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Zweiter Band (1833) F bis L
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Griechenland

reprasentanten als ein mächtiges Gegengewicht gegen das willkürliche Walten derRegierung betrachtet hatten. Und in der That hätte es vielleicht keinen passendernZeitpunkt geben können, den Präsidenren auf gesetzmäßigem Wege in die noch nichtzu weit überschrittenen Schranken der ihm unbeschadet der Volksfreiheit zugestan-denen Gewalt zurückzuweisen. Daß es eben jetzt nicht geschah, war entscheidendfür die Stellung des Präfidenten zum griechischen Volke und gibt den Schlüsselzum Verständnis der Ereignisse in den drei letzten Jahren. Auf der einen SeiteKapodistrias und sein Anhang, durch den scheinbaren Beifall der Nation zun,Fortschreiten auf der einmal betretenen Bahn ermuthigt; auf der andern eine fürdas Wohl ihres Vaterlandes begeisterte Opposition ohne gesetzmäßige Mittel, sichgeltend zu machen: dies waren die feindlichen Elemente, welche ihren Kampf aus-kämpfen mußten, ehe das Volk der Hellenen, nach unendlichen Anstrengungen, ineinem Zustande gesetzmäßig geordneter Freiheit die lang ersehnte Ruhe finden sollte.Falscher Eifer trieb zum Unheil der Sache, um welche es sich eigentlich handelte,hier wie dort zu Extremen, die eine beiden Theilen genügende Ausgleichung un-möglich machten; und so wird es leicht begreiflich, wie auf der einen Seite die an-fangs lobenswerthe Festigkeit des Willens und heilsame Entschiedenheit im Han-deln zur verhaßtesten Despotie ausarten konnte, wahrend auf der andern ein regesGefühl für Recht und Freiheit im Bewußtsein seines tresslichen Strebens selbstdem Achtungswerthen und Guten schuldige Anerkennung und gerechte Würdigungversagte.

Unter solchen Umständen konnte der Nationalcongreß zu Argos in seinennächsten Folgen auf das innere Wesen der Staatsverwaltung nur einen höchst mit-telbaren Einfluß haben. Das System der Regierung blieb dasselbe, erhielt aberdurch neue Formen mehr Bestimmtheit. Mit der Errichtung des Senats, wel-chem unter Andern, auch die Revision der Eonstitution und die Nedaction neuerGesetzbücher übergeben wurde, stand die neue Organisation des Staatsministe-riums und einer besondern Rechnungs- und Controlekammer in unmittelbarer Ver-bindung. Das erstere wurde nach dem Muster ausgebildeter europäischer Staaten indie sechs Departements des Innern, der auswärtigen Angelegenheiten und derHandelsmarine, der Finanzen und des Handels, der Justiz, des öffentlichen Un-terrichts und der geistlichen Angelegenheiten, endlich das Commissariat des Kriegesund der Kriegsmarine, cingctheilt, welche früher theils einzelne Abtheilungen insPanhellenions bildeten, theils besondern Commisst'onen anvertraut waren. An derSpitze jedes Departements stand, mit Ausnahme des der Finanzen und desKriegscommissariats, welchen eine aus mehren Mitgliedern bestehende Deputa-tion vorgesetzt wurde, ein Staatsfecretair, welchem wieder je vier Assessoren als un-tergeordnete Gehülfen beigegeben wurden. Die Rechnungs- und Controlekammer,aus drei dirigirenden Mitgliedern und den nöthigen Unterbeamten bestehend, sollte,als von dem Staatsministen'uin völlig unabhängige Behörde, mit dem Staats-oberhaupts in unmittelbarer Verbindung bleiben, und ibre Wirksamkeit auf dieRevision der Rechnungen der Staatsverwaltung seit der Ankunft des Präsidentenund die specielle Aufsicht über die Verwendung der Staatsfonds in den verschiede-nen Zweigen der Verwaltung erstrecken. Die Ernennung sämmtlicher Beamtenbei diesen verschiedenen Behörden stand allein der Negierung, d. h. dem Präsiden-ten zu. (Vergl. die Decrete vom 29. September in der „Allgemeinen Zeitung"1829, Nr. 355 B.) Es versteht sich daher von selbst, daß die Wahl, wie bei derder Senatoren, fast nur solche traf, welche die Regierung entweder schon für ihr In-teresse gewonnen hatte, oder sich noch verbindlich und folglich unschädlich zu ma-chen hoffte, wie dies namentlich mit Miaulis, Pietro Mauromichalis und andemFreiheitshelden, welche zu Senatoren ernannt wurden, der Fall sein mochte. Undder Präsident konnte gerade in dieser Beziehung der Erreichung seines Zweckes um