Gymnasiale sen
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Bedürfnissen anders angewendet und mit neu erfundenen Hülfsmktteln erwekteltund vervollkommnet worden. So bleiben mit Recht und auf gut historischemGrunde die Sprachen der Griechen und Römer die Grundlage der Gelehrtenbil-dung ; und weil sie nur aus den besten Schriftstellern derfclben gründlich erlerntwerden können, und diese wiederum die ersten und in Form und Wesen die vor-züglichsten Lehrer aller Wissenschaft und Kunst sind, und alles Lernen sich erst inder Anwendung bewahrt, so ist mit dem Lesen derselben das Studium der Sprachean sich, als die erste Logik, und die Regeln der Dichtkunst und der Beredtfam-keit, sowie die historische Erforschung der Fortschritte des Menschengeschlechts inEntwickelung seiner religiösen Ansichten und Meinungen und in Begründung sei-ner bürgerlichen Einrichtungen, unzertrennlich verbunden. Es ist also nicht bloßGrammatik in todter Form, sondern die Sprache in ihrer blühenden Lebendigkeitund die Alterthumskunde überhaupt, die wir aus den schönen Vorbildern allerSprachen lernen, welche das Gymnasium lehren soll. Dadurch erleichtert undbegründet es auch die genauere und tiefere Kenntniß der Muttersprache, die demnun an Nachdenken über Sprache und ihre Gesetze und Schönheiten gewöhntenGeiste nicht mehr als eine leichte Gewohnheit, die man ohne Schaden vernach-lässigen könnte, sondern als ein Heiligthum erscheint, an welchem man sich vielweniger als an denen der Vorzeit versündigen darf, und die zu eben der Vollkom-menheit, zu derselben Anmuth der Form und des Ausdrucks zu bringen, dieman in den Meisterwerken des Alterthums bewunderte, ein vorzüglicher Gegen-stand des Strebens für Geist und Gemüth, und für die sich geistig fühlende Ju-gend eine Aufgabe der erwachenden Vaterlandsliebe wird. Die zweite Bildnerindes jugendlichen Geistes neben der Sprache ist die Mathematik, die Wissenschaft,welche in den beiden Formen alles menschlichen Denkens, dem Raum und derZeit, folgerecht und mit unabänderlicher Bestimmtheit vorschreitet, und durchdas Erlernen und die Übung selbst dem Verstände Festigkeit und Ruhe und da-durch allem geistigen Schassen und Wirken Gesetzmäßigkeit gi'et, sodaß der inbeiden, in Sprachen und in Mathematik, Geübte durch diese ebenso sehr vorleichtsinnigem Schwanken und gedankenlosem Herumirren, als durch die Lebendig-keit jener vor steifem Formwefen und geistiger Erstorbenheit bewahrt werden kann.Das Werk tüchtiger Lehrer ist, durch lebendigen Unterricht und geschickte Leitungbeide zur Anwendung zu bringen, die Sprache in Rede und Gedicht und in münd-lichem Vortrag, die Mathematik zu der Erdkunde, Naturlehre und den prakti-schen Ausführungen, welche durch die Grenzen des Schulunterrichts und dieHülfsmittel der Anstalt gestattet werden. Vergl. Drobisch's „Philologie und Ma-thematik als Gegenstande des Gymnasialunterrichts betrachtet, mit besonderer Be-ziehung auf Sachsens Gelehrtenschulen" (Leipzig 1835), und Richter's „Lehrbuchder Rhetorik für die obern Classen der Gelehrtenschulen" (Leipzig 1832).
Was wir bis jetzt über den Umfang und die Grundlage des Gymnasial-unterrichts gesagt haben, ist in den Schriften unserer erfahrensten und gelehr-testen Erzieher weiter ausgeführt und begründet worden. Bei dem lebendigenStreben, das vorzüglich Deutschlands Lehrer beseelt, und dem Wetteifer dereinzelnen Staaten des in Sprache und Wissenschaft ungetrennten Gefammtvater-landes ist es nicht möglich, alle Stimmen zu nennen, die für die gemeinschaft-liche Sache gesprochen haben. Wir führen aus der großen Menge guter Schrif-ten folgende an: Wiß, „Melanchthon, oder Encyklopädie und Methodologie derGymnasialstudien, mit der nöthigsten Literatur" (Lemgo 1830); Derselbe, „Diehöhere Humanitätsbildung in ihren Hauptstufen" (Rinteln 1829); Kirchner,„Über den Organismus des öffentlichen Unterrichts an Gelehrtenschulen" (Stral-sund 1821); Hanhart's „Reden und Abhandlungen pädagogischen Inhalts" (Win-terthur 1824); Desselben „Blätter zur Belehrung und Erbauung für Jünglinge