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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
190
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192 Göthe

Standpunkt dazu geeignet sei, um von ihm aus einen Dichter als Dichter zu be-urtheilen. Denn auch in Schubarth's Kritik, weil sie es nur mit den ab-strakten Resultaten der Dichtungen zu thun hat, mußte darum G. geradesSeiten seiner künstlerischen Eigenthümlichkeit ungewürdigt bleiben. Was indeßdie Geltendmachung einer neuen Literaturperiode gegen den Geist einer frühem undvergangenen, unter der man die Göthe'sche Poesie begreifen will, anbetrifft, so istauch hier zu bemerken, wie es gefährlich sei, diese sogenannte neue Literaturperiodebereits als Revolutionswaffe gegen die alte zu schleudern, wahrend diese neue nochnicht einmal aus dem Chaos, mit dem sie in unfern Tagen noch um Gestaltung zuringen hat, als ein Seiendes hervorgetreten ist. Den im Obigen bezeichneten ver-schiedenartigen Bestrebungen der Opposition ist indeß vor Allen Ludwig Tieck be-sonders in seinem Vorwort zu den gesammelten Schriften von Lenz (Berlin1828) dadurch entgegengetreten, daß er darin eine freilich mehr enthusiastische alskritische, aber doch in einem wahrhaft großartigen Sinne dargestellte Verherrli-chung G/s, als des eigentlichen Trägers und Begründers der nationalen deutschenPoesie, ausgehen ließ. Auch in einer seiner neuem Novellen: „Der Mondsüchtige"(in der „Urania" für 1832), sollte, wie es scheint, Tieck's Anerkennung für G. zurTendenz dieser Dichtung gehören; aber leider ist die ganze Novelle, die an sich zuwenig ausgeführt und zu skizzenhaft geblieben, nicht dazu geeignet, ihre Motiveklar und entschieden genug heraustreten zu lassen. Die Bestrebungen der Oppo-sition, denen auch Börne, vornehmlich in seinen „Briefen aus Paris", beitrat, ken-nen indeß wenigstens den negativen Nutzen gewähren, daß sie den kindisch schwär-menden Enthusiasmus der gedankenlosen Menge, der G. von jeher geschadetund den er selbst immer durch sein bekanntes Stoßgebet: „Gott bewahre mich vormeinen Freunden!" von sich abzuwenden bemüht war, endlich einmal zerstreuenund von dieser Dichlersonne die sie umlagernden Wolken wegscheuchen, denn derbloße Enthusiasmus ist allerdings der schlechteste Kunstrichter. Dann aber erjiwäre zu erwarten, daß eine wirklich gründliche und objcctive Kritik der Göthe'schenWerke seinen ohne Zweifel unwandelbaren Platz in unserer Literatur bestimmt be-zeichnen würde.

Während so die mannichfaltigste Gesinnung der Zeit sich an G. entwickelteund aussprach, zeigte er sich selbst unterdeß bis zu seinen letzten Augenblicken un-unterbrochen geschäftig, seine Leistungen in immer geordneterer und übersichtlichererGestalt dem Publicum zu hinterlassen. Die neueste Ausgabe seiner Schriftenletzter Hand in 40 Bänden (Stuttgart 1828 — 31), mit der er uns beschenkte,und das Neue, welches sie enthält — worunter besonders das Zwischenspiel zum„Faust": „Helena", seine „Tag- und Iahreshefte", ein zweiter Theil seiner „Italie-nischen Reise" u. a. — ist schon anderweitig zu vielfach besprochen worden, als daswir hier noch nähere Betrachtungen daran knüpfen sollten. Die bevorstehendeHerausgabe seines reichhaltigen Nachlasses wird, wie es scheint, Das, was wir vonihm besitzen, noch bedeutend vermehren, vornehmlich durch die Vollendung des„Faust", die G. wenige Monate vor seinem Tode zu Stande gebracht haben soll,und durch einen seine Autobiographie ebenfalls abschließenden und ergänzendenvierten Theil von „Wahrheit und Dichtung". Außerdem verspricht der zumDruck bestimmte Briefwechsel mit Zelter, der acht Bände stark ist, und in dem sichG. gerade unter allen seinen Correspondenzen am ausführlichsten und offenstenausgesprochen haben soll, die interessantesten Mittheilungen und Aufschlüsse vollvon Beziehungen auf Zeit- und Personenverhältnisse. In wissenschaftlicher Hin-ficht blieb G. aber vornehmlich den von ihm so eigenthümlich aufgefaßten Natur-studien auch in seinem höchsten Alter noch zugewandt, und während er seine Austmerksamkeit als Kritiker in diesem Felde besonders auf die Bemühungen der neue-sten französischen Naturforscher richtete, welche sich auch ihrerseits mannichsach ^