GutsMuths
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der Schlacht bei Jena schwere Drangsale zu erdulden, und nach dem Beitritte zumRheinbünde mußte seit 1808 der Fürst, wie mehre kleinere Bundesfürsten, sein(Kontingent, das zuerst nach Spanien geschickt wurde, mehrmals erganzen. ImNov. 1813 entsagte er dem Rheinbünde und nahm alsbald Theil an demKampfe gegen Frankreich. Nach der Stiftung des deutschen Bundes gelang esdem Fürsten, die lastigen Lehnsverhältnisse, in welchen das Land früher mit densachsischen Hausern stand, durch einen Vergleich mit Preußen, das durch die Erwer-bung von Thüringen in dieRechte des Königreichs Sachsen getreten war, völligzu lösen. Für die innere Verwaltung wuroe, besonders seit dem Frieden, durch diepersönliche Mitwirkung des Fürsten viel Erfreuliches geleistet. Die Verbesserungenin kirchlichen Angelegenheiten/Iben welchen vorzüglich der Superintendent Canna-dich wirkten, wurden mehr durch vorbereitende Belehrung eingeführt als durch Ver-ordnungen befohlen', und sie haben viele wohlthätige Früchte für das kirchliche Le-ben in dem kleinen Lande getragen. Wie 1821 aus dem Kirchengebete die her-kömmlichen Titel des Fürsten und alle belobenden Beiwörter entfernt wurden, soward auch der Wortschwall des steifen Kanzleistyls verbannt und die Sprache derGerichte gereinigt. Die Rechtspflege wurde verbessert, die Finanzverwaltung stren-ger Aufsicht unterworfen und der Staatshaushall so gut geordnet, daß die Landes-schulden, die sich (mit Ausschluß der Kammerschulden) 1815 auf mehr als 273,000Thlr. beliefen, nach zehn Jahren bis auf ungefähr 45,000 Thlr. getilgt waren. Aufdie Verbesserung der Landwirthschaft wirkte das Beispie! der musterhaften Bewirth-schaftung der Kammergüter. Die Geschlechtsvormundfchaft der Frauen wurde 1820aufgehoben. Die neue Gesindeordnung zeichnete stA) vor den Gesetzen vieler andernLander aus. Für die Verbesserung der Schulen, die schon vor dem Kriege begonnenhatte, wurde in neuern Zeiten durch die Errichtung einer Schulcommission gesorgt.Die Armenpflege wurde seit 1820 durch Anlegung von Armencassen in allen Ge-meinden erleichtert. Die Waisen wurden den Waisenhausern entnommen und inFamilien untergebracht. Wie der Fürst schon in iüngern Jahren gern an Volks-festen Theil nahm, so verlor sich auch nach seinem Regierungsantritte diese Nei-gung nicht. Als er spater Geschmack am Schauspiel gewann und 1815 ein Hof-theater errichtete, brachte er den Bewohnern seiner Hauptstadt nicht unbedeutendeOpfer und gab sogar 1819 den Eintritt in das-Theater ganz frei. Die Populari-tät des Fürsten und Alles, was für die Verbesserung der Verwaltuug, freilich nurlangsam fortschreitend und im Einzelnen geschehen war, hatten doch das Gefühlder Unbehaglichkeit in dem Volke nicht ganz unterdrücken können. Auch hierzeigte sich die Bewegung, die 1830 Deutschland erschütterte, in einzelnen Schwin-gungen, und wenn der Fürst es für nöthig hielt, den Beamten eine zeitgemäßeFreundlichkeit zu empfehlen, fo ließ sich daraus schließen, daß besonders auch gegensie Beschwerden sich erhoben hatten. Die Hauptursache der Unzufriedenheit aberlag in dem Mangel einer landständischen Überwachung des Staatshaushalts;und es waren die Bürger zu Arnstadt, die im Sept. 1830 jener Unzufrieden-heit Worte gaben. Der Fürst machte darauf bekannt, daß er, eingedenk seinesfürstlichen Wortes und seiner bei dem Eintritt in den deutschen Bund übernomme-nen Verpflichtungen, beschlossen habe Landftände zu bilden und alsbald zusam-menzuberufen. Im Nov. 1830 verfügte eine Verordnung die Ausarbeitungdes Entwurfs einer Verfassungsurkunde. Der dargebotene Entwurf genügtenicht den Erwartungen, die jene Erinnerung an die 15 Jahre früher übernom-menen Verpflichtungen erwecken mußte, da den Standen keineswegs die Rechtegewahrt wurden, welche die damaligen Verhandlungen als das Mindeste bezeich-neten, das Landstanden gewahrt werden sollte.
GutsMuths (Johann Christian Friedrich), geboren am 9. Aug. 1759zu Quedlinburg, kam, nach sorgfältiger Vorbildung im häuslichen Kreise, auf dasConv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. II. 120