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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
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Göttingen im Jahre 1831

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hat sie so verschieden und größtentheils so ganz falsch und unrichtig beurtheilt,und sie sind in ihren Folgen zum Theil so bedeutend geworden, daß es sich wolder Mühe verlohnt, dieselben etwas genauer zu beleuchten und zu erörtern. DerVerfasser der nachstehenden Darstellung halt sich um so eher zur Lösung der Auf-gabe geschickt, als er zur Zeit jener Bewegungen selbst in Göttingen sich aufhieltund durch seine Stellung und seine Verbindungen mit Menschen von allenParteien sich in den Stand gesetztsiah, mit den Ursachen, dem Charakter und derTendenz jener Unruhen genauer bekannt zu werden. Man hat häufig in unfernTagen die unruhigen Bewegungen, die namentlich auch auf mehren Punkten vonDeutschland ausgebrochen, ohne Weiteres als die Folgen eines allgemein verbrei-teten revolutionnairen Geistes und jakobinischer Schwärmerei bezeichnen hören.Emissaire — und vorzüglich hat man Frankreich und namentlich dem General La-fayette die Anstiftung derselben zugeschrieben — durchziehen, nach der MeinungJener, die das Entstehen der Revolutionen und unruhigen Bewegungen in unfernTagen so leicht zu erklaren wissen, alle Länder, vorzüglich auch die deutschen Staa-ten, werben sich dort Anhänger und Freunde, überreden das Volk, daß es un-glücklich sei und übermaßig bedrückt, spiegeln ihm vor, wie es nur von ihm ab-Hange, durch Veränderung der bisherigen gesetzlichen Ordnung sich ein nie getraum-tes Glück zu verschaffen, und das ^olk glaubt ihnen unbedingt, bildet sich plötzlichein, daß es höchst unglücklich sei, auch da, wo es bisher nicht die mindeste Ursachezu Klagen hatte, und die Revolution ist fertig. So sind denn auch die Bewegun-gen, deren Schauplatz Göttingcn im Anfange des Jahres 1831 war, nicht seltenin der Nähe und Ferne beurtheilt worden. Und daß sie namentlich auf diese Weiseauch in der Nahe häufig beurtheilt worden, hat alsdann auch auf den Gang, dendie Untersuchung gegen die Urheber und Theilnehmer jener Bewegungen genom-men , einen unverkennbaren, leider höchst unglücklichen Einfluß gehabt. Es möchtedurchaus überflüssig und unnütz erscheinen, über jene Ansicht von der Entstehungder Revolutionen, von jener Frciheitspropaoanda, welche angeblich seit so langerZeit die bisherige politische Ordnung in Europa bedroht, auch nur ein Wort zuverlieren, wäre diese Ansicht nicht leider so sehr verbreitet und von so unglückseligemEinflüsse. Daß aber trotz der tausendjährigen Erfahrung, die aller Orten ganzunwiderleglich den Beweis gibt, daß nirgend Revolutionen bei der Masse künstlichgemacht werden können, sondern daß sie von selbst sich machen, daß sie das WerkderNothwendigkeit — einer wirklichen oder eingebildeten, das gilt gleichviel —sind, daß sie oben vorbereitet werden, um spater unten auszubrechen, daß dennochjene abgeschmackte Ansicht von der künstlichen Revolutionsfabrik noch immer inden hohem Sphären so viele Anhänger und Vertheidiger findet, das erklärt sichgar leicht bei näherer Ansicht. Die Trägheit findet darin eine Beruhigung, dasböse Gewissen die Rechtfertigung. Nicht die eigne Verkehrtheit braucht man an-zuklagen, braucht nicht zu greifen in den eignen Busen, sondern kann ganz bequemalle Schuld von sich auf Andere abwälzen, kann den fremden Ranken und Umtrie-ben beimessen, was nur der eignen Beschränktheit, der eignen Schlechtigkeit bei-gemessen werden sollte. Daß man aber auch bei Gelegenheit der göttinger Unruhenjene unglückselige Ansicht geltend zu machen gesucht, davon gibt unter manchemAndern die Vertheidigungsschrist des Grafen von Münster den deutlichsten Beweis.

Fragen wir nun aber nach, welche Ursachen denn die göttinger Unruhenveranlaßt und zum Ausbruche gebracht haben, so müssen wir hier wohl die allge-meinen von den besondern, diejenigen, welche in den allgemeinen Verhältnissender Zeit, in der politischen Lage von Europa und Deutschland vorzüglich begründetwaren, von den besondern unterscheiden, die zunächst in den eigenthümlichen Ver-hältnissen des hanövcrischen Landes und der Stadt Göttingen selbst gesucht werdenmüssen. Nur mit einigen Worten brauchen wir aus jene allgemeinen Ursachen

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