Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
281
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Grimm (Jakob Ludwig Wilhelm Karl) 281

Grimm (Jakob Ludwig), Professor und Bibliothekar zu Göttingen, ge-boren am 4. Jan. 1785 zu Hanau, wo er blieb, bis sein Vater spater als Amt-mann nach Steinau versetzt wurde. Er kam 1798 auf das Lyceum zu Kassel, undhatte sich seit 1802 auf der Universität Marburg der Rechtswissenschaft gewidmet,als ihn 1805 sein Lehrer Savigny nach Paris einlud, um seinen Beistand bei lite-rarischen Arbeiten zu benutzen. In das Vaterland zurückgekehrt, erhielt er 1806eine mit geringem Gehalt verbundene Stelle im Kriegscollegium, und wendete dieMuße, die seine unangenehmen Amtsarbeiten ihm übrig ließen dem Studium derLiteratur und Dichtkunst des Mittelalters zu, welchem er bereits in Paris sich ge-widmet hatte. Nach der Gründung des Königreichs Westfalen ward er durchJohannes von Müller begünstigt, und erhielt 1808 die Aufsicht über die, imSchlosse Wilhelmshöhe aufgestellte Privatbibliothek des Königs. Die ganze Ge-schäftsanweisung, die der königliche Cabinetsecretair ihm bei der Einführunggab, bestand in den Worten:Vou8 leres mettre en Francis carsoteres sur lazwrte: kiblivtüeyiie particnliere du rni." Auch als er spater mit Beibehaltungseiner Stelle bei der Bibliothek zum Staatsrathsauditor ernannt wurde, hatte erZeit genug, sich seiner literarischen Neigung zu widmen. Nach der Rückkehr desKurfürsten ward er 1814 als Secretair des hessischen Gesandten in das Haupt-quartier der Verbündeten geschickt, und kam spater nach Paris, wo er in Verbin-dung mit Völkel die, von den Franzosen in Hessen erbeuteten literarischen Schatzezurückzuerlangen bemüht war. Bald nach seiner Rückkehr aus Frankreich warder mit dem hessischen Gesandten nach Wien geschickt, wo er bis zum Jun. 1815blieb und seinen Aufenthalt auch für seine Studien fruchtbar zu machen wußte.Er wurde 1815 auf den Wunsch der preußischen Regierung noch einmal nachParis geschickt, um die aus einigen Gegenden Preußens entführten Handschris-ten auszumitteln und zurückzufedern und zugleich einige Geschäfte des Kurfür-sten von Hessen zu besorgen. Nach Vollziehung dieser Auftrage wurde er1816 als zweiter Bibliothekar in Kassel angestellt. Er war seitdem eifrig be-müht, seine Studien der Literatur des Mittelalters fortzusetzen. Als 1829nach dem Tode des ersten Bibliothekars, Völkel, der kurhessische Historiographund Staatsarchivdirector Rommel die erste Stelle an der Bibliothek erhielt, fühltesich G. durch die erfahrene Zurücksetzung aekrankt und nahm den Ruf zu der An-stellung in Göttingen an, welche er 18 -ö . .ntrat. Seine Bestrebungen waren fastausschließend der Erforschung der altern Sprache, Dichtkunst und RechtsverfassungderDeutschen gewidmet, und wie in häuslichen und amtlichen Verhältnissen innig mitseinem Bruder verbunden, vereinigten beide sich auch in ihren literarischen Forschun-gen, und seit ihrer Jugend in brüderlicher Gütergemeinschaft lebend, gaben sie gemein-schaftlich mehre Schriften heraus, welche die Kunde der Literatur des Mittelaltersund der Volksdichtung bedeutend bereichert haben. Jakob G. richtete indeß seineForschungen besonders auf die fortschreitende Entwicklung der deutschen Spracheund die reife Frucht derselben war seineDeutsche Grammatik" (erster bis dritterBand, Göttingen 1818 31), worin er nachzuweisen suchte, daß alle deutschenSprachstämme verwandt sind und die heutige Form unverständlich ist, wenn mannicht zu den ältesten Formen hinaufsteigt. Außer der Romanzensammlung:8i1-va de raniances vieles" (Wien 1815), der Schrift:Deutsche Rechtsalterthü-mer" (Göttingen 1828), und einigen kleinern, gab er auch noch eine altdeutscheHymnensammlung (Il^mnurnm veteris ecclesiae XXVI interpretutio rlleo-tisca", Göttingen 1830, 4.), allein heraus. Wilhelm Karl G., Unterbi-bliothekar zu Göttingen, geboren am 24. Febr. 1786 zu Hanau, bildete sich ge-meinschaftlich mit seinem Bruder auf dem Lyceum zu Kassel, und ging 1804 nachMarburg, um sich gleichfalls der Rechtswissenschaft zu widmen. Seine frühereJugend trübte eine langwierige gefahrliche Krankheit, von welcher er nur langsam