Hambacher Fest
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äußern Unabhängigkeit und ein gesicherter Rechtszustand im Innern. Die Ideeeiner politischen Nationaleinheit konnte nur insofern die Begeisterung beleben, alsman darin ein Mittel zur Erreichung jenes Zweckes zu erkennen glaubte. Wir er-innern uns, wie diese Idee, als man in Wien über die Neugestaltung Deutsch-lands Berathungen pflog, von der großen Mehrheit der kleinern deutschen Fürstenverfochten ward, und wie sie eine Vereinigung der deutschen Völker unter einemgemeinsamen Oberhaupt für die heilsamste Verfassung erklärte; aber wir vergessenauch nicht, daß auf diese Wünsche die damals schon begonnene Reaction gegen dieBegründung freier Staatseinrichtungen, der die Wiederherstellung der feudalisti-schen Reichsvcrfassung günstig schien, Einfluß hatte. Frühere Verabredungen zwi-schen den großen Machten setzten einer völligen Wiederherstellung des Alten un-übersteigliche Schwierigkeiten entgegen, und bei den Berathungen über die Gestal-tung der politischen Verfassung Deutschlands mußte den Ansprüchen der machtig-sten deutschen Fürsten, die an ihrer rheinbündischen Souvcrainctät festhielten, soviel nachgegeben werden, daß eine Vereinigung des gesummten deutschen Volkesim Sinne der altern Verfassung unmöglich wurde. Die Idee der deutschen Na-tionaleinheit blieb indeß in vielen Gemüthern lebendig, besonders unter dem jun-gem Geschlechte, das in dem Rettungskampfe gefachten und in der Begeisterungseiner gutmüthigen Hoffnung gesungen hatte: „Was ist des Deutschen Va-terland?" Je weniger die Gestaltung der Angelegenheiten Deutschlands die1813 ausgesprochenen Verheißungen erfüllte, je dreister die Reactionsparteiüberall das Alte zurückzuführen oder zu erhalten suchte, desto mehr Anklang fandjene Idee, selbst wo sie unklar hervortrat. Den historischen Standpunkt festhal-tend, lassen wir hier die vielbesprochene Frage unerörtert, wie eine politische EinheitDeutschlands bei den geschichtlich gegebenen Nationalverhältnissen gegründet wer-den könne *), und wollen nur andeutend die Ansicht bezeichnen, welcher sich dieunbefangene Erwägung zuneigen wird, daß jene Einheit nur ein kraftig ausgebil-deter, die äußere Unabhängigkeit und den innern Frieden sichernder Bund und dieBürgerfreiheit gewährleistende Einrichtungen der einzelnen Staaten herbeiführenwerden.
Die Erfahrung zeigte seit 1815 bald, daß der deutsche Bund, wie erdurch die erste Verfassungsurkunde und spätere ergänzende Beschlüsse gebildet war,die Hoffnungen der Deutschen nicht erfüllte, durch ihn einen völlig gesichertenRechtszustand, eine feste Bürgschaft für die Beförderung wichtiger materieller In-teressen zu erhalten, und man glaubte für die verlangte Nationaleinheit ein stärke-res Band suchen zu müssen, das nach der Verschiedenheit der politischen Grundan-sichten hier aus monarchischen, dort aus republikanischen Fäden gewebt wurde.Das Mittel, auf solche Richtungen sicherer als durch Preßbeschränkungen, poli-tische Inquisitionen und Centralcommissionen gegen vermeintliche Propagandenzu wirken, die Ausbildung der Verfassungen der Bundesstaaten im Geiste der1815 von den Fürsten selbst angekündigten Rechtsgcwährungen, wurde nichtüberall ergriffen, oder wo es geschah, lähmte die Reaction bald die volle Wirksam-keit der Gewährungen oder die Ausübung vertragmäßiger Rechte. Die neuesteGeschichte Deutschlands erklärt die Wirkung, welche die große Bewegung des Jah-res 1830 auf diejenigen Länder äußern mußte, wo jene Reaction eine krankhafteVerstimmung des Staatsorganismus erzeugt hatte. (Vergl. Deutschland.)Die Standcversammlungen in Baiern und Baden weckten 1831 ein kräftiges po-litisches Leben im südlichen Deutschland, als durch die Ereignisse der Zeit das ge-bundene Wort gelöst war, und was in einigen norddeutschen Staaten geschah,mußte unvermeidlich auf das südliche und westliche Deutschland zurückwirken. Die
') Geistreiche Blicke wirft auf diese Frage Theodor Mündt in der Sehnst:„Die Einheit Deutschlands in politischer und ideeller Entwickelung" (Leipzig 1L3L).
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