tragödien: „Bajazet", „Gregor Vll." und „Don Juan" er-schienen 1828 — 30, und wurden vonH. selbst ins Deutsche übersetzt, doch sinddiese Ubersetzungen bis jetzt noch nicht gedruckt. H.'s neueste dramatische Werkesind: „Den Babyloniske Taarnbygning i Mignature" (Der Thurmbau zu Ba-bel), eine aristophanisch-polemische Komödie, und zwei Trauerspiele: „Karl denFemtes Död" (Der Tod Karl V.) und „Mastrichts Beleiring" (Die BelagerungMastrichts, deutsch Leipzig 1833). H. besitzt eine gründliche Kenntniß der altenLiteratur und kennt das menschliche Herz und die Leidenschaften; seine Diction istkraftvoll, warm und höchst poetisch. Unter seinen Tragödien hat man vorzüglich„Tiberius" und „Gregor" ausgezeichnet, aber auch „Don Juan" zeigt uns unkraftig behandeltes Charakterbild. (4)
Hau ff (Wilhelm), ward am 29. Nov. 1802 zu Stuttgart, wo sein Vaterdamals Regierungssecretair war, geboren und nach des Vaters Tode (1809) in derMutter Hause zu Tübingen erzogen. Im hauslichen Kreise bildete sich seine Gabe,zu erzählen, von Außen nicht geahnt (denn der Knabe galt keineswegs für talentvoll),früh aus, und sein Hang zuGebilden der Phantasie nährte sich nicht nur aus modernenRomanen, sondern auch aus dem an alten Historienwerken reichen Büchersaaie desmütterlichen Großvaters, bei welchem sein alterer Bruder (der jetzige Redacteur des„Morgenblatts", vr. Hermann Hauff) erzogen wurde. Im Umgange des Letztem ge-wöhnte er sich früh daran, die gewonnenen Bilder im Gespräche zu handhaben, undlegte dadurch den Grund zu der Darstellungsgabe, die später sein Hauptverdienstward. H. wuroe zur Theologie bestimmt, 1810 in die Klosterschule zu Blaubeurenaufgenommen und bezog 1820 die Universität Tübingen und das evangelische Se-Fn'nar. Aus dieser Zeit (1820 — 24) fanden sich Überbleibsel schriftstellerischerVorübungen und lyrische, nicht besonders ausgezeichnete Versuche in seinem Nach-lasse. Nach Vollendung seiner Studien ward er Hauslehrer zu Stuttgart bei demjetzigen Kriegsminister Freiherrn von Hügel, und eröffnete seine schriftstellerischeLaufbahn, zu der ihm die nöthige Muße blieb, mit dem „Märchenalmanach aufdas Jahr 1826". Nirgends ist H. der Poesie fo auf die rechte Spur gekommenals in diesen Märchen, deren Stoff zwar meist entlehnt ist, die jedoch mit sofreiem Phantasiespiele behandelt, und dabei durch die Darstellung so schön abgerun-det sind, daß sie, obgleich weniger gekannt, doch unter seinen Werken obenan stehen.Auf sie folgten die „Mittheilungen aus den Memoiren des Satans" (Stuttgart1826), ein mehr fragmentarisches Werk, auch reich an Phantasie und Darstel-lungskunst, in welchem sich überdies der Scherz, soweit das äußerlich Lächerliche seinenGegenstand ausmacht, schon dichterischer zeigte. Der dadurch erworbene Ruf unddas gesellige Leben, in welches er getreten, foderten ihn nun zu bequemern Darftel-lungen auf und so erschien fein berühmter „Mann im Monde" (Stuttgart 182/),ein Roman, der, als Original angelegt, unter den Fingerzeigen einiger Freunde ununter der Hand des Verfassers zu einer Caricatur der Clauren'schen Manier war,femer Meinung nach als Satire auf jenes Unwesen betrachtet werden sollte, von der