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Guizot und die Doctrinaires
von Broglie Minister des Cultus und des Unterrichts, zugleich Präsident desStaatsraths; Guizot Minister des Innern; Louis Finanzminister; Graf MoleMinister des Auswärtigen; Gen. Sebastiani Marineminister. Lassitte, CasimirPe'rier, Dupin d. Ä. und Bignon wurden ohne Portefeuille Mitglieder desMinisterrats. Sowie seine Collegen veränderte auch G. das Personal seinesMinisteriums. Von 86 Präfecten wurden 76, von 277 Unterpräfecten 19ffvon 86 Generalsecretairen 53, und von 315 Präfecturräthen 127 entlassen,weil sie der neuen Ordnung nicht ergeben sein konnten. Diese und die übrigenVeränderungen in dem Dienstpersonal zeigte G. der Kammer an in seinem merk-würdigen Bericht vom 13. Sept. über den Gang der Verwaltung seit dem 1l.Aug. 1830. Gleichwolfuhr die Opposition fort, die Grundsätze und die Absich-ten des Ministeriums zu verdächtigen und anzugreifen; insbesondere wurde derAusdruck Huasile^itimite, durch welchen G. die Legitimitätsfcage mit LudwigPhilipps Thronbesteigung zu vermitteln glaubte, dem Minister und den Doctri-naires zum bittem Vorwurfe gemacht. Der Konig änderte daher durch die Or-donnanzen vom 2. und vom 18. Nov. 1830 sein Ministerium auf eine Art ab,daß das doctrinaire System seinen Einfluß großentheils verlor und die Grundsätzeder Iuliusrevolution mehr in den Vordergrund traten. Der Herzog von Broglie,Louis, Guizot und Gerard wurden entlassen; Dupont blieb Justizminister, Laf-sitte wurde Präsident des Ministerrathes und Finanzminister. Der Graf Monta-livet, Pair von Frankreich, erhielt das Ministerium des Innern, der MarschallSoult das Kriegsministerium, Graf Sebastiani das Auswärtige, der StaatsrathMerilhou den öffentlichen Unterricht, den Cultus und den Vorsitz im Staatsrats,Graf d'Argout die Marine. (Vgl. Frankreich seit dem 1.1829.) Von jetztan nahm G., als Deputirter von Lisieux (Departement Calvados), in der Kammer,wo er auf der linken Seite saß, an allen wichtigern Verhandlungen über die In-nern und die äußern Angelegenheiten lebhaften Antheil. Er vertheidkgte und ent-wickelte ebenso gründlich als beredt die bisher von der Regierung befolgten Grund- ^sätze und die von ihr genommenen Maßregeln. Als späterhin, seit dem 13. März
1831, Cas. Perier an die Spitze des Ministeriums, Lafsitte aber in die Opposi-tion getreten war, schloß G. sich an das System der richtigen Mitte und des Frie-dens an, mußte jedoch mehrmals den Vorwurf hören, daß er während seinesMinisteriums die flüchtigen Spanier mit Geld unterstützt und dadurch die Plane
der jetzt von ihm bekämpften Propagandisten selbst mit befördert hätte. Bei derwichtigen Frage über die Erblichkeit der Pairie, stimmte er, wie Thiers und Hu- !mann, und wie der Herzog von Broglie in der Pairskammer, mit der Minorität,wobei die von ihm unterstützte Erblichkeit nur 80 Stimmen erhielt. Indem G. sobei jeder Gelegenheit mit Kraft und Muth für das Ministerium in die Schrankentrat, entfaltete er ein rednerisches Talent, vielleicht das größte, welches Frank-reich gegenwärtig besitzt, das ebenso sehr die Bewunderung seiner Freunde, alsdie Eifersucht der Gegner und den Haß der Bousingots (Republikaner) erregte, dienunmehr in ihm die ganze Schule (clcxttrme) lächerlich zu machen suchten.Allerdings muß man ihnen zugeben, daß G., des berühmten Royer-Collard be-rühmtester Schüler, in seinen öffentlichen Reden Das, was man seine Metaphy-sik nannte, bisweilen sehr zur Schau darlegte. Nach Perier's Tode mußte dasMinisterium, welches seit der Erklärung von Paris in Belagerungszustand (/.
*) Die provisorische Regierung, welche aus den Generalen Lafayctte, ^ Geraldund dem Herzoge von Choiseul bestand, hatte am 3V. Jul. provisorisch die iUzm-sterien auf folgende Art vertheilt: Herzog von Broglie Minister des Innern;zot Minister des öffentlichen Unterrichts; Bignon Minister des Auswärligen; u -miral Truguet Marine-, Dupont Justiz-, Louis Finanz-, und Gerard äcricg--minister.