Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
271
Einzelbild herunterladen
 

Griechenland

271

anvertraut habe. Allem dies mehrte nur die Erbitterung der Regierung undtrieb sie aufs Neue zu ungesetzlichen und zweckwidrigen Schritten, welche sietäglich mehr in Nachtheil brachten. Ein zweiter Versuch, den Senat zur An-nahme eines strengen Preßgesetzes zu vermögen, scheiterte an der Standhaftig-keit, womit einige Senatoren, welche bereits ansingen eine indirecte Opposi-tion gegen den Präsidenten zu bilden, wie Kolettis, Tazzi Manghina, RigaPalamidiS, ja selbst bisweilen Kolvkotronis, die Discussion darüber zu ver-zögern suchten. Ein strenges Verbot des „Apollon" beförderte nur seine Verbrei-tung und steigerte die Theilnahme, welche er im ganzen Lande und unter allenElasten gefunden hatte, aufs höchste, und sogar die ofsicielle Beschlagnahme derausgegebenen Nummern, welche an mehren Orten befohlen worden war, hatteso wenig Erfolg, daß man sie fortwahrend, selbst auf den besuchtesten Kaffeehäu-sern zu Nauplia, ungestört lesen konnte. Ebenso wenig that das gleichzeitige Er-scheinen zweier neuen wissenschaftlichen Journale, der„Athina" des Georg Chrissi-dis und der„Äginaa" des Apostolidis Kosmetis, welche beide wahrscheinlich aufVeranlassung und unter dem Schutze der Regierung aus der Druckerei zu Aginahervorgingen, dem „Apollon" den ihm von Seiten seiner Gegner gewünschten Ab-bruch. Unglücklicher war damals ein anderes seit Kurzem erschienenes Oppositions-blatt, welches jedoch bei seiner vorherrschenden wissenschaftlichen Tendenz nochnicht die Popularität des „Apollon"erreicht hatte, nämlich die „Aurora" des Kandio-ten Antoniadis, dessen Pressen der Präsident, gestützt auf ein endlich aus eignerWillkür erlassenes Preßgesetz, ohne Weiteres versiegeln ließ. Dasselbe glaubteKapodistrias wahrscheinlich auch in Bezug aufden„Apollon" zu erreichen, als er sichim März auf einem russischen Schiffe selbst vor Hydra begab und unter Anderndie unverzügliche Auslieferung des Polyzo'ides, ja selbst des Druckers und derPressen, jedoch vergeblich, verlangte. Die standhafte Weigerung der Hydrioten,diesem Befehle zu willfahren, hatte aber vorzüglich ihren Grund in der Stellung,in welche damals überhaupt die Insel Hydra zur Regierung von Nauplia getretenwar, und die wegen ihrer entscheidenden Folgen, unsere Aufmerksamkeit zunächstin Anspruch nimmt. *)

Wollten wir den Gründen nachforschen, welche die Insel Hydra gleich an-fangs in ein unfreundliches Verhältniß zur Regierung des Präsidenten Kapodi-strias setzten, so würden wir sie leicht in dem eigenthümlichen Austande der Unab-hängigkeit finden, welchen sie unter der Herrschaft der Pforte behauptet hatte, undvon chem sie zu Gunsten einer neuen Staatsordnung keineswegs gesonnen schienviel aufzugeben. Oben S. L30 hatten wir bereits Gelegenheit, auf die Span-nung aufmerksam zu machen, welche wegen der Unterhandlungen über die Be-nutzung der hydriotischen Marine von Seiten des Staats zwischen den Hydrioten

*) Es klingt beinahe etwas fabelhast, wenn uns der „Lourrrer «je 8m?rne"vom 19. und 26. Iun. erzählt, es seien nachmals, wahrscheinlich von Seiten eineseinflußreichen Negierungsmitgliedes, sechs hydriotische Seeleute je für 1000 Kog-naten und das Versprechen von 200 Srremata Land und des Commandos einesdem Staate zugehörigen Schiffes gedungen worden, in Verein mit mehren Ver-schworenen und unter Mitwissenschast der Regierungsbehörden auf Hydra, sowolden Redacteur des „Apollon", als auch die Primaten und die einflußreichsten einhei-mischen und fremden Mitglieder der Opposition auf ein gegebenes Zeichen gleich-zeitig meuchlings umzubringen. Einer jener sechs soll, auf Betrieb seines Weibes,den Plan Kondun'ottis entdeckt und ihm zugleich alsZnchen seiner Reue den bereits er-haltenen Banditensold zurückgegeben haben. Die'en Bericht hat die „Allgemeine Zei-tung", 1331, Nr. 223 außerordentl. B., aufgenommen. Den Erfolg kennen wirnicht, da wir mit dem Aufhören des „ ('ourrier lle 8mvrne", welcher bekanntlichin den genannten Nummern zum letzten Mal erschien, unsere Quelle verlieren.Übrigens soll der Präsident, nach dem Vorfalle bei Hydra, wirklich entschlossen ge-wesen sein, die Freiheit"der Presse zu proclamiren.