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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
246
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2U) Griechenland

Monaten i839 unternahmen, die griechische Regierung und ihr Oberhaupt ge-gen die Angriffe gereizter Gegner zu vertheidigen und von aller Schuld an dengetauschten Erwartungen und der Unzufriedenheit des Volkes freizusprechen, chGingen beide Theile, mehr oder weniger durch Vorurtheile an klarer Auffassungder Verhaltnisse verhindert, in ihrem Eifer zu weit, so berechtigt uns schon dies zuder Annahme, daß die Wahrheit auch hier in der Mitte lag; und kann dann derUnbefangene den Präsidenten nicht frei sprechen von unbewußten oder auch absicht-lichen Fehltritten, so verlangt dagegen die Gerechtigkeit eine vorurtheilsfreie Wür-digung der Schwierigkeiten, mit welchen die Regierung fortwahrend zu kämpfenhatte, und unter denen der Präsident nach und nach die sichere Haltung verlor, dieihm ein Übergewicht über seine Feinde hatte sichern sollen. Zwei Dinge warenhier entscheidend: die fortdauernde und steigende Finanznoth, und die peinigendeUngewißheit, in welcher das endliche Schicksal Griechenlands von Seiten der ver-mittelnden Machte, unter vielversprechenden, aber in ihren Resultaten so wenig be-friedigenden Unterhandlungen, gelassen wurde. Beide bilden eigentlich den Mit-telpunkt des traurigen Gemäldes, welches wir noch von den Ereignissen in Grie-chenland bis zu dem unglücklichen Ausgange des Grafen Kapodistrias zu entwerfenhaben.

Ungeachtet die Nationalversammlung zu Argos durch ein Decret vom 7.Aug. 1829 („Allgemeine Zeitung", 1829, Nr. 288 B.) den Präsidenten ermäch-tigt hatte, die Garantie der vermittelnden Mächte für eine Anleihe von 69 Millio-nen nachzusuchen, so hatte dennoch die Regierung durch die deshalb gcthancnSchritte zu Ende des Jahres noch weiter nichts erreicht als ungewisse Hoffnun-gen und weitaussehende Versprechungen; 599,909 Fr. rückstandige Subsidicn,welche im Herbst aus Frankreich ankamen, waren im Verein mit den? nicht unbe-deutenden Ertrage der dem Staate zugehörigen Korinthencrnte (an 7999 Centner,den Centner zu 49 — 59 spanischen Thalern), eine willkommene Hülfe in äußersterNoch, deckten aber kaum die dringendsten Bedürfnisse einiger Monate. Schonsoll der Präsident im October auf den Verkauf der Fregatte Hellas, welche zu 5Millionen Piaster im Verkaufspreis angeschlagen wurde, bestanden haben, als deredle Eynard, welcher um diese Zeit zu Paris selbst vergeblich alle Mühe aufwandte,um das französische Ministerium zur Fortsetzung der griechischen Subsidien zu be-wegen, der griechischen Regierung aus eignen Mitteln einen baaren Vorschuß von790,999 Fr. leistete. **) Hierzu fügte er bereits im Jan. des folgenden Jahres einGeschenk von 209,000 Fr., welche er durch eine glückliche Speculation in griechischenStaatspapieren, obgleich man in England vor deren Ankauf öffentlich warnte, ge-wonnen hatte, und vorzüglich zur Ermunterung des Ackerbaues bestimmte. Nachseinem eignen Willen wurden daher allein 25,999 Fr. auf die Vollendung derMusterwirthschaft verwendet, zu welcher damals eben, unter Leitung des HerrnPaläologos, bei Tyrinth der Grund gelegt worden war. Außer diesen zufälligenund unerwarteten Unterstützungen und den laufenden sehr ungewissen Einnahmen,rechnete die Regierung vorzüglich auf den Ertrag der Nationalbank, welcher sie da-her im Februar 1830 durch bestimmtere Organisation und solidere Grundlagenmehr Vertrauen und lebhaftere Theilnahme zu sichern hoffte. Denn die ursprüng-lichen Einlagen waren verhältnißmaßig doch nur gering gewesen, und ein Theil derActionnairs hatte auch bereits die eingelegten Capitale wieder zurückgezogen, sodaßum diese Zeit der ganze Fonds der Bank nur 602,195 Phönix, 40Lepta —

*) Bcmerkenswerth sind in dieser Beziehung die Briefe Eynard's an den Redac-tcur des londoner ,,Courier"; s. die „Allgemeine Zeitung", 183t), Nr. 33 B-,V., 126 V.

") Dem durch französische Blatter verbreiteten Gerüchte, als habe der Kaiser vo»

Rußland diest Summe garantirt, hat Eynard öffentlich widersprochen.