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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
297
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Guizot und die Doctrinaires 297

eine hinreichende Zahl von Professoren, um den akademischen Cursus 1833eröffnen zu können. Darauf erhielt er im Nov. desselben Jahres die einzigeBelohnung für so große Opfer und so edle Bemühungen: der König ernannteihn zum Archonten oder Kanzler der Universität Korfu. Diese Universität hataußer einem Rector und einem Bibliothekar 16 Professoren. Die Erlaubnis denöffentlichen Vorlesungen und dem Unterrichte in der englischen Sprache beizuwohnen,wird umsonst ertheilt. Der Studirende hat also bloß für seine Lebensbedürfnissezu sorgen. Bald stieg die Zahl der Studirenden von 46 im ersten Jahre auf8? im zweiten, auf 311 im dritten (1836), und seitdem hat sie noch mehr zu-genommen. Hundert davon sind Korsioten. Auch die Errichtung der Univer-sitätsbibliothek ist eine von den Wohlthaten G.'s; er selbst stattete sie mit denersten Büchern aus, und die Hälfte ihres Bestandes von 9006 Bänden warsein Geschenk. Später ist sie durch wichtige Werke vermehrt worden, welche ihrdie beiden englischen Universitäten in Indien, der König von Dänemark, der GrafMocenigo von der Insel Zante u. A. überschickt haben. G. machte ihr kurzvor seinem Tode ein neues Geschenk mit 8000 Banden und 3000 Handschrif-ten, von denen sich die meisten auf die neuere Geschichte, seit dem 13. Jahr-hunderte bis jetzt, beziehen. Gegenwärtig zählt die Bibliothek an 30,000 Bändeund steht dem Publicum offen. G. starb den 14. Oct. 1837 in London, woer einige Monate sich aufgehalten hatte; dem Herzen und der Gesinnung nachwar und blieb er stets einer der ersten Bürger Joniens. Reichgebildet an Geist,edel und freisinnig, nachsichtig und wohlwollend im Umgange, freigebig mit Über-legung, war er die Freude und der Stolz seiner Freunde. Seine Adelswürde, dieer nach dem Tode seines ältern Bruders 1817 erbte, ist seinem Vetter, FrancisNorth, Präbendar von Winchester, dem ältesten Sohnej des verstorbenen DoctorNorth, Bischofs von Winchester, nebst einer Jahresrente von 18,000 Pf. St.zugefallen. (7)

Guizot und die Doctrinaires. Guizot (Francis), geborenden 4. Oct. 1787 zu Nismes, einst Unterstaatssecretair des Innern im Ministe-rium Decazes, dann im Aug. 1830 und Oct. 1833 Staatsminister, einProtestant, hat seit der Juliusrevolution eine publicistische Berühmtheit er-langt. Er wird als das Haupt der sogenannten Doctrinaires (f. Bd. 3),wie 1830 von demäourual 6es ckebuts", so jetzt von den Oppositionsblät-tern mit Erbitterung verfolgt. *) Diese verbinden nämlich mit jenem Worteeinen Begriff, der das ganze Ministerium vom 11. Oct. 1833, zu welchem G.als Minister des öffentlichen Unterrichts gehört, gehässig und verächtlich machenoder stürzen soll. Die0la2ette <!e ?rance" bezeichnet die Doctrinaires als Män-ner, die sich zwischen die beiden Principien des Königthums und der Freiheit ge-,schlichen haben, um ein System aufzustellen, das von beiden etwas an sich tragt,ohne weder das eine noch das andere zu sein. Nach demOourrier trau^ais" solldie doctrinaire Partei ihre Jntriguen schon zur Zeit der Emigration begonnen undsie mit verschiedenem Erfolge unter dem Consent, dem Directorium, dem Con-sulate und dem Kaiserreiche fortgesetzt haben; unter der Restauration sei siedurch die Ermordung des Herzogs von Bern gestürzt worden; sie habe jedoch

*) Man verstand 1322 fg. unter Doctrinaires die unabhängigen und unbestech-lichen Freunde der Negierung, welche Monarchie und Demokratie vermitteln wollte.Sie gehörten in der Dcputirtenkammer zum linken Ccntrum. Ihr Haupt war da-mals Royer - Collard; außer G. wurden zu ihnen gerechnet: Barante, Ter-naux, Benjamin Delessert, Sebastian:', Devaux, Abb6 Louis, St.-Aulaire, Ga-nilh, Lacroix Frainville, Guittard, Bcugnot und Andere. Da die Reden Royer-Collard's und seiner Freunde durch ihre scharfe Dialektik und eine Art von Schul-meisterten sich auszeichneten, so gab der witzige Etienne, der damals denSonst!-tutwnnel" redigirte, ihnen den Namen der Herren von der Doctrine.