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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
319
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Hahn 319

am 27. Mar; 1792 zu Großosterhausen, einem Dorfe unweit Eisleben, geboren,wo sein Vater, ein wegen seiner Lehre und seines Lebens allgemein geachteterMann, Schullehrer war, viel zu früh aber für die Familie schon 1800 starb.Der Pfarrer des Orts nahm sich des Hülflosen Knaben an, und bereitete ihn füreine höhere Schule so tresslich vor, daß H. 1807 sogleich in die erste Classe desGymnasiums zu Eisleben aufgenommen wurde. Sein Fleiß verschaffte ihm hiersehr bald Gönner, welche ihn auf mehrfache Weise unterstützten. Er bezog 1810die Universität Leipzig, um sich der Theologie zu widmen, und obgleich er, allerUnterstützung entbehrend, anfanglich mit dem bittersten Mangel kämpfte, soüberwand er doch, unter fortgesetzten eifrigen Studien, die böse Zeit, bis sich imzweiten Jahre seine Lage besserte. Als er 1814 die Prüfung in Dresden bestan-den, ward er Hauslehrer in Zeitz, wo er blieb, bis er am Reformationsfeste 1817in das vom König von Preußen gestiftete Predigerseminar zu Wittenberg aufge-nommen wurde. Mit Eifer widmete er sich von nun an der praktischen Theologieund predigte nicht ohne Beifall; allein dies entfremdete ihn nicht wissenschaftlichenForschungen. Er las die Werke des Syrers Ephraem, entdeckte in dessen Gedich-ten die syrischen Metra, fand in den historischen Schriften desselben noch unbe-kannte Aufschlüsse über die Lehre mehrer persischen Parteien, welche die Kirche Sy-riens beunruhigt hatten, und immer tiefer führten ihn die nöthigen Vergleichun-gen in das Studium der Kirchenväter. Auf Anregung des Cultusministeriumsward er veranlaßt, sich der akademischen Laufbahn zu widmen, und erhielt schon imAugust 1819 den Ruf als außerordentlicher Professor der Theologie nach Königs-berg. Seine bisherigen Studien gaben ihm den Stoff zu seiner Habilitationsdispu-tation:Lurtiesunes (^nosticus, 8^rorum primus d^mnoloFus" (Leipzig 1819),und auch bei andern akademischen Veranlassungen nahm er Gelegenheit, seine For-schungen über Marcion in verschiedenen Schriften mitzutheilen. Er ward 1820 Su-perintendent in Königsberg, eine bedenkliche Krankheit aber nöthigte ihn schon 1821um seine Entlassung vom geistlichen Amte zu bitten, worauf er als ordentlicher Pro-fessor in die theologische Facultät einrückte. H. widmete sich nun ganz seinem akademi-schen Lehramte, gabDas Evangelium Marcion's in seiner ursprünglichen Gestalt"(Königsberg 1823) und mit dem jetzigen Professor Sieffert die (llrrestomatllins^riaca sive 8. Lpstruemi carmins selectn" (Leipzig 1825) heraus. Er nahm 1820den Ruf als ordentlicher Professor der Theologie nach Leipzig an, dessen er, als einin moralischer wie in wissenschaftlicher Hinsicht gleich ausgezeichneter Mann, voll-kommen würdig war. H. hatte sich seither streng rechtgläubig gezeigt, und, wieman bei seiner anerkannten Redlichkeit annehmen mußte, aus Ueberzeugung. SeinFesthalten am System des strengen Supernaturalismus war die Folge harterSchicksalsschläge, seiner theils angeborenen, theils durch Entbehrungen aller Arterzeugten Kränklichkeit, und endlich des ausschließenden Umgangs mit würdigen,diesem Systeme eifrig ergebenen Männern. Wer möchte im Allgemeinen undwer hätte insbesondere H. wegen dieser Ansichten anfeinden sollen? Da schrieb erdie DisputationDe ratioualismi, hui ckicitur, vera imlole, et cum na-turalismo contmeutur ratione" (?. 1, Leipzig 1827), welche eine Wir-kung hatte, wie sie der Verfasser ohne Zweifel nicht ahnen mochte. Als Super-naturalist wollte er die Andersgesinnten zum Bewußtsein über den Standpunkt,welchen sie, bewußt oder unbewußt, selbst genommen hatten, bringen und die stilleFrage an sich selbst in ihnen veranlassen, welche Schritte sie nun, in richtigerFolge und nach dem Urtheile des eignen Gewissens, weiter zu thun hätten. Alleindie Art und Weise, wie dies geschah, fand allgemeine Mißbilligung, zumal alsH. bald darauf die Schrift:An die evangelische Kirche, zunächst in Sachsenund Preußen, eine offene Erklärung" (Leipzig 1827), erscheinen ließ, worin voneinem Verdammen und Ausstoßen der Rationalisten aus der christlichen Kirche die