344 Hanover
Gleich beim Ausbruche der Unruhen war dem König darüber Bericht.ibge-stattet worden, und ein königlicher Erlaß, worin jeder revolutionnaire Versuch mitder Anwendung der vollen gesetzlichen Strenge bedroht wird, war davon die FolgtEs erfolgte im Febr. die sehr ehrenvolle Entlassung des an der Spitze der deut-schen Kanzlei in London, eines wirklichen Thcils des hanöverischen Ministeriumsstehenden Grafen Münster, und die Ernennung des Herzogs von Cambridgezum Vicekönig von Hanover, ein Ereigniß, das um so lautern Jubel im Landeerweckte, je weniger die allgemeine Aufregung, ja selbst der Aufstand sich gegen denThron oder den König und die Glieder seines Hauses richtete, und je mehr der Her-zog durch freundliche Aufnahme der aus dem ganzen Lande zusammenströmendenBeschwerden anLiebe gewonnen hatte, wie es denn überhaupt bemerkenswerth ist, daßdie nationale Partei nur gegen die Beamten und den Adel ankämpfte. Eine dritteSendung an den König, durch höchst liberale Manner, hatte die Zusammenbcru-fung der allgemeinen Standeversammlung zur Folge, welche im Anfange desMarz 1831 eröffnet wurde. Die Eröffnung selbst geschah mit feierlicher Förm-lichkeit, wodurch die äußere Bedeutsamkeit des ganzen Instituts gewann. Öffent-lich hatte sich, als Wunsch des Landes, die Einführung einer zeitgemäßen Ver-fassung, Vereinfachung der Finanzverwaltung durch Vereinigung der Domainen-einkünfte mit dem Steuerschatze, Preßfreiheit und Amnestie für die Anstifter derrevolutionnairen Bewegungen, in welchen das Land Märtyrer seiner Sache zu er-blicken glaubte, ausgesprochen. Es machte daher einen Übeln Eindruck, daß inder Eröffnungsrede des Vicekönigs von all dem nichts enthalten war. Sie er-weckte nur wenige Hoffnungen, indem sie hinsichtlich der verhafteten Urheberdes göttinger Aufstandes auf den Spruch der Gerichte verwies, übrigens aberdas Petitionsrecht der Unterthanen anerkannte, in Rücksicht einer veränder-ten Verfassung die höchste Vorsicht empfahl> und die Beibehaltung des Zweikam-mersystems für nothwendig erklärte, eine verbesserte Wahl der städtischen Depu-taten, die Ablösbarkeit der gutsherrlichen Lasten und eine Theilnahme desBauerstandes an den Ständeverhandlungen zusicherte, an eine Erledigung desentworfenen neuen Strafgesetzbuchs erinnerte, von einer Verminderung derstädtischen und bauerlichen Abgaben durch höhere Besteuerung der befreiten Gcund-eigenthümer, von einer Herabsetzung der Personalsteuerbeiträge für die unternClassen, von Modift'cationen der Eingangssteuer zu Gunsten der inländischen Ge-werbe und von einer zu errichtenden Witwencasse für die Staatsdienerschaft re-dete, endlich aber von einem gleichen Anspruch auf Anstellung im Staatsdienstesprach. Mehr Hoffnungen als diese Thronrede erweckten diejenigen Worte, dieder Vicekönig am Eröffnungstage zu den Ständen sprach, und in welchen sich derredlichste Entschluß, in jeder Rücksicht Verbesserungen einzuführen, in würdigeraber herzlicher Offenheit aussprach.
Gleich beim Anfange der Sitzungen äußerte sich in der zweiten Kammer einbis dahin nicht gekannter Geist der Kraft und des Freimuthes, indem der Wunschnach einer zeitgemäßen liberalern Verfassung, nach Öffentlichkeit der ständischenVerhandlungen, nach geregelter Preßfreiheit, nach Vereinigung der Domanial-und Landescasse unter Feststellung einer königlichen Civilliste, kräftig ausgespro-chen und eine Empfehlung der Verhafteten in Celle an die Gnade des Königs inAutrag gebracht wurde. Aber gleich anfangs offenbarte sich der Widerstand derersten Kammer, welche den Grundsatz der Stabilität auf das Äußerste festhaltenzu wollen schien. Die dahin einschlagenden Beschlüsse der ersten Kammer, hin-sichtlich einer liberalern Verfassung und einer Vereinigung der Cassen, regten diezweite Kammer sehr auf, und vielleicht war es nur das Gerücht von einer Adresseder zweiten Kammer an den König, und einer freiwilligen Auflösung, oder Ver-weigerung der Steuerbewilligung, was die erste Kammer bewog, in die gemach-