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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
280
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280 Grimm (Ludwig Albert)

der und Vater, Pietro Mauromichalis, durch tyrannische Unerbittlichkeit zugefü^hatte. ^) (18)

Grimm (Ludwig Albert), Bürgermeister zu Weinheim, und bekannt alzmehrjähriges Mitglied der badischen Deputirtenkammer. Sein Eintritt in die po-litische Laufbahn siel in eine Zeit, wo mehr Dornen als Rosen darauf wuchstund die herrschende Richtung mit Gewalt rückwärts drängte. Der Landtag von1825 war der erste, welchem er beiwohnte. Um so ehrenvoller behauptete G,, derdamals noch Professor und Rector an der lateinischen Schule zu Weinheim wareine politisch-unabhängige Stellung, und gehörte zu den Wenigen, welche zu jenerZeit der Staatsgewalt entgegenzutreten wagten. Mit Föhrenbach und Duttlin-ger bildete er die Opposition, namentlich in den Budgetangelegenheiten, wobei ermehrmals in kräftigen Zügen den Nothstand des Volks schilderte, und in dem Wi-derstände gegen die Abänderungen der Verfassung, welche das badische Ministerium,das Septennalitätsgesetz des damaligen französischen nachäffend, vorgeschlagenhatte, und vermöge einer gehorsamen Majorität auch durchsetzte. Auch IMblieb G. seinen Grundsätzen treu, wiewol die Opposition noch unwirksamer undaussichtsloser geworden war. Bald darauf wurde er von der Gemeinde seinesWohnortes zum Bürgermeister erwählt, worauf er seine Stelle im Staatsdienste,sich den Rücktritt vorbehaltend, interimistisch an einen Andern übertragen ließ.Auf dem Landtage von 1831 war G. abermals Deputirter von Weinheim, und dieKammer, in Anerkennung seiner um die gute Sacke erworbenen Verdienste, er-nannte ihn zu ihrem ersten Secretair. Seine Stellung als solcher und die Redac-tion eines gleichzeitig mit den Verhandlungen erscheinenden Landtagsblattes,welche er übernommen hatte, ließen ihm wenig Spielraum, auch an den Dis-kussionen in früherer Weise Thcil zu nehmen; außerdem übten unglückliche Fa-milienverhältnisse einen niederdrückenden Einfluß aus ihn, und unter den her-vorragenden Rednertalenten, welche dieser Landtag versammelt hatte, konnte ernicht mehr in erster Ordnung glänzen. So geschah es durch eine sonderbare Fü-gung der Umstände, daß G. während einer für freisinnige Entwicklung günstigenZeit den unter ungünstigen und freiheitsfeindlichen Verhaltnissen erlangten politi-schen Ruf sich mindern und hinschwinden sah, und nach seiner Theilnahme an derbekannten durch Welcker's Motion veravlaßten Retirade aus der Kammer sogareiner fühlbaren Unpopularität zur Bern rde. Doch wurde er bei den durch dieGemeindeordnung nothwendig gewordenen frischen Wahlen von seiner Gemeinde1832 neuerdings zum Bürgermeister gewählt, ohne daß er übrigens seinen Staats-dienst definitiv aufgegeben hätte. Als Redner ist G. nur relativ bemerkenswert!),und, wiewol innerlich warm, auch des schriftlichen Wortes wohl mächtig, dochnicht rasch und gewandt genug und der fließenden Leichtigkeit der Rede entbehrend.Außer seiner politischen Wirksamkeit hat sich G. auch literarisch bekannt gemachtund ist Verfasser mehrer als schätzenswerth gerühmter Kinderschriften, woruntereine, mit Entfernung der sittlichen Anstößigkeiten für das kindliche Alter bearbeiteteAuswahl aus den Märchen derTausend und einen Nacht". (22)

*) Es ist bis jetzt noch nicht versucht worden, die neuern Schicksale Griechen-lands in einer genügenden Übersicht kritisch darzustellen, und wir glaubten esdaher rechtfertigen zu können, wenn wir vorstehendem Artikel einen größern Raumgewährten, als Plan und Umfang dieses Werkes es sonst gestatten, um so mehrda diese Gesammtübersicht mehre einzelne biographische Artikel entbehrlich mach-te, und dem Verfasser manche Quellen zu Gebote standen, die Wenigen zu-gänglich sein werden. Die Veränderungen, die der Tod des Präsidenten herbei-führte, wird der Artikel KapodistriaS darstellen, die neuesten Ereignisse aber,welche die Gründung des griechischen Throns einleiteten und begleiteten, der Arti-kel Otto (König von Griechenland) erzählen. D. Red.