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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
194
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196 Göttingsn im Jahre 1831

sie (die nun achtunddreißigjahrige Witwe) zwar an, da aber ihre zerrütteten Ver-mögensumstände, die sie nur mit großer Mühe und durch manches unredlicheMittel versteckte, dann ans Licht kommen mußten, so vergiftete sie ihn(Aprjl1823) noch vor Vollziehung der Ehe. Auch einer Freundin, der Näherin MariaH., gab sie Arsenik, wovon diese sehr krank wurde, doch ohne daß der Tod erfolg-te. Nicht lange vor dieser Zeit gab sie bei einem Besuche in Stade vor, umihren Geldmangel zu verbergen, daß sie bestohlen worden sei, und leistete ei-nen Eid darauf. Ihr nächstes Opfer war eine vieljährige Freundin, die Mu-siklehrerin Anna Lucie Meyerholz, welcher sie bloß in der Absicht Gift beibrachte,um sich ihrer kleinen Ersparnisse zu bemächtigen (März 1825), dann der Com-missionnair Mosens, ein um einige Jahre jüngerer Mann (er war 33 Jahr, dieG. letzt 40 Jahr alt), welcher aber Neigung zu ihr gefaßt und sich geneigterklärt hatte, sie zu Heirathen. Auch bei diesem Morde war die Aussicht auf einenGewinn von einigen hundert Thalern die einzige Triebfeder. Mehren andern Per-sonen gab sie Gift, ohne bestimmten Beweggrund; es war ihr zum Bedürfnißgeworden, Unheil anzurichten; sie empfand vorgeblich einen Trieb, Denen, welchezu ihr kamen, etwas zu geben. Im October 1826 verkaufte sie ihr, von ihremersten Ehemanne ererbtes Haus an den Rademacher Rumpf, einen kürzlich erstverheiratheten jungen Mann, für 8500 Thlr. Am 6. Dec. 1826 wurde diedreiundzwanzigjährige Ehefrau Rumpff's von ihrem ersten Kinde entbunden, undwenige Tage nachher gab die G., die sich mit der Heuchelei der innigsten Freund-schaft an diese Leute gedrängt hatte, derselben in einer Hafersuppe Gift. Siewiederholte dies nach einigen Tagen, und am 22. Dec. 1826 starb die Vergiftete.In das Jahr 1827 fallen nun noch mehre Schandthaten dieser Art. Ihre viel-jahrige treue Dienerin und Freundin, die Ehefrau des Küpers Schmidt, vergiftetesie nach ihrer Entbindung, bloß um sich einer Summe von etwas über 50 Thlr.zu bemächtigen, und noch vor der Mutter starb auch das dreijährige Mädchen der-selben, welches von der vergifteten Suppe mitgegessen hatte. Im Jul. reistesie nach Hanover, wo sie in der Familie des Beschlagmeisters Kleine, dem sie800 Thlr. schuldig war, auf das Freundschaftlichste aufgenommen wurde. Diesvergalt sie mit Ermordung des Kleine, welcher am 24. Jul. an dem beigebrachtenGifte starb, und durch den Versuch, auch den Sohn, Thierarzt Kleine, zu vergiften.Dieser kam aber, nebst den übrigen Hausgenossen, mit einem heftigen Erbrechendavon. Vergebens suchte sie nach ihrer Rückkehr den Rumpfs in ihr Netz zuziehen; erschien eine Abneigung, ein heimliches Grauen gegen sie zu empfinden,in einer Ahnung oder auch wol bestimmterer Vermuthung ihrer Verbrechen.Auch ihm brachte sie wiederholt Gift bei, das ihm Erbrechen und im Februar 18?8eine bedeutende vierzehntagige Krankheit zuzog. Endlich schlug die Stunde der Ver-brecherin. Am 5. Marz 1828 bemerkte Rumpfs etwas Verdächtiges an einemStück Schweinfleisch; er zog seinen Arzt zu Rathe; man erkannte den Arsenik; dieSache wurde dem Criminalgericht angezeigt und am 6. März, an ihrem dreiund-vierzigften Geburtstage, die Entsetzliche verhaftet. In der Untersuchung bekanntestenach und nach ihre Grauel, obwol innner noch unter einer Menge von Zügen derHeuchelei und der Eitelkeit, von welchen sie selbst noch auf ihrem letzten Gangezum Richtplatze sich nicht trennen konnte. Am tiefsten blickte ihr Vertheidiger inihr Inneres („Lebensgeschichte der Giftmörderin G. M. Gottfried", von F. EVoget, 2 Bde., Bremen 1831). Der Referent Senator Gildemeister zu Bremenhat den Fall ausführlich dargestellt, und Prof. Jarcke eine psychologische Betrach-tung darüber gegeben in Hitzig's „Annalen der deutschen und auslandischen Emminalrechtspflege", Heft 21 und 22. (3)

Göttingen im Jahre 1831. Die im Anfange des Jahres 1831zu Göttingen stattgehabten Unruhen haben so allgemeines Aussehen erregt, man