Gothe
^' . .
seine Ideen anschlössen, erschienen noch von ihm nachträgliche Ausschlüsse zu seinenmorphologischen Forschungen in der Schrift: „Versuch über die Metamorphoseder Pflanzen, übersetzt von Fr. Soret, nebst geschichtlichen Nachtragen", auch unterdem Titel: „Vssai sur Metamorphose lles plantes" (Stuttgart 1831),worin unter Anderm ein Aufsatz zur Geschichte seiner botanischen Studien ent-halten ist. Besonders war es aber auch die vergleichende Anatomie, mit der erM) ununterbrochen beschäftigte, und sein Aufsatz über den interessanten Prin-cipienstreit der beiden französischen Naturforscher Geossroy de St.-Hilaire undCuvier (in den „Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik", Mär; 183L), der sichalt des Erstem „?rmc>pes sie Philosophie 2oo!vA:gue" knüpfte, ist nicht nurdeshalb merkwürdig, weil er vielleicht geradezu die letzte Arbeit ist, die aus G.'sFeder geflossen, sondern er enthält auch gewissermaßen Selbstbekenntnisse über dieRichtung und Entwickelung der naturwissenschaftlichen Studien G.'s, die selbst inbiographischer Hinsicht Werth haben dürften. G.'s „Metamorphose der Pflan-zen" fand besonders in Frankreich und bei der pariser Akademie, der Geossroy deSt.-Hilaire einen Bericht darüber abstattete, die ehrenvollste Aufnahme, und erselbst blieb fortwährend in persönlichem wissenschaftlichen Verkehr mit den ausge-zeichnetsten französischen Naturforschern, die ihre eignen Ansichten an den seknigcnweiterbildeten. Überhaupt ist G.'s Verhältnis! zum Auslande, auch hinsichtlich derAnerkennung und Aufnahme seiner poetischen Werke, das großartigste, dessen sichje ein Schriftsteller zu erfreuen gehabt. Er fand seit den letzten Jahren besonders inFrankreich, England und Italien immer ausgedehntere Verbreitung und gelunge-nere Übersehung, und wir sehen den Dichterheros allmälig als allseitig anerkannteGestalt in die europäische Weltliteratur übergehen, deren Ankunft er selbst in „Kunstund Alterthum" vorahnend angedeutet.
Wie aber G. in die deutsche Eulturentwickelung eingegriffen, wird selbst dannnoch anerkannt bleiben, wenn sich vieles Einzelne in seinen Werken langst überlebthaben sollte. Das Große an G.'s Dichtungen ist mehr die Form als der Inhalt, aberauf der Stufe, auf welche G.'s literarische Wirksamkeit in Deutschland fällt, be-durfte es der deutsche Geist vor Allem erst noch, daß ihm eine anziehende Form zuTheil werde, welche die Schwere des Stoffes an ihm verkläre. G.'s Talent war,wie kein anderes, dazu geeignet, ihm diese bis zur Entfaltung des höchsten Gradesder Anmuth zu geben, denn wie seine Natur überhaupt eine künstlerisch gebildeteund bildende war, welche die Klarheit und Sicherheit der Antike aufs Glücklichstesich angeeignet und mit moderner Reflexion zu einer scheinbar tiefergehcnden harmo-nischen Einheit vermischt hatte, so ging auch dies Bildende und plastisch Formendeseines Talents auf alle Gegenstände des Lebens und der Kunst über, die er nurnach irgend einer Seite hin ergriff. Daher strebt er überall nach der möglich-sten Herausbildung des Graziösen der Form, ja er versucht sich oft am unschein-barsten Inhalt am liebsten, um die Lust zu haben, selbst das Unscheinbare imZauber seiner Darstellung glänzen zu sehen. So faßte er in seinen Romanendas gesellige Leben der Deutschen auf, das sich im 18. Jahrhundert noch in sei-nem steifen Menuettschritt bewegte, und der „Wilhelm Meister" ist das erste deut-sche Buch, das einen wahrhaft geselligen Geist, einen wirklich freien und anmuthi-gen Lebenden verräth. Die Wirksamkeit, welche dieser Roman gehabt, kannman nicht höher bezeichnen, als wenn man sagt, daß er in der That in das gesell-schaftliche Leben der Deutschen selbst übergegangen und seinen Ton erhöht und ver-edelt hat. Nicht minder mußten seine lyrischen Gedichte, besonders siine unvergeß-lichen Lieder, die ewig in Aller Mund und Herzen leben werden, auf die harmoni-sche Gemüthsbildung seiner Zeit einwirken, indem sie eine wahre Musik der Ge-uchle, wie sie bisher noch nie in Deutschland erklungen war, in sich entfalteten.Wahrend aber seine Lyrik die schönste und freieste Beweglichkeit des Gemükhs an-^lonv -Lex. der neuesten Zelt und Literatur. II. ? A