Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
320
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326 Halen

Rede zu sein schien. Der Streit der Parteien, an welchem viele ausgezeichneteManner, aber auch mehre verkappte Ritter, Anlheil nahmen, wurde sehr lebhaftund, ohne zahllose Aufsatze in Zeitschriften, wurden mehr als 30 besondereSchriften über diesen Gegenstand gewechselt. Nicht zu verkennen war hierbei dieFreude der Partei, welche den offenen Kampf scheuen muß und deshalb nur imFinstern kämpft. Ihren Einfluß wollte man in demLehrbuch des christlicheGlaubens" (Leipzig 1828) und in denPredigten in der Universitätskirche zuLeipzig 1827 29 gehalten" (Leipzig 1829) erkennen. In einen neuen Streitscheint sich H. durch das Sendschreiben an Bretschneider:Uber die Lage des Chri-ftenthums in unserer Zeit und das Verhältniß christlicher Theologie zur Wissenschaftüberhaupt, nebst einer Beilage: der St.-Simonismus als religiös politisches Sy-stem im Ausammenhange dargestellt" (Leipzig 1832), zu verwickeln; denn Bret-schneider hat bereits in der Schrift:Uber die Grundprincipien der evangelischenTheologie u. f. w." (Leipzig 1832), welche das Motto führt:Ich gebe ihnen dasAeugniß, daß sie eifern um Gott, aber mit Unverstand", auf eine Art geantwortet,die einen Angriff enthalt, welchen H. abwehren zu müssen scheint. (70)

Halen (Juan van) am 16. Febr. 1790 auf der Insel Leon geboren,ist der Sohn eines Hollanders aus Maestricht, der in der spanischen Marinesich bis zum Schissscapitain emporgeschwungen und eine Spanierin aus einer al-ten castilischen Familie geheirathet hatte. Für die Geschichte seines frühern Lebenssind die von ihm selbst ursprünglich spanisch geschriebnenNemoires (je I)»nluan van Halen" (2 Bde., Paris 1827, deutsch Stuttgart 1828) die ein-zige Quelle, welche, so geschickt der unterhaltende Stoff verarbeitet ist und sointeressante Mittheilungen sie darbietet, doch bei dem zweideutigen Lichte, inwelchem der Erzähler erscheint, nicht ohne strenge Kritik benutzt werden darf. H.kam früh in die Seeschule, wo er sich eifrig dem Studium der Mathematik wid-mete, und machte bereits in einem Alter von 16 Iahren zwei Kriegszüge zur See.Nach der Schlacht bei Trasalgar ward er Offizier. Er war in Madrid zur Zeit desAufstands gegen die eingedrungenen Franzosen, und schlug sich am 2. Mai 1808in den Straßen von Madrid an der Spitze eines Haufens, der ihn zum Anführer ge-wählt hatte. Später ging er zu dem spanischen Heere unter Blake und war unterder Besatzung von Ferrol, die sich nach der Schlacht bei Coruna den Franzosen erge-ben mußte. Er kam darauf nach Madrid und da sein Vater in die Dienste desKönigs Joseph getreten war, folgte er diesem Beispiele, wurde Offizier in derGarde und seitdem drei Mal mit geheimen Aufträgen nach Frankreich geschickt.Nachdem der König über die Pyrenäen zurückgekehrt war, begab sich H. nach Paris,wo er blieb, bis er, empfindlich über die Behandlung, die er von seinem ehema-ligen Gebieter erfuhr, wieder nach Spanien ging, um sich eine neue Laufbahn zueröffnen. Er suchte sie jedoch nicht in dem spanischen Heere, sondern wendete sichnach Barcelona, das von den Franzosen besetzt war, wo er sich die geheime Chiffredes Marschalls Suchet für den Briefwechsel mit den Festungscommandantenzu verschaffen wußte, mit welcher er in das spanische Lager entwich. Er benutztedie Chiffre, an die französischen Befehlshaber der Festungen Lerida, Mequinenzaund Monzon Befehle zur Räumung der ihnen anvertrauten Plätze auszufertigen,welche durch diese List in die Gewalt der Spanier fielen. Nur der kluge Befehls-haber von Tortona entging der Schlinge. H. wurde zur Belohnung Capitain.Nach seiner Erzählung hatten sich schon 1815, bald nach Ferdinands Rückkehr,geheime Verbindungen, besonders unter dem Heere, gebildet, deren Zweck dieWiederherstellung der Cortes war. Auch H. gehörte dazu, ward aber verdächtigund 1815 verhaftet. Der Verhaftsbefehl war, wie er sagt, untergeschoben, under wurde nicht nur freigelassen, sondern auch zur Entschädigung zum Oberstlieute-nant befördert. Er trat jedoch alsbald wieder in neue Verbindungen und war Vor-