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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
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Hambacher Fest

benpfeiffer ein Lied nach der Weise des Reiterliedes gedichtet, worin eine Strophelautete:

Was tändelt der Badner mit Gelb und Roth,

Mit Weiß, Blau, Roth, Baier und Hesse?

Di? vielen Farben sind Deutschlands Roth,

Vereinigte Kraft nur zeugt Größe.

Drum weg mit der Farben buntem Tand!

Nur eine Färb' und ein Vaterland!"

Dies war der Text der vielen Reden, die auf dem Berge gehalten wurden,nachdem man auf einem erhöhten Punkte die polnische und auf der höchsten Zinneder Burgtrümmer die deutsche Fahne aufgepflanzt hatte. Als einer der Festordner,Hepp aus Neustadt, gesprochen hatte, betrat Siebenpfeisser die Nednerbühne undentwickelte im Sinne seiner Einladung die Bedeutung des Festes, die er in dieWorte:Vaterland Freiheit ein freies deutsches Vaterland" zusammen-faßte, und nachdem er mit heftigen Worten die deutschen Zustande geschildert unddie deutschen Städte, die den Horizont des Landschaftsbildes einfaßten, mit bitternWorten verurtheilt hatte, brachte er ein Lebehoch jedem Volke, das seine Kettenbricht, der Volkshoheit und dem Völkerbunde. War unter dem Wortprunk seinerRede eine bestimmte und klare Ansicht von der laut verkündeten NationaleinheitDeutschlands nicht zu erkennen, so zeigte Wirth, der nach ihm sprach, wenigstensentschieden, wie er Deutschlands Reform ausgeführt sehen wollte, als er amSchlüsse seiner Rede, zum Bunde für des deutschen Volks Erweckung und Wie-dergeburt auffodernd, den vereinigten Freistaaten Deutschlands und dem consödc-rirten republikanischen Europa ein dreimaliges Hoch brachte. Bezeichnend warin seiner Rede die kraftige Verwahrung gegen Frankreichs eigennützige Einmi-schung in Deutschlands Angelegenheiten, wie sein Angriff gegen den Centralaus-fchuß des Preßvereins, dessen Bestrebungen er als unwirksam verwarf. Unter denanwesenden Franzosen erhob Einer seine Stimme, Frankreich gegen Wirth's Vor-würfe zu vertheidigen. Auch sprachen einige Polen, von welchen Einer das Festals den ersten Act der Mündigkeit des deutschen Volks bezeichnete. Unter abwech-selnden Reden, Gesängen und Trinksprüchcn *) wurde das Fest beschlossen, woraufdie beiden Fahnen, die polnische und die deutsche, dem Ältesten der Festordner zurVerwahrung übergeben wurden. Am folgenden Tage ward in Neustadt eine öf-fentliche Versammlung gehalten, welche sich über die Mittel berieth, den Zweckdes Festes zu sichern, und es wurde beschlossen, durch vereinigtes Streben die Preß-freiheit auf gesetzlichem Wege zu erringen, überall Abgeordnete der Versammlungzu ernennen, um in fortwährender Verbindung zu bleiben und auch an andern Or-ten ähnliche Versammlungen zu veranstalten. Alle Berichte von Augenzeugenstimmen darin überein, daß trotz der Aufregung, welche die entflammenden Worteder Redner unter der empfänglichen Masse hervorrufen konnten, das Fest ohneStörung und Ausschweifung vorüberging und bei der großen Mehrheit so vielerTausende das Festhalten an Recht und Ordnung als herrschende Gesinnung hervor-trat. Wie aber das Fest bedeutsam war als die Ankündigung einer Theilnahmean Gemeinsamkeit und volksthümlichen Angelegenheiten, wie man sie in Deutsch-land lange nicht erlebt, so war es auch wichtig in seinen nächsten Folgen. Derreine Gedanke, aus welchem das Fest ursprünglich hervorgegangen, konnte nichtunentweiht bleiben, als die politische Parteisucht ihn auffaßte und für ihre Zweckeihn auszuführen suchte. Schwere Schuld haben auch letzt wieder, wie vor 15Iahren, die Unbedachtsamcn auf sich geladen, die nicht sahen, wie die Reactionnur auf einen Vorwand lauerte, schwankenden Fürsten Besorgnisse einzuflößen

') S.Das Nationalfest der Deutschen zu Hambach" (T Hefte, Neustadt an >.crHaardt 183Z).