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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
302
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302 Gündter

verlangt und jeden Vorsteher derselben zur Mittheilung zweckmäßiger Verbesserun-gen aufgefodert. Auch hat er bereits den Unterrichtsanftalten in mehren Depar-tements Unterstützungen angewiesen und für die Anstellung geeigneter Lehrer ge-sorgt. Auf seinen Vorschlag wurde Matter, ein Protestant, Inspektor der Aka-demie zu Strasburg, zum General-Studiendirektor ernannt und mit der Re-daktion einesNanuel FenersI 6e ^Instruction primsire" beauftragt. Dasgrößte Aufsehen, und wie es zu erwarten war, den größten Tadel, hat die aufG.'s Bericht vom König am 26. Oct. 1832 ausgesprochene Wiederherstellungder von Napoleon 1803 (3. Pluviose I. XI) aufgehobenen fünften Classe desInstituts, der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften, erregt.Die alte Zahl (30 Mitglieder) und die Abtheilung derselben in die fünf Sectio-nen der Philosophie und Moral, Gesetzgebung, Staats-und Privatrecht, politi-sche und statistische Ökonomie, allgemeine und philosophische Geschichte, wurdeaufs Neue festgesetzt. Hierdurch hat das neue Ministerium sich ebenso wol neueFreunde und AnHanger erworben als auch die Zahl seiner Gegner vermehrt. ImNov. wurde G. von den Wahlmännern zu Lisieux mit bedeutender Majorität zumDeputirten wieder erwählt. (7)

Gündter (Johann Georg), wurde am 11. Sept. 1766 zu Altmannfteinbei Abensberg geboren und starb 1832 als Galeriedirector zu Augsburg. SeinVater war ein geschätzter Bildhauer und schickte ihn nach Regensburg, um ihnzum Maler bilden zu lassen, später aber nach München. In seine Heimath zu-rückgekehrt, fand er anfanglich eine lohnende Beschäftigung bei den Glasmalern,da die augsburgischen Kaufleute einen lebhaften Handel mit Glasmalerei nachverschiedenen Landern, besonders nach Spanien trieben; als aber der Krieg mitFrankreich diesen Handelsverkehr hemmte, gerieth G. in eine bedrängte Lage.Genöthigt, nach einem neuen Erwerbszweige zu trachten, beschäftigte er sich mitder Wiederherstellung verdorbener Gemälde, deren Zahl durch die ausgewander-ten Franzosen zu jener Zeit in Deutschland sehr vermehrt ward. Er kannteindeß weder die Schriften über das Technische seines neuen Faches, noch stand erin Verbindung mit gefälligen und neidlosen Berufsgenossen und war ganzlich ausseine eign» Erfindungskraft beschrankt. Unermüdet im Nachforschen und in Ver-suchen, die er anfanglich mit unbedeutenden Bildern anstellte, ward er nach undnach mit den zuverlässigsten Restaurationsmitteln und mit dem sichersten Verfah-ren bekannt, und sein Eifer erweckte die Aufmerksamkeit naher und entfernterKunstfreunde, zumal da er bei der Errichtung der Gemäldegalerie zu Augsburgmehre ausgezeichnete aber sehr beschädigte Bilder tresslich hergestellt hatte. Erwurde 1808 als Restaurator bei der Galerie angestellt. Seine Sorgfalt wurdebesonders auf die, aus den secularisi'rten Klöstern in Augsburg an die Galerie ab-gegebenen trefflichen Bilder aus der altdeutschen Schule gewendet, welche, wiedie Werke von Hans Burgkmair, den beiden Holbein und Alttorfer, ungemeingelitten hatten. Der Kurfürst Clemens WenceslauS von Trier ließ seine Samm-lung von mehr als 40 Gemälden des berühmten Dietrich, die später in den Be-sitz des Prinzen Mitregenten von Sachsen gekommen ist, durch G. wiederherstellen,und der König Maximilian berief ihn 1816 nach Schleißheim und spater nachMünchen, um beschädigte Gemälde durch ihn erneuen zu lassen. Er ging 1817

nach Heidelberg, wo er einige der vorzüglichsten Bilder der trefflichen Sammlungder Brüder Boisseree wiederherstellte. König Ludwig, der später diese Sammlungkaufte und als Privateigenthum, von dem Staatsgute gesondert, in Schleißheimaufstellen ließ, ernannte G. 1829 zum Inspektor der Galerie zu Augsburg. G.hinterließ eine Sammlung von Gemälden, deren Verzeichniß sein Sohn, derGalerieinspector zu Schleißheim ist, 1832 zum Behuf der Versteigerung dru-cken ließ.