Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
260
Einzelbild herunterladen
 

260

Griechenland

selbst Regnicri befand, durch Auswanderung nach Morea zu entgehen suchte,An wirksamen Widerstand war seitdem ebenso wenig mehr zu denken als an einunerwartet günstiges Einschreiten der vermittelnden Machte. Die letzte schwacheHoffnung, welche man in dieser Beziehung noch gehegt haben mochte, schwand mitder Räumung des Forts Karabusa von Seiten der französischen und russischenTruppen, die am 1. Febr. 1831 stattfand und die eventuelle Trennung der In-sel Kandia von Griechenland vollendete.

Nächst der Entsagung des Prinzen Leopold im Mai 1830 war in diesemJahre nichts von entschiedenerm Einfluß auf Griechenlands Schicksal, als diezwei Monate später ausbrechende Revolution in Frankreich. Daß sie mit ihrenumfassenden Folgen am meisten dazu beitrug, Griechenland zu den Hauptmächtendes europäischen Staatensystems, welche sich anheischig gemacht hatten, dem jungenStaate seine Existenz und politische Anerkennung zu sichern, plötzlich in jenes miß-liche Verhältniß von Unbestimmtheit zu versetzen, ist bereits oben angedeutet wor-den; jetzt wollen wir nur noch darauf aufmerksam machen, inwiefern zum Theildurch sie die einmal herrschende Gährung der Gemüther und die Spannung dnParteien im Innern vermehrt und zur verderblichsten Entwickelung gebracht wur-den. Kaum hatte sich durch Handelsbriefe aus Zante die erste unbestimmte Nach-richt von den Ereignissen in Paris und der Flucht Karls X. in Napoli verbreitet,als der Regierung von Seiten des französischen Residenten zu Ende des Augustsdarüber eine diplomatische Mittheilung nebst den bezüglichen Depeschen zukam.Der Präsident benahm sich dabei mir vieler Haltung und Entschlossenheit. In ei-ner außerordentlichen Sitzung des Senats, welchen er sogleich versammelt hatte,um ihm die erhaltenen Mittheilungen vorzulegen, schlug er vor, bei der neuen Re-gierung von Frankreich einen außerordentlichen Botschafter zu accreditiren, undempfahl als solchen zugleich den Fürsten Suzzo, der sich damals eben in Paris be-fand. Dieser Vorschlag erhielt um so mehr den ungetheiltesten Beifall, weil manvon der Persönlichkeit des Fürsten eine erfolgreiche Verwendung zu Gunsten dernoch unerledigten griechischen Angelegenheiten bei dem neuen französischen Cabineterwarten zu dürfen glaubte. Besaß Kapodistrias Scharfsinn genug die europäischeBedeutung der Juliusrevolution sogleich zu erkennen, so fehlte ihm aus der an-dern Seite auch nicht die Klugheit, die Besorgnisse, welche ihm in seiner Stellungdie Nachrichten aus Frankreich verursachen mußten, wenigstens anfangs so viel

*) Vielleicht über keinen Punkt stehen dke Nachrichten des „^ourrier äo Smz-rne"mit den Berichten aus Griechenland in so auffallendem Widerspruche, als über dmZustand der Insel Kandia um diese Zeit. Während uns z. B. Briefe aus Syraim Febr. 1831 berichten, daß der Pascha von Ägypten nicht nur der von dmPforte versprochenen Amnestie ungeachtet, die Kopfsteuer der letzten vier Jahre vonder griechischen Bevölkerung mit der größten Strenge eingetrieben, sondern auchdas ägyptische Feudalsystem insofern auf Kandia übertragen habe, als jedes beweg-liche und unbewegliche Besitzthum der Einwohner mit den schwersten Zöllen belegt,und für alle Erzeugnisse des Landes ein Monopol der Regierung zu festgesetztenPreisen eingeführt worden sei Allgemeine Zeitung", 1831, Nr. 73 außerord.erschöpft sich der ,,(louiri«r ste 8mvrnv" vom 23. Januar (IV. Vunee,in einer langen Diatribe unter der Aufschrift: „IZIIs cle et la I^»uve»e

(lreee", im Lobe der neuen Verwaltung der Insel Kandia, welche auf den Grund-sätzen einer vollkommenen Municipalvcifassung beruhe, da hingegen Griechenlandhoffnungslos unter der Geißel ber Despotie siufze. In den zwei folgenden Num-mern bemüht er sich dann zu beweisen, daß die Auswanderungen kandiotisstcsGriechen keineswegs in Folge der Bedrückungen des Paschas, sondern vielnuZauf Veranlassung geheimer Vorspiegelungen des Präsidenten von Griechenland ge-schähen, welcher dadurch die Cabinete noch von der Notwendigkeit der Vereinigungder Insel mit dem neugriechischen Staate zu überzeugen gehofft habe. Derrier ÜL 8mvrne" ist zu sehr Parteiblatt, als daß seine Aussagen in diesir Fe-ziehung einer weitern Erörterung wert!) oder bedürftig wären.