Griechenland 247
Ivo,365 Tal. 90 Cent, betrug. Um nun diesen Fonds soviel wie möglich zu erhö-hen, so verordnete die Regierung, daß fortan ein Theil der Landereien, welche alsNationaleigenthum zu betrachten seien, den Bankactionnairs als Hypothek zuge-sagt werden sollte; und zwar zunächst in einem solchen Umfange, daß die Capi-tale der altern und neuen Actionnairs bis zum Belaufe von 3,236,000 Phönix —539,3334 Tal. vollkommen gkdeckt sein würden. Dies nämlich war der Betragsämmtlicher Actien, welche man vor der Hand auf 6472 Stück zu 500 Phönix —834 Tal. festsetzte. Sobald die Zahl der Actien diese Summe überstiegen habenwürde, sollten, nach dem Versprechen der Negierung, sofort auch neue Ländereienals Hypothek für den entsprechenden Betrag angewiesen werden. Für jetzt wur-den zu diesem Zwecke namentlich bestimmt: die Korinthenweinberge in den Pro-vinzen Korinth und Vostizza, die Olbaumpflanzungen bei Korinth und Salona,der Schmergelbruch und die Salinen auf Naxos, und die Steinbrüche und Sali-nen von Milo. Zugleich hoffte man durch eine sorgfältige Cultur und Bewirth-schaftung dieser Staatsgüter die Zinsen der Nationalbank zu decken, welche auchfernerhin 8 Procent betragen und jährlich am 1. April ausgezahlt werden sollten.Nach Verlauf von fünf Jahren, d. h. am 1. April 1835, bis wohin die jetzigeOrganisation der Nationalbank in Kraft bleiben sollte, ward den Actionnairs dieRückzahlung ihrer Capitale zugesichert, sobald sie nicht gesonnen sein würden, beieiner dann etwa nach veränderten Umständen vorzunehmenden neuen Einrichtungder Bank, noch ferner Theilnehmer an dem Institute zu bleiben. Vorläufig er-nannte der Präsident drei provisorische Bankdirectoren; später, sobald sich eine hin-reichende Zahl Actionnairs gefunden hätfe, sollten an deren Stelle ebenso viel defini-tive treten, von denen nur einer durch die Regierung, zwei dagegen von den Action-nairs gewählt werden sollten. Dieser an sich wohlberechnete und den etwaigen In-teressenten, wie es schien, sehr günstige Plan fand jedoch weit weniger Theilnahme,als sich die Regierung versprochen haben mochte. Selbst die Sicherheit, welche die vonSeiten des Staates geleisteten Garantien zu gewähren schienen, vermochte das Ver-trauen nicht wieder zu wecken, welches die Regierung gerade bei der begütertenClasse, den reichern Landeigenthümern und den größern Kaufleuten, am meistenverscherzt hatte. Überdies fiel die neue Organisation der Bank in eine Zeit, wo derunselige Ausgang der diplomatischen Verhandlungen über Griechenlands Schicksal,jede Erwartung in Bezug auf die äußere Sicherstellung des neugriechischen Staa-tes und namentlich die von dieser abhängige Verbesserung des Finanzzustandestäuschte und vor Allem das Mistrauen und die Zurückhaltung auf Seiten der Ca-pitalisten aufs Neue steigern mußte. Der Zusammenhang erfodert einen Rückblickauf diese Verhandlungen selbst, bei welchem uns jedoch der Zweck dieser Darstel-lung nur die Angabe der wesentlichsten Momente und der endlichen Resultate ge-stattet.
Das Protokoll vom 22. März 1829 hatte, außer den obenberührtenGrenzbestimmungen für den neugriechischen Staat, noch festgesetzt, daß Griechen-land zwar unter der Souverainetät der Pforte verbleiben, und deshalb an diese1,500,000 Piaster jährlichen Tribut entrichten, zugleich aber auch seine eigneVerfassung in der Form einer nach dem Rechte der Erstgeburt erblichen Monarchieerhalten solle, welche dem jungen Staate Freiheit der Religion und des Handels,sowie Ordnung und Wohlstand im Innern sichere. Die Weigerung der Pforte,diesen Bestimmungen beizutreten, das zweideutige Benehmen Englands, welches,selbst nach Unterzeichnung des genannten Protokolls durch seinen Residenten inGriechenland verlangte, daß die griechische Regierung ihre Truppen aus demFestlande nach Morea und bis auf die durch den Vertrag vom 16. November1828 bestimmten Grenzen zurückziehen solle, während gleichzeitig das Gou-vernement der ionischen Inseln auf die Aufhebung der Blokade von Prevesa