354 Harding
Universität zu Kopenhagen, um sich der Rechtsgelehrsamkeit zu widmen. Diemathematischen Wissenschaften zogen ihn jedoch mit so unwiderstehlicher Ge-walt an, daß er sich ausschließend auf dieselben und zwar mit dem glücklich- !ften Erfolge legte. Als Lehrer an der gelehrten Schule zu Fcederiksburg, auf derInsel Seeland, leitete ein Zufall sein Nachdenken auf die magnetischen Kräfte der
Erde. Erging in seinen Forschungen immer weiter, und als die Akademie der > MWissenschaften zu Kopenhagen eine auf diesen Gegenstand bezügliche Aufgabe de- .K
kannt gemacht hatte, legte er derselben eine Abhandlung vor, welcher einstimmigder Preis zuerkannt wurde. H. erlangte dadurch einen bedeutenden Ruf und eineAnstellung als Lehrer der Astronomie an der eben errichteten Universität in Chri-stiania. Er begab sich wahrend des Kriegs 1814 in einem leichten Fahrzeuge da-hin, nicht ohne Gefahr von den, die norwegischen Küsten blokirenden englischenKreuzern aufgebracht zu werden. In seinem Vaterlande erhielt er einen, seinenKräften angemessenen, sich mehr und mehr ausdehnenden Wirkungskreis, da ersich bald als einen in allen Theilen der Mathematik, sowol der reinen als ange-wandten, bewanderten Gelehrten geltend machte, und die Klarheit seines Vortragsgewann der Mathematik viele talentvolle Anhänger, sowol unter den Studiren-den als den jüngern Offizieren. Mit rastlosem Eifer setzte er seine in Dänemarkangefangenen Forschungen fort, deren Früchte er durch königliche Unterstützung dem I Hgelehrten Publicum in seinem Werke: „Untersuchungen über den Magnetismus Mder Erde", von welchem bis jetzt nur der erste Theil nebst einem Atlas ans Licht Mgetreten ist, 1819 vorlegen konnte. Seine Arbeit erfreute sich einer allgemeinen ^Anerkennung der Männer vom Fache. Englische Mathematiker überzeugten sich uchbald von dem Nutzen seiner Angaben für die Schissfahrt, und aus allen spatern MEntdeckungsreisen trug man Sorge für Anstellung magnetischer Beobachtungennach dem von H. empfohlenen Verfahren. Er selbst machte zu diesem ZweckeReisen nach London, Paris, Hamburg, Berlin und Finnland, wie auch nach ^allen Gegenden seines Vaterlandes. Es war jedoch sein sehnlichstes Verlangen, !die von ihm aufgestellte Theorie selbst in Sibirien zu erproben. Ohne Schwierig- Mkeit verwilligte ihm das Storthing 1827 die von ihm zu diesem Unternehmenerbetene Summe. Seine mit vielen Beschwerden, sogar mit Lebensgefahr ver- -bundene Reise, auf welcher der norwegische Marinelieutenant Due sein Begleiterwar, dauerte vom Mai 1828 bis Jun. 1830, und hatte den glücklichsten Er-folg. Nicht nur fand er seine Theorie, hinsichtlich eines nordöstlichen magnetischenPols, vollkommen bestätigt, sondern er berichtigte auch die Erdkunde durch z.Beobachtungen der Länge und Breite. Überall fand er die bereitwilligste Unter- z.stützung von Seiten der russischen Behörden. Die Akademie der Wissenschaften ^zu Petersburg erkannte feine Verdienste dadurch, daß sie ihn zu ihrem Mitgliedsernannte. Früher hatten dies die Akademien zu Drontheim, Stockholm undEdinburg gethan. Man darf eine ausführliche Beschreibung seiner Reise er-warten. Er hat bereits die Ergebnisse derselben, wie überhaupt seiner Forjchun-gen, in mehren Zeitschriften, besonders in dem zu Christiania erscheinenden„Magazin for Naturvidenskaberne", in Poggendorfs „Annalen der PhDund Schuhmacher's „Astronomischen Nachrichten " niedergelegt. (1)
Harding (Karl Ludwig), Professor der Astronomie in Göttingen, wardam 29. Sept. 1765 zu Lauenburg geboren, wo sein Vater Prediger war und ihndurch seinen Unterricht zum Studium der Theologie vorbereitete. Von 1786-^oll
ftudirte H. zu Göttingen, und besonders wurde durch Lichtenbergs Vorlesungen un
die lehrreichen Unterredungen desselben bei manchen Abendbesuchen, die der wohl-wollende Mann ihm erlaubte, seine früh gefühlte Neigung zur Naturlehre unAstronomie noch mehr angeregt. Die spätere persönliche Bekanntschaft mit demJustizrach Schröter zu Lilienthal führte ihn in das Haus desselben ein, wo er neun