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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
301
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Guizot und die Doctrinaires 391

Zun. 1832) die öffentliche Meinung gegen sich hatte, neu gebildet werden. Hiergab es nun zwei Combinationen für die neue Zusammensetzung desselben, umdie Majoritatin den Kammern zu erhalten: entweder die Verbindung der Doctri-naires mit Dupin d. Ä., welcher nebst seinen Freunden, Berenger und Bignon,eine Mittelpartei zwischen den sogenannten Doctrinaires und der äußersten Lin-ken bildet, oder die Dupin's mit Odilon-Barrot, wenn man nicht den Letzternnebst d-en Wortführern des Oompte rendu (f. Frankreich) an die Spitze der Ver-waltung stellen wollte. Da aber der Marschall Soult, bei der drohenden Stel-lung, die Frankreich gegen Holland annahm, an die Spitze des Ministeriumsgestellt wurde, so weigerte sich Dupin, welcher dem Marschall Soult und nochmehr G. (man sagt, aus literarischer Eifersucht) persönlich abgeneigt zu seinscheint, beharrlich in ein Ministerium zu treten, wo er die Vertheidigung der vonihm gemisbilligten Maßregel des 7. Zun. hätte übernehmen müssen. Ebensowenig konnte sich der König entschließen, durch eine Annäherung zur linken SeiteOdilon-Barrot zu wählen und das System vom 13. März aufzugeben. Eswurde daher durch die Ordonnanz vom 11. Ott. 1832 das gegenwärtige Mini-ste.rium gebildet, von welchen eigentlich nur vier Mitglieder zu der sogenanntenDoctrine gehören: der Herzog von Broglie (Minister des Auswärtigen), welcher,wenn er nicht G. zum Collegen erhielte, in das Ministerium zu treten sich geweigerthatte, Humann (Minister der Finanzen), Thiers (Minister des Innern, eigentlichder Polizei), und G., welcher aber nur das Ministerium des öffentlichen Unterrichts,weil er als Protestant den Cultus nicht verwalten sollte, erhielt. Die Culte wurdeneine Abthcilung des Justizministeriums unter Barthe. Das Unterrichtsministe-rium umfaßte jetzt nach der Ordonnanz vom 12. Oct. folgende Attributionen: daskönigl. Institut von Frankreich, das Museum der Naturgeschichte, das Oollegsdelnmce, die öffentlichen Bibliotheken, die Akademien und literarischen Socie-taten, die Ltabllssemeris dritunuiczues, die Lcole de cllurtes, das Depotde 8te.-(3enevieve, die encour<rz;emen8 und sullscriptious littermres etscieutiüyues, die Schule der orientalischen Sprachen und die übrigen noch be-stehenden bisherigen Attributionen. Das neue Ministerium wurde nun von allenJournalen der Opposition auf die leidenschaftlichste Weife angegriffen. DerRemps" nannte die Erhebung der Doctrinaires einen Staatsstreich gegen dieöffentliche Meinung. Man stellte sie dem Ministerium Polignac gleich! Ei-nige machten es sogar dem Könige zum Vorwurfe, daß er einen Protestanten andie Spitze des öffentlichen Unterrichts gestellt habe! G. aber warf man vor, daßer ehemals Censor und Theilnehmer an mehren Rückschritten der Restaurationgewesen sei, daß er das Quasilegitimitatsprinckp aufgebracht und, um seinefrühere Verwaltung in Schutz zu nehmen, den Satz aufgestellt habe, daß dieMacht nicht anders als unpopulair sein könne. So erhob sich ein allgemeinerFederkrieg gegen die Doctrinaires, die man den Jesuiten gleich stellte und demöffentlichen Hasse preis gab. Ob nun Frankreich durch die Erbitterung des ge-täuschten Ehrgeizes oder durch die Angriffe eines maskirten Republikanismussich bestimmen lassen wird, dem jetzigen Ministerium die allerdings sehr zweifel-hafte Majorität in der nächsten Sitzung der Kammern zu entziehen, oder ob esder Regierung gelingen wird, durch eine thätige und kräftige Leitung der innemund äußern Angelegenheiten, insbesondere durch die Herbeiführung entscheidenderund glänzender Ereignisse, jene Majorität zu gewinnen, wird sich bald ergeben.Bis jetzt hat wenigstens G. ein frischeres Leben in das sehr vernachlässigte UnterrichtsWesen zu bringen gesucht, wie sein Rundschreiben an die Vorsteher der Akademien be-weist, nach welchem er, Cousin's Borschläge zu Reformen benutzend, den Volrsuntcr-richt auf die sittliche Bildung, diese aber auf die religiöse Grundlage zu stellen beabsich-tigt; zugleich hat er genaue Berichte über den Austand aller Unterrichtsanstalten