Weit verwickelter und trauriger waren die Verhaltnisse von Kandia, auf des-sen schleunige Besitznahme die Pforte selbst größeres Gewicht legte. Die Reibungen,welche hier zwischen den verschiedenen Theilen der Bevölkerung seit 1821 nie aufge-hört hatten, wurden auf die Nachricht von den londoner Beschlüssen heftiger als je zu-vor, und die schrecklichsten Scenen des erbittertsten Guerillakriegs erneuerten sich in al-ter Weise. Im Allgemeinen zerfielen damals die Einwohner von Kandia in drei grö-ßere Massen, welchen die Nothwendigkeit getrennter Interessen eine unversöhnlicheFeindschaft gebot: 1) die Griechen des Raths von Milopotamos, welche sich mit denBehörden der benachbarten Gegenden von Kandia sowie denen von Karabusa ver-banden; 2) die Sphakioten, die ihre Gebirgscantone und die Provinz Apokoronabeherrschten; 3) die Türken, welche die Festungen und die umliegenden Thalerbesetzt hatten. Ohne sich gerade den Befehlen der griechischen Regierung zu fügen,war den beiden erstem das angeblich durch Emissairs vom griechischen Festlandeverbreitete Gerücht, daß die Regierung zu Nauplia nicht Willens sei, in Bezugauf Kandia den Beschlüssen der londoner Eonserenz Folge zu leisten, Grund genugzu dem entschlossensten Widerstand gegen alle Maßregeln der Pforte, welche dieAusführung jener Beschlüsse zum Zweck hatten. Eine Vermittelung, welche dieAdmirale der Stationen der verbündeten Machte in den griechischen Gewässern be-reits um die Mitte des Jun. versuchten, hatte weiter nichts zur Folge, als daßdie Kandioten griechischer Herkunft eine Deputation nach Nauplia schickten, umvon Seiten des Präsidenten über ihr Schicksal bestimmten Aufschluß und imNothfall Hülfe zu erhalten. Kapodistrias entließ sie mit der trostlosen Versiche-rung, daß es nicht in seiner Macht stehe, weiter etwas für die Unabhängigkeit vonKandia zu thun, wahrend ihnen die Residenten der drei Mächte die Entschlüsse derCabinete als unabänderlich bezeichneten. Unterdessen hatte auf Kandia vr. Reg-nieri, welchen der „(üourrier cke Sm^rue" — für diese Verhältnisse leider fast dieeinzige Quelle — nur als Agenten des Präsidenten von Griechenland darstellt, dieRolle des Lykurg Logotheti auf Samos übernommen und war fest entschlossen,selbst der bedeutenden Macht sich entgegen zu stellen, welche der zum Statthaltervon Kandia ernannte Vicekönig von Ägypten, Mohammed Ali Pascha, im Sept.in Alexandrien einschiffen ließ, um die Unterwerfung der Insel zu vollenden. DerKampf, welcher hierauf zum offenbaren Nachtheile der Griechen begann, wurdevorzüglich durch die zweideutige Besetzung des nur einige Seetoisen von derInsel entfernten Forts Karabusa durch russische und französische Truppen in dieLange gezogen. Die Griechen knüpften daran die Hoffnung einer günstigem Ent-scheidung ihres endlichen Schicksals von Seiten der vermittelnden Mächte, währendMohammed Ali Pascha, obgleich die ägyptischen Truppen ein entschiedenes Überge-wicht behaupteten, sie für bedenklich genug gehalten haben soll, um von den AdMi-ralen der verbündeten Geschwader darüber nähere Erklärung zu verlangen. Je-doch bedurfte es dieser kaum; denn schon im Der. schmachtete die ganze Insel,mit Ausnahme der Provinzen Kandia und Sitia, unter dem Druck ägyptischer Ge-waltherrschaft, welcher ein großer Theil der griechischen Bevölkerung, worunter sich
derm: „Des puisssnces alli^es s'einpressent lle «l^clarer, gu'en vertu äes «NASA«-mens gu'elles ont eontraetes 6'un eoinmun aeeorll, eile« se eroient tenue« ci'as-»urer nnx lmbitaus lle D!s»<!ie et de 8amos une s6eurit6 eontre toute »wiest»-tion, en raison lle la part gu'üs auraient prise Zaus les trvndles antec^llens.Dans le cas vü !'sutarit6 turguo serait exerc^e ti'nne moniere gui pourraitdlesser I'kumanitä, ellacune lles ^uissanees aliiees, saus prenllre toutetois un en-LaAement special et forme! a cet ellet, eroirait <!e son llevoir ll'interposer so»intluenee anpres lle la ?orte, atin ll'assurer aux babitans <!es tles susmention-»6e» une ^roteetion contre lles uetes oppressiks et arditraiiv»." f,,AllgemeineZeitung", 1830, Nr. IL3 B)
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