Griechenland 266
here Vorbereitungsschulen, in welchen die altgriechische Sprache gelehrt wurde, mit678 Schülern und 86 Volksschulen für gegenseitigen Unterricht mit 2970 Schü-lern; auf den Inseln erhielten in 15 Lehranstalten der ersten Art 1073, und in33 der zweiten Gattung 2930 Schüler Bildung und Unterricht. Ost- und West-griechenland, deren Organisation überhaupt verhältnißmäßig noch sehr zurück war,standen auch in dieser Beziehung den übrigen Provinzen weit nach. Denn beidebesaßen nur je eine Vorbereitungsschule mit 40 Schülern, während Westgriechen-land deren vier für gegenseitigen Unterricht mit 329 Schülern und Ostgriechen-land drei mit 407 Schülern zählte. Rechnen wir hierzu noch, daß damalssieben von der Regierung unmittelbar in verschiedenen Theilen des Landes ange-legte Vorbereitungsschulen von 883, und vier in gleichem Verhältnisse stehendeSchulen des gegenseitigen Unterrichts von 387 Schülern besucht wurden, so be-lauft sich die Gesammthest der damals wirklich cxistirenden Schulen auf 123 mit9737 Schülern, welche sich nach der Abfassung dieses Berichts noch bedeutend ver-mehrten, wie aus den ofsiciellen Angaben des „<3ounier cka la (Zrece" vom vori-gen Jahre ersichtlich ist. Auch hatte das Priesterseminar, seit es am 30. Ott.1830 von Ägina nach St.-Moni auf Poros verlegt worden war, eine ausgedehn-tere und zweckmäßigere Organisation erhalten, und zählte allein 15 Freistel-len der Regierung. In der Milirairschule zu Nauplia bildeten sich 60 Jünglingefür den höhern Militairdienst aus. Außerdem erhielten noch über 2000 Knabenin Privatlehranstalten, unter denen die auf Veranlassung des nordamerikanischenMissionscomice durch Jonas King zu Athen und auf Tenos begründeten ausge-zeichnete Erwähnung verdienen, theils höhern Unterricht, theils die gewöhnlicheVolksbildung. Der Erziehung der weiblichen Jugend war dagegen bis jetzt nurgeringe Aufmerksamkeit gewidmet worden; seit kurzer Zeit befand sich auf'Äginaeine Madchenschule, die aber zu Anfange des Jahres 1831 erst gegen 30 Schü-lerinnen zählte. Jedoch darf man sich auch bei jenen Schulen durch ihre äußereBlüte nicht über ihre innern Mangel tauschen lassen, welche zum Theil in der Un-zulänglichkeit der Mittel, zum Theil aber auch in dem ursprünglich fehlerhaftenPlane, nach welchem die Regierung die gesammte Volksbildung ihrem Systemgemäß einrichten und leiten wollte, ihren Grund hatten.
In den Elementarschulen, welche seit dem Herbste 1830 meist nach derdurch Sarazin in Frankreich eingeführten Methode des gegenseitigen Unterrichtsneu organisirt worden waren, beschränkten sich die Lehrgegenstände gewöhnlich nurauf Lesen, Schreiben und die Anfangsgründe des Rechnens; in einigen kam hierzuetwas Religionsunterricht, und in sehr wenigen knüpfte man hieran die Elementedes Kirchengesangs, der Grammatik und der Linearzeichnung. Der Mangel angehörig ausgebildeten Lehrern, welchem erst nach und nach durch die Zöglinge derbei der (Zentralschule auf Ägina befindlichen Normalschule abgeholfen werdenkonnte, desgleichen an Lehrbüchern und andern unentbehrlichen Gegenständen,ward an vielen Orten noch sehr schmerzlich empfunden und gab zu gegründetenund ungegründeten Klagen häusige Veranlassung; wie denn auch über die vonder Regierung gebotene strenge Befolgung der Sarazin'schen Methode, welche inmancher Beziehung weder den örtlichen Verhältnissen noch dem Geiste und denBedürfnissen der Schüler entsprach, und die geringe Ausdehnung der Lehrgegen-stände, welche man einem persönlichen und absichtlichen Widerwillen des Präsiden-ten gegen die Aufklärung der Niedern Volksclassen zuschrieb, überall misbilligende,ja zum Theil heftig tadelnde Stimmen laut wurden. Man vermißte überhauptbei dem ganzen Erzi'ehungswescn ;ene politische Tendenz, welche, neben der wissen-schaftlichen Ausbildung der Jugend, auch eine höhere moralische, dem künftigenStaatsbürger nothwendige Bildung im Auge behalte. Den meisten Anstoß nahmman in dieser Beziehung natürlich an den höhern Bildungsanstaltcn, und vor Al-