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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
292
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2SZ Grundtvig

Grundtvig (N. F. S.), geboren 1783 l'n Seeland, war erst ratio-nalistischer Theolog, trat aber später, noch im jugendlichen Alter, als Versich- 'tcr der strengsten Orthodoxie auf. Als Schriftsteller und als Prediger ist er di?- isec Richtung durch ausgezeichnete Geistesgaben, große Kraft und eine gewisseschwärmerische eindringende Beredsamkeit seitdem sehr thätig gefolgt. Ohne tiefgelehrte theologische Kenntnisse zu befitzen, ist er doch auch in dieser Hinsicht einwissenschaftlich kundiger Mann, befugt über Gegenstände solcher Art zu sprechen.

Daß sein Eifer ungeheuchelt, daß er in seinen rein-menschlichen und bürgerlichenVerhältnissen ein Mann von christlicher Rechtschaffenheit, unbescholtenem Rufeund friedliebendem Betragen ist, daß er nur nach inniger Uberzeugung handeltmöchte zwar das Urtheil hinsichtlich seiner schonungslosen literarischen Angriffsseiner leidenschaftlichen und unbesonnenen Polemik mildern, ein solches Verfahren !aber nicht rechtfertigen können. Seine erste theologische Schrift war eine Predigt(1810):Hvi er Herrens Ord focsvundet af Hans Huus?" (Warum ist das iWort des Herrn aus seinem Hause verschwunden?), die großes Aufsehen unterGelehrten und Ungelehrten erregte und auch verdeutscht ward. G. wurde 1822 inach Kopenhagen als Prediger bei einer der Stadtgemeinden gerufen. Schonfrüher, und ehe er noch ein Pfarramt in einer kleinen Stadt Seelands angetre-ten hatte, ließ er sich in den Kirchen der Residenz vor zahlreichen Versammlun-gen hören. Als Clausen (Professor der Theologie an der Universität Kopen-hagen) seine Schrift:Catholicismens og Protestantismens Kirkeforfatning:c"(Die kirchliche Verfassung, die Lehre und der Ritus des Katholicismus und Pro-testantismus) 1825 drucken ließ, gab G. sogleich eine Flugschrift heraus, woriner ihn wegen nicht-orthodoxer Auffassung der protestantischen Lehre auf eineWeise angriff, welche Clausen nöthigte, den Angreifer gerichtlich zu belangen.Das Urtheil in erster Instanz siel gegen G. aus; er appellirte jedoch nicht, wurdedagegen auf sein Gesuch vom Predigeramte entlassen und schien zugleich vonseiner literarischen Thätigkeit sich ganzlich zurückziehen zu wollen, was jedochnicht geschehen ist. Andere Gegnw traten indeß statt seiner gegen Clausenhervor, wie Rudelbach und Lindberg. G.'s frühere, theils religiöse, theilsliterarische und politische Streitigkeiten, zu welchen er während verschiedenerwissenschaftlichen Studien, mitunter auch der neuern Philosophie, besondersaber der nordischen Geschichte und Alterthümer, sich häusig veranlaßt fand, über-gehen wir hier, können aber seinen 1812 herausgegebenenKort Begrcb afVer-dens Krönike" (Kurzer Begriff der Weltchronic), der in mancher Hinsicht aucheine polemische Tendenz hatte, nicht unerwähnt lassen. Seine Forschungen inder altnordischen Literatur sind wichtig und sehr verdienstlich. Von seinerNor-dischen Mythologie" (1808) hat er jetzt eine neue umgearbeite und vermehrteAuflage angekündigt. Seine Übersetzung der dänischen Geschichte des SaxoGrammaticus und der norwegischen Geschichte des Snorro Sturlesen (ausdem Isländischen, ist keine Übersetzung im gewöhnlichen Sinn, sondern als einenicht selten höchst geniale Umschreibung in eine kraftvolle, oft aber auch niedrigeund weitschweifige Volkssprache zu betrachten. Als hochbegabter Dichter zeich-nete G. sich durch Gedichte theils über nordische, theils über andere Gegenstandeaus und fand viel Beifall. Berühmt sind unter Anderm feine größern Dichtun-gen:Optrin af Kaempelivcts Undergang i Norden", und:Roeskilde-Rüm"die eine Scenen aus dem altnordischen Heldenleben, die andere poetische Erinne-rungen aus der ältern und neuern christlichen Zeit Dänemarks. Mehre scincrKanzelreden hat er unter dem Titel:Christelige Praedikener eller Sondagsbog(Christliche Predigten oder Sonntagsbuch, 3 Bde., Kopenhagen 1827und verschiedene seiner kleinern Gedichte unter dem Titel:Qvaedlmger cllerSmaagvad", gesammelt herausgegeben. Seine neueste Schrift enthalt politisch?